Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 15 (2.9.1885)
- Date
- 1885-09-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Setbst - Em an ci pt' t io n! Nr. 15 Ehrenmitgliedes Sir Moses Montefiore, von schwarzen Lichtern umgeben. Auch hier wurden viele Rede» über das Leben und Wirken des Seligen gehalten. Die Herren Cahane, Teller, Wahrman, Fuhr, Wohlberg und Abramowitz schilderten mit Begeisterung den großen Verlust, welchen das 'Judenthum an diesem seltene» Manne erlitten habe. Herr Leon Goldschläger, der Präsident des Vereines, hielt die Schlußrede. Alle diese Reden werden in einer Brv' schüre unter dem Namen „Masharabh Moschet“ veröffentlicht werden. W. Biaw. Erez Israel. \3crufatem*), den 8. Ellul 5645. Löbliche Redaction! Während^iieines Aufenthaltes in Saffed besuchten mich einige jüdische Bauern aus der Ortschaft Pekiin, wö ihre Väter schon seit uralten Zeiten de» Landbau betreiben, und baten mich, auf. meiner Heimreise (nach Jerusalem. Aum. d. Red.) bei ihnen abzustrigen, um ihre Verhältnisse kennen zu lernen und mich über ihre Lage zu informiren. Ich kam auch wirklich Sonntag des Abends zu ihnen und verblieb bis Montag Mittag dort, während welcher Zeit ich, mit Vielen sprach und die Angesehensten iw ihren Häusern aufsuchte. Ich will nun versuchen, das, was ich mir merkte, zu Papier zu bringen. _ Pekiin. der Heimatsort des R. Josua öenChananjah. liegt vier Stunden westlich von Saffed, in einem reizenden Thale am Fuße des Gebirges Naftali. Die Berge ringsum sind sehr hoch und die herabfließenden Bäche breiten sich in d.n Gaffen aus, wo sie lieblichen Obst» und Gemüsegärten das nothwendige Wasser liefern. Diese Stadt, die man also nicht ohne Grund „Klein-Damascus" nennt, zählt 300 gemauerte Hauser, während die Mehrzahl wie die Behausungen der Fellachen gebaut ist. Die Einwohner sind Mohamedaner. j Christen, Drusen und Juden. Letztere theilcn sicheln in Be sitzende und Bauern. Die Besitzend ew sind g.ößtentheils Gelehrte aus Liberias und Saffedwelche anfangs mit den Nichtjuden Geldgeschäfte machten und dann deren Grundbesitz erwarben; sie sind entweder dauernd in Pekiin ansäßig und betreiben einen Handel oder kommen nur zur Sommerszeit wegen der guten Luft und des reinen Waffers dahin. Im Ganzen' sind es sechs Familien, von denen zwei große und schöne Häuser besitzen und die anderen irr gemietheten oder ihnen verpfändeten Häusern wohnen. Ihre Personenanzahl beträgt 34, ihr Grundbesitz umfaßt 160 Dunam; in ihren 8 Gärten befinden sich 550 Oelbäume; zusammen gehören ihnen 9 Rinder und 60 Ziegen. Diese Familien sind aus Liberias, die 2 reichsten aus Saffed, von denen die eine die eines persischen Judenmrd sehr reich ist, indem sie zwar keinen eigeneil Grund und Boden, iondern nur verpfändeten, aber schier unzählige. Kameele, Rosse und Ziegen besitzt; die zweite hat viele von den Drusen »«verpfändete Felder, aber sie bearbeitet nicht selbst den Boden, sondern durch Taglöhner. Dagegen sind die- Bauern offenbar der Mehrheit nach in dieser Gegend seit den Zeiten der jüdischen Selbstständigkeit ansäßig. Ihre Lebensweise und Tracht gleicht ganz der der Fellachen, ihre Sprache ist die arabische. Sie zählen 22 Familien (87 Personen) und sind alle Feld, arbeiter bis auf 7 von ihnen, die ein Handwerk oder Handel treiben, und zwar der Schächter und Chacham der Gemeinde, welcher aber aschkenasischcn Ursprungs ist, zwei Schuster, zwei Kaufleute,' ein Krämer und ein Hausierer. Die Söhne des Schächters sind Bauern. Alle diese Familien zusammen haben 352 Dunam Grund und Boden. 