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Selbst-Emancipation · 1885-09-02 · Heft 15 (2.9.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 15 (2.9.1885)
Date
1885-09-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 S el b st - Ema » c i p a t i o ii! Nr. 15 hebräischen Literatur, durch Gründung von Schulen, Vereinen, Unterstützung jüdischer Schriftsteller und jüdischer Zeitungen angebahnt; so müssen wir auch anderseits das materielle Wohl unseres Volksstammes heben! ' Und was ist da einleuchtender, als daß wir uns dem allgemeinen Rus anschließen , der durch unser Zeit geht: „Gewinnet Boden!" Wir wollen nicht leugnen, daß es eine unendlich schwere Aufgabe ist, einem Volke das durch Jahrtausende sich gewöhnt hatte frei von der Scholle zu leben, einen neuen Erwerbszweig anzuzeigen, der dazu zwingt, ein ganzes Leben an einem und demselben Orte zuzubringen! Aber wir wollen zum Wohle unseres Volkes annehmen, daß sich eine bedeutende Zahl tüchtiger Ackerbauer herausbilden wird. Und denen soll ein Land angewiesen werden! Es wurzelt noch zu tief im Herze» unseres Stammes der Glaube an die -instige Rückkehr nach Palästina, - als daß wir auch einen Augenblick über die Wahl des Landes, das sich zur Colonisation am besten eignet, in Zweifel wären. Das, sollen die leitenden Ideen sein, die unser Stammesleben.erfüllen! In erster Reihe wecken wir die Liebe zu unserer Literatur, stärken wir das Zusammengehörigkeitsgefühl unseres Stammesgenossen, erklären wir IMS allen Völkern gegenüber, dir uns am liebste» als ihre Hintersaßen haben möchten, für selbstständig und ihnen gleich, erziehen wir unsere Jugend in Verehrung unserer großen Vergangenheit uud in der Hoffnung auf bessere Zeueii, gründen wir Vereine, welche die nationale Idee des Judenthums offen auf ihr Programm stellen und nnterslützen wir mit allen möglichen Mitteln die Colonisatwn unseres alten, heiligen Landes! Vielleicht, daß das künftige Jahrhundert ein glücklicheres Geschlecht sehen wird. — . Salo Heimbeig. GHroniK. (Das Tagebuch Montefiores), von ihm selbst geschrieben, wird der Secretär des Verblichenen, Herr Dr. gaukelt ihr goldene Berge, statt rcklen sumpfigen Niederungen vor uud so beherrscht der Dusel, der optische Schein die jüdische Intelligenz zum Schaden der Gesammtheit. Nicht zu übersehen ist bei Betrachtung der Gründe dieser Erscheinung auch der im Alter der Reifung beim Mädchen stärker ausgeprägte Schönheitssinn, welcher zum Nachthejl der Klausjugend entscheidet. An unfern Brüdern ist es, da ihnen keine andere Waffe' zu Gebote steht als die der Selbstemancipation — ihren Töchtern einen Wissensschatz mit auf den Weg des Lebens zu geben. Dieser Wisfensschatz muß aber mit t cm Gclde unserer jüdischen Schätze werthvoller und existenzberechtigter gemacht werden. Die Errichtung jüdischer höherer Schulen im allgemeinen, wie für Mädchen insbesondere, welche dem jüdischen Volk, der künftigen Generation ein belebtes und belebendes Judenthum zuführt, ist zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden,, auf daß wir nicht fürder unjern Feinden unsere eigenen Kinder zur Verfügung pellen. Unsere Ehaffidim müffen verlassen ihren bisherigen Weg der Vernachlässigung des Hauses und der Kindereiziehung.. Nicht in Rebben's Hause sind Wunderthaten zu suchen, sondern im eigenen Hause müssen sie geübt werden. Kein Geld werde gegeben auf Pidjonoth, dafür aber zum Zwecke, um die Kinder zur Ehre Gottes und der Menschen zu erziehen, zur Arbeit und zur Reinlichkeit, auf das Judas Töchter nicht in den Schoost der alleinseligmachenden Kirche Eingehen. Dies ist mein Wunsch zum neuen Jahre. Dr. Rüben Vierer. , L, L ö w e, der ihm 55 .Jahre lang zur Seite stand, demnächst herausgeben. (Die Fortschritte der