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Selbst-Emancipation · 1885-09-02 · Heft 15 (2.9.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 15 (2.9.1885)
Date
1885-09-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15. Sei b st- Enranc ip at io u! Seite 5 (Brreiu jüdischer junger Damen.) Die von einigen .national fühlenden Töchtern unseres Stammes in ' Wien ' angeregte Idee der Gründung eines Damenvereines macht große Fortschritte. Eine gute Idee war es, daß die Gründerinnen sich entschlossen .haben, den Wirkungskreis von Mädchen auf junge Damen überhaupt zu erstrecken. .Ferner ist alle Aussicht vorhanden! daß der Zweck ein mit der Colonisatiou Palästinas in Zusammenhang stehender ssein wird. Die erste Besprechung des Gründungscomitss und die Brrathnng der der hohen k. k. Statthalterei zu unterbreitenden Statute» wird übrigens nächsten Sonntag stattfinden und werden wir in nächster Nummer darüber berichten. (Marienbader Stillleben.) Wie wir aus dem Lemberger „Israelit" erfahren, ist „Assimilations-Israel" in Marienbad guter Dinge Herr Dr. Adolf I e l l i n e k aus Wien veranstaltet ein Festessen zu Ehren des jüngst mit dem Ritterkreuze des Franz - Josef - Ordens decocirten Rabbiners Dr. L ö wen st ein aus Lemberg,— „unter großer Betheiligung seitens der illustren jüdischen Curgäste aller .Länder", was so viel heißen soll als seitens vieler Daitschen, Poilei:, Üngern, Pehmen u. s. w. Herr Dr. Byk. der bekanntlich am Durchfall leidende, mandatlnstige Sempercandidat hielt einen „zündenden" Trinksprnch: „Gruß aus der Heimath". — Juble. Europa! Wozu brauchst Du eine .Kremsierer Kaiserentrevue, wozu einen über den Frieden wachenden Bismarck, wenn die Versöhnung der verschiedenen Nationalitäten schon so weit gediehen ist, daß ihre Angehörigen mit einander fest essen — pardou — festesten? (In Troppau), der Hauptstadt Oesterreichisch-Schlesiens, haben die Assimilanten ein schönes Stückchen anfgeführt: Als am letzten Tiscbab b ’Aw der Mapbtir das Almemor betrat, um die Haphtorah und die Nach-Lsraobotb zu lesen, hieß ihn plötzlich der Caiitor im Namen des Vorstandes schweigen, denn die Regierung habe diese Lsraoboib verboten, weil es in ihnen heißt: „Erbarme Dich Zions, o Herr!" — Soll man mehr erröthen über die Frechheit oder mehr lachen über die Albernheit dieser Lüge? — (Die rumänischen Gräuel.) Die elenden Schinder an der unteren Donau sind nicht nur grausam und roh, sie sind auch verlogen und heuchlerisch. Die rumänische Presse Äagt die Juden an, daß sie unwahre Gerüchte über das Vorgehen Rumäniens gegen die Israeliten verbreiten und schreit über Vaterlandsverrath. Noch nie hat die Druckerschwärze solch' feige Lüge, solch' schmutzigen Betrug auf Papier gemalt, als hier. Diese Blutsauger, in deren Mitte ein Porumbar ungestraft seine haarsträubenden Vergnügen genießen kann, wollen noch rein dastehen in den Augen der Welt! — Die Anglo-Jewish-Association in London chat an deneuglischeiuMinisterpräsidenten Salisbury eine Deputation entsandt, welche um seine Vermittlung zu Gunsten der rumänischen Juden ersuchte. Antwort: Die Regierung wird alles thun, was in ihrer Macht steht — aber es stehen einem diesbezüglichen Vorgehen Englands lind anderer Mächte bedeutende Schwierigkeiten im Wege. — Wann wird endlich eingesehen werden, daß auf solcher Weise keine wirkliche Abhilfe möglich ist? Für die rumänischen Juden gibt es kein anderes Herl als die Auswanderung aus diesem JnquisitionSlande und es wäre wahrlich an der Zeit, wenn die eingeschlafenen Palästina-Colonisationsvereine Rumäniens wieder erweckt würden. (Lage der Jude« i» Afrika.) I» Marokko dauert die unmenschliche, grausame Behandlung der Juden fort. Besonders, schrecklich ist ihre Lage in der Stadt Debdou, wo ^^olge innerer Zerwürfnisse der mohammedanischen Bevölkerung vollständige Anarchie herrscht. Das 'Eentral-Comitö der „All. isr. tuiiv."