Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1885-09-17 · Heft 16 (17.9.1885) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 16 (17.9.1885)
Date
1885-09-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3092672-3092673-3092689--0205-3093140
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 Selbst - Ema »cipa 11 o »! Nr. 16 Bestreben,, diqem unserer unwürdigen - Zigeunerthum ein Ende zu bereiten. I» der Umkehr zu», zufriedenmachenden und glückbereitenden^ Ackerbau, in der Rückkehr unserer Ge» ^.daukeu-^zu dem B oden unserer. Ahnen liegt die. Gewähr, daß bald möglichst verstummen werde der UnheilSrnf „Wand re!" ßhronik. (Die Fortschritte der jüdisch-nationale» Bewegung iu Wien) werden von den assimilatorischen Zeitungen mit einem verzweiflungsvollen Wuthgeschrei anerkannt. Täglich langen Beitrittserklärnngen an die „Zukunft" ein, während im Schoße des Vereines, selbst eine äußerst rührige Thätigke>t herrscht. Aber auch in Bezug auf die Agitation zum Beitritt in den Verein wird rastlos gearbeitet. So wurden Roscli haschanah. in den Bethäusern 1500 Flugblätter, enthaltend den vollständigen Bericht über die Montesiore- Trauerfeier des Vereines „Zukunft". vertheilt. — Die Mitglieder des akademischen Vereines „Kadimah" kehren bereits von ihren Ferienreisen zurück, und dürfte damit ebenfalls die Agitation an der hiesigen Universität zum Beitritt in diesen jüdisch-nationalen Verein ihren Anfang nehmen. — Mit dem 28. September läuft die gesetzliche Frist für die Bewilligung des Palästina-Colonisationsvereines „Admath Jeschuruu“ ab. Nach unserem Dafürhalten steht der Genehmigung der eingereichten Statuten nichts im Wege. Was den ncugegründctcn Verein jüdischer junger Damen „Mirjam“- anbelangt, so hat derselbe, nach den bisherigen Vorarbeiten zu schließen, eine schöne Zukunft zu erwarten und steht es ebenfalls außer Zweifel, daß derselbe in der jüdisch-nationalen Bewegung einen hervorragenden agitatorischen Platz einnehme» wird. Im Uebrigen verweisen wir auf die diesbezügliche Notiz in unserer heutigen Nummer. (Die Bethauser-Calamität in Wien). Alljährlich wiederholen sich die Klagen über die Rosch haschanah uni) Jom kipjrar bestehende Bcthäusercalanutät! Die Cnltusgemeindc wäre verpflichtet, dafür zu sorgen, daß auch unsere a r m e n jüdischen Brüder in die Lage kommen, ihren gottesdienstlichen Obliegenheiten in ordentlicher Weise nach» kommen zu können. Es ist eine Thatsachc, daß in allen hiesigen Privatbethäujern Sitzplätze nicht unter 2 fl. zu haben sind. Wie soll nun der arme Mann, der sich um 2 fl. vielleicht drei Tage plagen muß, für sich und seine Familie die Kosten seiner Frömmigkeit aufbringen? — Die Cultusgemeinde sollte aber auch dafür sorgen, daß nicht, an Orten, wo an anderen Tagen decolletirte Chansonettensängerinen zweideutige Lieder zum Vortrage bringen. Bethäuier errichtet werden. Solch' eine Proforination er» niedrigt uns in den Augen der Arier, denn dann sinkt der Gottesdienst zum „Geschäft" herab. — Wir wollen hoffen, daß unsere heutigen Worte nicht ungehört verhalle» werden und eine Abstellung der erwähnten Uebelstände erfolgen wild.— Hier wäre noch einer edlen That zu erwähnen. Derchristliche Oberst des 24. Jnfanterieregementes, Edler von Metzger hat es beim Corps-Commando durchgesetzt, daß zwei große, 600 Personen fassende Säle in der Rudolfskaserne den jüdischen Soldaten als Betlocal während der hohen Feiertage eingeräumt. wurden. Die Cultus-Gemeinde stellte zwei Vorbeter. zur Verfügung. Oberst Edler von Metzger hat ferner aus seiner eigenen Tasche 80 Gulden zum Ankäufe von Talethim. und Machsorim bcigesteuert. (Eine erhebende Montefiore-Trauerfeier) fand Soiiluag den 6. d. M. in dem Bethause des Talmud Thora-SBereineS (Wien, II., Malzgasse) statt. In dem Hesped, den