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Selbst-Emancipation · 1885-09-02 · Heft 15 (2.9.1885) · p. Seite 15

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 15 (2.9.1885)
Date
1885-09-02
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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9h-. 15 Selb st ->.E ut ä n c i Ration! . . Seite 15 im Jahre 1856 bewog, mit seiner ihm im Tode voraugegangeiien > liebenswürdigen, geistvollen Gattin Judith die Reise nach St. Peters- 1 bürg anjulreteii, um beim Czaren eine menschlichere Behandlung der \ arg bedrängten russischen Jude» zu erwirken! . Nicht nur aber, daß diese Unternehmungen von Eriolg waren, wußte er gelegentlich seines damaligeu Anfenihaltes in Rußland seine dortigen Brüder von einem falschen Nationalitätswahne zu heilen und sie sür die jüdisch-nationole Idee wiederzugewinnen l (Bravorufe.) Einen Zug unverwüstlicher Volksliebe bewies Sir Moses weiters, als er im Jahre 1858 nach Rom eilte, um den in der ganzen civilisirten Welt Aufregung verursachenden. Mortarasall einer Lösung zuzuführen. Und wenn auch Sir Moses das. was er bezweckte, nicht ganz erreichte, so zeigte er doch durch sein energisches Auftreten in diesem Falle, daß er der Mann von Thatkrafl und unbeugsamen Wille» sei. (Beifall.) Montestore konnte nicht müßig die Hände in den Schoß legen, wenn er seine Stammesbrüder angegnsf n sah, denn im Jahre 1363 .wieder .eilte der damals 86jährige Greis nach Marokko, um seine der Blutschuld angeklagten Stammesgenoffen von diesem auf ihnen ungerecht ruhenben Verdachte zu reinigen. Aber alle hier ausgezählien Timten sind nur Tropfen ans .dem Meere der Wirksamkeit Montefiore's. Wollte ich Alles, was Sir Moses für u»S gethan, hier aüfzählen, dann müßten wir nicht stundenlang sondern tagelang beisammen bleiben. Und so will ich denil in wenigen Worten sagen, was Moses Montefiore für uns Nationaljuden war, was er gegenwärtig noch für uns ist und in allen kommenden Zeilen bleiben wird: Ein weithin leuchtender Stern am. Firmamente der ruhmreichen jüdischen Geschichte, ein Feldherr der tapsercn, ausdauernden jüdisch^nationalen Armee. (Leb- I Hafter Beifall und Händeklatschen.) ' Und so wollen wir denn trauern um diesen wackeren Streiter für Menschenrechte und Freiheit, um diesen wahren Jude», welcher die Einigkeit seiner jüdi>chcn Brüder mit der ganzen ihm zu Gebote stehenden Macht anstrebte! Während wir aber hier versammelt sind, um das Andenken dieses großen Todten zu ehren, hören wir ganz deutlich vom Jordan her das Jaiilinern und Klagen unserer am Grabe Rachels betenden Brüder. Sie weinen, weil sie den Schmerz nicht unterdrücken können, der ihr Herz krampfhaft zusammeiizieht, denn sie haben in Moses Montesiore nicht nur einen Freund und Beschützer — sie haben in ihm auch eiuen Vater verloren! (Bravorufe.) Aber — kan» ihnen dieser Verlnst ersetzt werden? Nein, und zehnmal nein! Trotz alledem wird versucht, diese» Schmerz zu lindern, wird es versucht, die unter diesem Birlüste Leidenden zu trösten, den» an der jüdiich-nalionäleit Wacht stehen Männer, welche es sich zur höchsten Aufgabe gemacht haben, nach dem schönen Vorbilde Sir Moses Montefiore's zu wirken, welche den einzige» Weg zur Erhalluiig und Kräftigung des jüdischen Stammes in der liefen Einwnrzeluiig des jüdischen Nationalbewußtseins ervlicke»! (Lebhafter Bestall.) Ruhe saust, Mo>es Montesiore, denn die von Dir vertretenen Principien werden, ja, sie dürfe» nicht untergeben! Wir werden dafür sorgen, daß der Same, welchen Du zur Einigung des jüdische» Volkes gestreut hast, gepflegt und gehütet werde, daß alsbald l,ervorgehe ein starkes Israel! (Stürmischer B-lsall.) Wir werden dafür sorge», daß die liachkommeuocu Generationen erfahren» was Moses Montesiore war: Ein edler, warmfühlentec Menschellfreund, eine Zierde seines Volkes! (Bravo!) Wir Mitglieder dieses jungen Vereines haben aber eineil besonderen Grund, um Sir Moses Montesiore zu trauern, den» er war es, welcher uns den schönen, a u S s i ch t s v o l l e n Weg gezelglhat, deilwir zu verfolge » habe „, jenen Weg, welcher uns führt i« eine rosige, g l ü ckverheißende Zukunft! (Stürmischer, lauganhaltender Beifall und Händeklatschen. — Redner wird von allen Seilen bcglückwünschl.) Dieser Rede, die dazu beitrug, die nationale Begeisterung der Anwesenden noch mehr zu entflainiuen, folgte Maskir, Ricitativ von Herrn Obercantor I. Bauer sammr Chorquartett. Das war der Glanzpunkt des Abends. Herr Obercantor Bauer verdient für seinen wunderschönen, ergreifenden Ge,ang den besonderen Dank des Vereines. Der Recitation des Maskir folgte, die Declamation