- hat die marokkanische Äegierung auf die unglückliche Lage der Gemeinde zu Debdou aufmerksam gemacht. — Arg steht es auch in dem unter' französischer Herrschaft sich befindliche» Algier, wo die Judenverfolgungen mit größerer Heftigkeit venu je forldanern. Eine Deputation von vier angesehenen algierischen Juden ist in Paris eingetroffen, um bei der Regierung zu interveniren. Der Conseils-Präsident hat die strengsten Maßregeln bei etwaigem Fortdauern der Verfolgung versprochen. Korrespondenzen. Stanislau. ES freut mich wahrlich, daß ich heute Beranlaffuug finde. Ihnen die höfliche Mittheilung zu machen, daß es uns resp. im Vereine mit Hwrn A. Fischler *) gelungen ist. den hiesige», seit Jahren schlummernde» „Commis- und Buchhalter-Verein" wieder ins Leben zu rilfen, und ihn durch Aenderuug seiner Statuten lebensfähig zu machen. Es ist nänilich von jetzt an dessen Aufgabe, junge Leute aus dem Volke vorerst mit der jüdischen Geschichte durch Vorlesungen vertraut zu machen, um ihnen dadurch die Grundlage des nationalen Gefühles zu geben. Der Verein zählt bereits ca. 120 Mitglieder und haben wir auf Vergrößerung der Anzahl gute Aussichten. S. Jonas Verwalter des Commis- und Buchhalter-Vereines. Hamburg, den 23. August 1885. Heute fand hier in der Synagoge „Neweh Scbolaum“ am alten Jungfernstieg ein Hesped für den verstorbenen Sir Moses Montefiore statt. Nach Abhaltung des Mnvbab-Bottesdienstes hielt Herr Dr. Margulies aus Breslau eine Predigt, in der zwar der Entschlafene als ein frommer, gottessürchtiger Mann geschildert wurde, ober von dessen unschätzbaren Verdiensten nm die Colonisation des heiligen Lande« kein Wort verlautete. Die Feier wurde eingeleitet itird geschlossen durch Vorträge des „Chorvereines." Zu bedauern bleibt jedenfalls, daß bei dieser Montefiore-Feier der wahren Verdienste des Verstorbenen nicht gedacht wurde. Bottuschan. (Unsere Stadt in Trauer.) Samstag aui 20. Juli (I. August) war auf de» Thüren sämmtlicher Bethänser eine Anzeige zu lesen, daß künftige Woche in der Synagoge eine Trauerfeier für den erloschenen Stern Israels, für Moses Montefiore, stattfinden werde.- Der 22. Juli (3. August) war reich an ergreifenden Scenen. Die verschiedenen Vereine und Institute mit ihren flatternden Trauerfahnen zogen zur Synagoge. Hier, an dem heiligen Orte, dessen Wände schwarz überzogen wäre», sah man lauter kummervolle Gesichter. Ein Thränenstrom entstürzte den Augen aller Anwesenden, als die Worte ertönten : Sir Moses Montefiore sebsbalaob b’olamo. Am Abend desselben Tages fand im Locale des Vereines „Or-Chadoscb" das zweite Trauerfest statt. Dort wurden verschiedene R'den zu Ehren des Hingeschiedenen gesprochen. Rührend war es zil sehe», als H:cr H.llel Cahane (Director der hiesigen israelitischen Hauptschule), ein alter Mann bei den Worten: „Wehe, Jndenthuin,Moses Montefiore ist nicht mehr da" Thränrn vergoß. — Am Donnerstag den 25. Juli (6. August), dem si bente» Tag der Scbiwah, als die Sonne ihre letzten Strahlen auf die Stadt warf, strömte wieder eine große Menschenmenge zur jüdischen Schule, wo das Local des Vereines „Arial" sich befindet. Einige Directoren von P'ivatschulen kamen mit ihre» Schülern und diese mit Trauerfahne» und iii Trauerkleider zu dem Trauerfeste. Der Saal des Vereines „Arial" war schwarz, drapirr, an der Ostseite in der Milte aber stand das Bild des *) einen ^adhnahner. Am», d. R.

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