Seine Ehrwürden, Herr Rabbiner Kohn hielt, wurdktt die Tugenden des großen Verstorbenen in's rechte. Licht gksttzt, besonders aber auch sein Wirken für das heilige Land erwähnt. Vorzüglich sang nach der Rede der Cantör,. Herr Löw, das „El mo’e rachamim" wie er auch eine Woche später am Rosch haschanah fein hervorragendes Talent bewies. (Der „Oesterreichische Bolksfrennd") enthäst in seiner Nummer vom 6. d. M. folgende Stelle: „Wären die europäischen Regierungen wirklich jo „hnmru", wie sie asfichiren, es wäre ein Gebot der Humanität, den Kleinasiaten wieder ein Separat-Baterland zu schaffen, statt, daß sie in allen diversen „Vaterländern" die Zigeuner spielen müssen." Wir führen diese Auslassung eines antisemitischen Blattes ohne Commentar an, da derselbe überflüssig wäre. (Rach Verlauf der dreitzigtagigeu Trauerzeit) uin Montefiore, versainmelten sich die Verwandten und Freunde des großen Verstorbenen zu Ramsgate, und Dr. Löwe, der langjährige Berather Montefiore's hielt eine grist- und begeisterungsvolle Rede. Bemerkenswerth ist, daß er am Schluffe derselben eS als heilige Pflicht gegenüber dein Tobten erklärte, ZionS zu gedenken und fpeciell den M o nt e f i o r e - V e r b a n d der Zionsfreunde zu unterstützen. — Sein Neffe, Herr Josef Sebag, hat mit Erlaübniß der Königin Victoria den Zunamen „Montefiore" angenommen. (Rumänisch.) Die Herren Neu-Römer wollen jüdische Unterschriften zu einem Protestgegen die Klagen der jüdischen Deputation in London sammeln. Doch lassen sich die Jude» zum größten Theile zu dieser oolksverrätherischen Lüge nicht haben; unsere Stammesgeoossen in Seveny bei Dorohoi haben sogar dem Minister einen Protest gegen dieses Unterschriftensammeln unterbreitet. (Amerikanische Assimilation.) Wir haben schon einmal in einer unserer Nummern die europäischen Assimilauten gehänselt, weil sie so sehr hinter ihren amerikanischen College» zurücksteh-n; heute aber haben wir noch viel mehr Grund dazu, denn ans Chicago hört man curiosc Dinge. Daß der dortige Rabbiner Hirsch den Sabbattz auf, den Sonntag verlegt hat, ist etwas, worin man nichts. Neues mehr, sehen kann. Demselben Reformator ist es aber auch eingefallen, den Machtspruch zu erlassen, daß von nun an Rösch häschanah und Jom Kippur nur an Sonntagen gefeiert werden sollen.— Wir glauben, daß der gute Mann, um das Motiv seiner Handlungsweise befragt, kaum eine Antwort geben könnte. Diese Maßregel ist einfach unsinnig und selbst vom assimilatorischen Standst u n k t e g ä n z l i ch u n n ü tzi (Aus Persien.) Wie wir dem „Jeschurun" entnehmen, ist die Lage der persischen Inden, die sich durch Ehrlichkeit und Redlichkeit auszeichnen und größtentheils Kleingewerbe und niedere Handarbeit betreiben, eine unsagbar gedrückte. Daß sie nicht den Entschluß zur Auswanderung fassen, liegt darin, weil ihnen sogar die Uebersiedlung von einer Provinz in die andere, geschweige denn die gänzliche Emigration, verboten ist. Man sieht, die Perser können trotz ihrer semitischen Religion ihre arische Abkunft nicht verleugnen, denn bei semitischen Mohammedanern dürfte man kaum solchen Haß finden. — Wäre es aber nicht ein edles Werk, den persischen Juden die Auswanderungserlaübniß zu erwirken? — Sollten das nicht maßgebende. Persönlichkeiten in die Hand nehmen? Korrespondenzen. Wien. Die „Jllustrirte Gemeinde-Zeitung" tischt ihren wenigen Lesern in ihrer letzten Nummer eine Jeremiade über die Gefährlichkeit und Unzweckmäßigkeit der beiden Vereine „Kadimah“ und „Zukunft" auf. Vor Allem spricht sie von dem „Geselligkeitsvetein mit Ausschluß jeder politischen Tendenz". Der Herr Artikelseribler möge es sich gesagt sein.lassen, daß die „Znknnft" ein w issenschaftlicher Verein ist, in welchem auch er ganz sicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.