jüdisch-nationalen Bewegung) überhaupt, sowie in Oesterreich speciell können , nicht mehr anerkannt werden, als dies in Ne. 16 des Lemberger „Israelit" vom 24. August 1885 an leitender Stelle geschieht. Der Herr Leitartikler kann den Aerger nicht unterdrücken, daß in Wien „immer neue jüdische Vereine mit jüdisch-nationalen Tendenzen im Geiste der vor einigen Jah'cn erschienenen Brochüre „Autoemaucipation"*) in's Leben treten." Auf das c o n f u s e Gedanke n- Kauderwelsch, dessen sich weiter der assimilatorische Apostel bedient, wollen wir gar nicht eingehcn; nur eine Bemerkung sei uns gestaltet: Der geistreiche Artikelschreiber hat Recht. Das „bescheidene Auftreten", welches er von uns Juden verlangt, kann freilich nur ideallose», nachäffendcn Schacherer» und Wucherern eigen sei», Leuten aber, die selbstbewußt den Pflug und den Hammer mehr zu schätzen wiffen, als den Trödel- oder den Geldsack, muß es selbstverständlich mangeln. — Die Fortschritte der jüdischnationalen Bewegung erkennt auch der Leitartikel der Nr. 66 des „Wiener Israelit" vom selben Datum an, aber in gesinnmigsgenössischer Weise. Es heißt darin unter Anderem: „Es ist wahr; der Antisemitismus ist noch immer im Zunehmen begriffen, er äußert sich täglich in nnfläthigen Worten und nichtSwürdigen Thaten. Aber wie viel des Guten hat er, ganz gegen seine verwerfliche Absicht, im Judenthum bewirkt! Ihm verdankt die Idee der Colonisation Palästinas ihr Entstehen, ihm allein ist es zuzuschreiben, daß sich das Judenthum aus der Gleichgiltigkeit aufgerafft hat. Wer anders, als der Antisemitismus hat Vereine zur Verbreitung jüdischer Wissenschaft und jüdischen Stammesbewußtseins, wie „Kadimali“ und „Athid“ (Zukunft) in Wien und andere in verschiedenen Städten der Welt in's Leben gerufen." — Ein erfreuliches Zeichen der Zeitgemäßheit der jüd.-nationalen Idee ist auch der Leitartikel der „Jüdischen Pester-Zeitung" vom 23. August 1885, der ebenfalls den Vereinen „Kadimali“ und „Athid“ in Wien gewidmet ist und die Bestrebungen derselben lobend hervorhebt. Auch dieses Blatt findet die Bewegung zur Hervorrufnng eines jüdischen Stammesbewußtseius gerechtfertigt. So werde» also die mosaischen Magyaren voraussichtlich ebenfalls bald die Bekanntschaft von uns Nationaljnden machen müssen. . . (Der „Oesterreichische Bolksfreuud") kann auch recht nett lügen, wiewohl er stets gegen die verlogene „Judenpresse" loszieht. Das beweist folgende Notiz in seiner letzten Nummer vom 30. August 1885: „Am 25. August, 8 Uhr Abends, fand in Herrenfeld's Gasthalis-Localitätcn, Wien, I., Schottenring 17, eine „Montefiore-Trauerfeier" statt. Es waren sehr viele Mitarbeiter der Wiener Journale anwesend und wurden ein „Präludium" und „Postludium" und 4 Trauerreden abgehalten und mehrere Chöre gesungen". — Wie mangelhaft die Informationen des „Oesterreichischen Volksfreund" gewesen sein müssen, geht schon daraus hervor, daß er nicht einmal zu berichten weiß, daß dieser Trauerabend vom Vereine „Zukunft" veranstaltet wurde. Trotzdem lügt er die Anwesenheit vieler Mitarbeiter der Wiener Journale hinein. Solche konnten nicht — wenigstens nicht ofsiciell — dort sein, aus dem einfachen Grunde, weil die Tageszeitungen keine Einladuiigskarten erhielten. Der Verein „Zukunft" lädt keine assimilatorischen und in Deutschthum machenden Zeilungsreporter zu seinen nationalen Festlichkeiten, denn von der sogenannten „Judenpreffe" haben die Inden selbst soviel als nichts — höchstens das, daß. sie de» Antisemitismus durch ihr aufdringliches Gebühren noch verschärft. *) Auto griech. — selbst. Bon einem der. hervorragendsten Führer der Nationalbewegung verfaßt und in Berlin erschienen. Nach ihr heißt unser Blatt. Anm. d. R.

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