10 Rinder, 60 Ziege», 12 Eseln, 13 Gärten, 221 Oelbäume. *) Da» Originalschreibe» ist hebräisch. .Ihre 19 Häuser sind gemauert, aber nach Fellachenart gebaut. — Das Loos dieser Bauern ist kein gutes, weil sie zu wenig Boden besitzen; der Reichste hat 50, die Meisten nur 10 bis 20 Dunam. Trotzdem hätten sie sich nicht beklagt, denn sie sind genügsam, wenn nicht die Hand der Steuer-Commissäre schwer auf ihnen lasten würde, die ihnen ihr letztes Tröpfchen Blut abzapfen. Wenn diese' Steuer-Commissäre kommen, um die Gärten behufs Steuerleistung zu schätzen, so ist die Schätzung eine dreifach höhere als bei anderen Bewohnern des Ortes und niemand lehnv sich auf gegen ihr Urtheil. Mit Thränen in den Angen erzählte mir der Aelteste in der Gemeinde, R. Josef Hakohen Sinathi, was ihm der Commissär einige Tage vor meinem Hiersein gethan hatte: Derselbe kam, um die Steuer von den Gemeindemitgliedern einzuheben. R. Josef H. S. beeilte sich, die betreffende Summe einzuhändigen. Als aber der Commissär noch Futter für sein Pferd verlangte, weil er von R. Abraham, dem Perser noch die Steuer einzuheben habe, antwortete ihm der Alte, daß er für dir Dersänmniß des Persers nicht einzustehen habe, da derselbe nicht türkischer, sondern persischer Unterthau sei. Da schlug ihn der Commissär und rieß ihm Kopf- und Barthaare aus. Der Mißhandelte gieng dann nach' Saffed und beklagte sich beim - Pascha. Doch dieser antwortete nicht. So kehrte der Arme nach Hause zurück undüberläßt seine Rechtsache dem Hintmel. Der Anblick dieser Menschen erweckte in mir Freude und Schmerz; Freude darüber, daß noch Nachkommen der alten Ackerbauer unseres Stammes existiren — und Schmerz darüber, daß ihr Loos so traurig sei. Ich erkannte aber, daß es leicht sei, sie emporzuheben, wenn die Zionsfreunde ihnen ihr Augenmerk zuwenden würden. Sir Oliphant *)> besuchte sie selbst und schenkte ihnen tausend Francs, von denen sie sich. ihrre Rinder anschafften. Aber nach der Rechnung, die sie mir machten, ist es ihnen unmöglich, ausreichenden Unterhalt zu finden, wenn nicht auf jede Familie 100. Dunam Grund und Boden, 3 Pflugochsen, ein Esel und 5 Ziegen kämen. Der Preis des Erdreichs in der Umgebung des Ortes ist 10 Flaues pro Dunam, denn erliegt zwischen Bergen und hat wenig ebenen Boden. Wenn ihnen nun — so ist meine Meinung — gegeben würde: 1000 Dunam Grund (also 10.000 Francs), dreißig Ochsen (also 4000 Francs) und ihnen noch überdies durch drei oder vier Jahre vier Francs wöchentlich pro Familie verabreicht würden, unter der Bedingung, daß sie von Jahr zu Jahr Oel- und Feigenbäume auf den Bergen pflanzten und zwar zehn Dunam in jedem Jahre — dann würden sie sich erst ihrer Kraft bewußt, dann würden sie ein- Musier, wahre Landleute werden. Der Boden auf diesen Bergen ist zu einem Spottpreis zu haben, aber es bedarf großer Arbeit, um ihn von Felsen und Gesteinen zureinigen. Bor Allem aber muß mau diesen Bauern eine» Leiter geben, der sie auch schützen soll vor den Uebergriffen der Steuercommissäre. Dieser Mann muß muthig und begabt sein; wenn ein Europäer, so geeignet, um den Eingebornen Furcht einzuflößen, wenn ein Inländer, hohen Orts beliebt und einflußreich. Alles dieses brachte ich vor, um die Aufmerksamkeit der Zionsfreunde darauf zu lenken, denn nach meiner Meinung ist es besser, diese Bauern aufrecht zu erhalten und ihre Lage zu verbessern, als neue zu schaffen aus einem Stoffe, aus dem Kaufleute und Mäkler gemacht werden. Mit Freundesgruß J. M. Pines. Colonifatious-Berein „Admath Jescharam“ in Wien. Die in voriger Nummer, gebrachte Mittheilung von der Genehmigung der VcreinSstatuten war um einige Wochen verfrüht. Die Sache verhält sich nemuch so: In *) Der bekannte englisch-christliche Agitator für die Colonisiruug Palästinas durch Juden.