des von Herrn Nathan Birnbaum,' Herausgeber der „Selbst-Emancipation!", verfaßten und von Herrn Arthur W a l d. a u vorgetragenen Gedichtes „Seid getrostl" Seid getrost! . Horch, die Jordaiiwogen jammern, . Durch die Palmenkronen Klage klingt. Und aus Karmels Felsenkammern Leise säuselnd ein Geseufze dringt. „Weshalb klagt Ihr, Heimatwogen. Uno was weinst Du, prächt'ger Palmcnwald, Und was ist's, daß langgezogen Karmelberg, ei» Seufzen Dich'durchhallt?" . . . . „Um den Löser nni'res Bannes 'Weinen wir, Gebsrg und Strom.und' Wald, Um 'den Töd des Zionmannes Zitternd unser Schmerzensschrei erschallt. All' fein Ringen, all' sein Streben Galt allein Jerusalem's Geschick; Ja, sein buiidertjähr'aes Leben War ein Kamps sür Zions Zukunftsglück. Nun er starb, der milde Moses, Schwindet nnj'r.' schöne Hoffnung ganz' Nimmeriuedr wird unj'res Loses Fluch geändert sein in Pracht und Glanz. Möchte doch, ach Gott, versiegen — Rust der Jorvau — nnn mein Wass rschwall! Möchte doch in Stücke fliegen — Schreit der Karmel — nun mein Felsenwall! Möchte doch der Blitzstrahl klettern An den schlanke» Stämmen mein hinab — Rust der Palmeuwald — und schmettern Weit sie in des Meeres Waffergrab!" „Hallet ein, mit Euren Flüchen, Haltet ein und bemmt auch Eure Klag', De»» — hei ihm, der »uu verblichen! — Folgen wird der Nacht ein neuer Tag. Ist auch Montefior' gestorben. Steht iiun Jnda's größtes Herz auch still; Die sein Beispi l augewo, ben Steuer» hin gen Zions Zukunftsziel. Montesiore wirket weiter — Seid getrost, Gebirg und Strom und Wals, Und durch ihn, den Zionsstreiiec Einstens »och der Freiheit Schofar schallt!" Nimmer mag der Jordan weinen, Niinmer tönt der Palmen bilt're Klag, Nimmer seufzt's aus Karmels Sicinen — Moses Geist, er bringt den nenen Tag! Nach stürmischer Applaudirnng des Declamatocs Herrn A. Waldau, sowie des Verfassers Herrn N. B i r nb a u in, ergriff letzterer das Wort zilc Schlilßrede. die, stellenweise mächtige Bewegung hervorrufend, folgenden Inhalt hatte: Hochverehrte Tranergäste! Unter alle» Gefühlen, die Raum habe» in der Menschenbrust, die da; »leuschliche Herz bedrücken oder beglücken, ist eines, das in seiner düster» Erhabenheit am meisten zum Mitfühlen ancegt — dieTraner; und ein anderes, das in seiner allnmfaffensen Gewalt die beseligendste Seite des Lebens ausmacht — d i e L i eb e. Tra»er und Liebe sind die G.'fühle, die uns heute beherrschen. Denn wie sollten nnot der T r a u e r schwarz- Schatten in unsere Seelen fallen, wen» wir i„is an den T o d des großen Montesiore erinnern und wie sollte nicht der Helle Sonnenglanz der L i e b e uns erfüllen, wenn wir seines Lebens gedenken? Und weil »ach Licht der Meiisch.-ilsohn sich sehnt, die Finsterniß aber meidet, so ist es natürlich, daß beute bei dem merkwürdige» Nebeneinander von Trauer »iid Liebe in unserer Brust letztere uns stärker bewegt. Dadurch ehren wir erst so recht das Andenken des dahingeschiedenen Montesiore. dessen Leben ja einzig und allein war — ein »ichtversiegender Quell von Liebe, von Liebe zur Menschheit und ihre» leibettbeit Söhnen, von Liebe zu seinem Volke und seinen nationalen Gütern. Mag sich daher auch so mancher Seufzer uilserem Innern über den Verlust des Unersetzlichen entringen, so wollen wir doch nicht in der Klage allein Genüge-finden, durch die Thar muffen wir zeigen, daß wir nilsere» edlen Stammesbruder verstanden haben! (Bravorufe.) Wir müffen dadurch, daß wir Priester jener Liebe werden, deren Hohepriester Montesiore war, der Welt beweisen, daß das Schicksal nicht einem unwürdigen Stamm einen solchen Sahn geschenkt hat. (Beifall.) Welcher Art aber war die Liebe Montefiore's? Die Liebe Montefiore's galt der ganzen Menschheit, aber sie verlor sich desstilnilgeachket nicht in den wässerige», gehakt- und gestaltlosen. empstiidelnde» CosmopolitiSmns. Und weil "ie praktische Humanität von den schwankenden Griiiidsätzen solchen Weltbürqerthums soweit absteht, als die Wirklichkeit vom trügerischen Tra ume, darum brauchte sich auch der humane Montefiore von de» Schwärmereien der Welibücgerthümelei nicht l-ite» zu lassen, sondern konnte mit heiliger Glnih an seinem Volke, als der ih»l von der Natur angewiesenen näheren Verwandlschafe, hangen. Er liebte, alle Mensche» und doch war Jnda's Vergangenheit sein besonderer S tolz, deffen Gegenwart sein größter Kummer, dessen Zukunft seine erste Sorge. (Richtig!) Jnda's Gegenwart, Jnda's Zukunft sage ich. Man leugnet ja seine Gegenwart, seine Zukunft. Wie kann etwas, das nicht mehr ist. eine Gegenwart, eine Zukunft' haben? Der M a ch t s p r u ch

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