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Selbst-Emancipation · 1885-08-18 · Heft 14 (18.8.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 14 (18.8.1885)
Date
1885-08-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Sei b st- Emancipation! Seite 5 mal hieherkommst, lasse ich Dich arretireu, und wen» Dein Herr diese Schwelle Übertritt, erschieße ich ihn." Der Arbeiter entfernte sich angenblicklich und hinterbrachte dein jüdischen HanSeigenthümer diese Nachricht. Dieser begab sich am darauffolgenden Tage znm Commiffär in'S Bureau, um ihn um den Grund seiner Aeußerunge» zu befragen. Der Herr k. k. Polizei- Commiffär wiederholte jedoch nochmals zur nicht geringe» Bestürzung dcS Inden die dem Arbeiter mitgetheilte Nachricht, und fügte noch hinzu, er anerkenne den Kauf ganz n»d gar nicht. Der Jude, ganz verdutzt, begab sich schnurstracks zum früheren Eigenthnmer, dem Geistlichen um sich, einige Klarheit in dieser Angelegenheit zu verschaffe». Der Geistliche, nicht minder überrascht, ging soiort mit dem Inden zu dem liebenswürdige» k. k. Polizeicommiffär in deffen Privatwohnung. Als Letzterer de» Juden in seinem Zimmer erblickte, schrie er: „Hinaus, oder ich erschieße Dich auf der Stelle!" — packte ihn so beftig - am Genicke, daß ihm eine Ader sprang, und warf ihn zur Thür hinaus. Damit nicht zufrieden, ließ der k. k. Polizeicommiffär von der vis-L-ris gelegenen Wachstube 2 Man» herbeiholen und den Juden arretireu. Letzterer wollte einen Wagen holen laffen, allein der k. k. Polizeicommiffär befahl, den Inden zu Fuß durch die belebtesten Straße» abzusühren. Auf diesen Befehl hin nahm der Geistliche den Juden unterm Arm und ging mit ihm begleitet von Justizsoldaten, zur Polizei. Den Sicherheitswachlcuten kam das Ganze nicht geheuer vor und sie srngen schließlich, was hier wohl paffirt sei. Nach Erzählung des wahren Sachverhaltes erlaubten sie gegen den Auftrag deS CommiffärS einen Wagen zu holen. Auf dem Polizeiburean wurde mit Beide» ein Protocoll aufgenommen und wurden sie alsdann sogleich entlassen. Sofort begab sich der Jude zum Polizeidirector, um Beschwerde zu führen. Der Director war jedoch abwesend und wurde er vom v-rlreiendeu Beamten aus den nächsten Tag beschicken. Am folgenden Tage stellte sich der Jude ei», erhielt aber von demselben Vertreter die Antwort: „jetzt sei es erst 11 Uhr, er habe ihn für 1 Uhr bestellt. Ec kam nochmals und erhielt die lakonische Antwort: „Machen Sie eine Eingabe an die Staatsanwaltschaft!" Bemerkt möge noch werden, daß der Herr k. k. Polizei- Evmmiffär ruhig weiter amtirt, uno die hiesigen polnischen „liberalen" Blätter diesen Fall, trotzdem der Jude bei sämmtlichen Redaeteuren persönlich sich einfand und ihnen den Sachverhalt genau erzählte, total verschweigen. —x— (Frohe Nachricht.) — Wir ftub in der angenehmen ^age. unseren Gesinnungsgenossen die Wlittheilung zu machen, daß die Statuten des Halässina-üolonisalions-Hereines „Admath Jeschurun“ in Wien die Henehmigung der hohen ß. li. niederösterreichischen Slalthalterei erhielten und somit dieser Herein seine Wätigkeit öegonnen hat. — Die <onstituirende Plenarversammlung wird erst nach de» Frierlagen stattfinden; bis dahin führt das Gründnngs-Comite die Geschäfte. Dasselbe wird demnächst einen Aufruf erlassen. Anmeldungen nimmt dir Redaction der „Selb st- Emancipation!" entgegen. — Der Monatsbeitrag beträgt nur 20 kr. (Colonie „Montefiore".) Der Montefiorc-Berband erließ ein schwarzumrändertes, hebräisches Circular, in dem er officielle Nachricht von dem Ableben des Sir Moses Montefiore gibt und an diese Trauerkunde einen eindringlichen Aufruf knüpft, ein Werk ausznführen, das bereits im vorigen Jahre geplant war. Gelegentlich des hundertjährigen Geburtsfestes des nunmehr Verblichenen wurde nämlich beschlossen, eine Colonie in Palästina zu gründen, die den Namen Montefiore's tragen sollte. Das hiezu nöthige Geld wollte man durch Verkauf von Montefiore-Bildniffe» anfbringen; es kam jedoch kaum ein Drittel der erforderlichen Summe zusammen, so daß man sich genöthigt sah, das gesammelte Geld für die Colonisation im Allgemeinen zu verwenden. Unsere ' Pflicht sei es jetzt, diesen Gedanke» wieder aufzunehmen. Da empfehle es fich im», die (von dem bekannten Wohlthätrr nicht unterstützte) Colonie Olsäsrast (ruff.-jüd. Studenten), die ohnehin bereits zu zwei Dritteln im Besitze des Montefiore-Verbandes ist, vollständig zu erwerben und ihr den Namen „Montefiore" zu geben. Man möge nun anläßlich der Trauerfeiern in den Synagogen und a» andere» Orten, und bei Haskoratli neschamoth am Jom Kippurem und Sch’mini azereth für diese» Zweck in reichlichem Maße spenden. (Vielleicht wollten die New-Dorker Inden ihre für die Errichtung eines Montefiore- Denkmals im dortigen Centra lpark gesammelten 10.000 Dollars diesem Zwecke widmen. Anin. d. Red.) Libau, de» 30. Juli (II. August), 1885. Der hiesige Verein der Zionsfrennde wächst mir jedem Tage; einen besonderen Aufschwung hat er aber genommen am 28. d. M.. an dem Tage, an welchem die Trauerrede wegen des Ablebens des Sir Moses Montefiore gehalten wurde. In der Synagoge wurden nämlich nach der Rede des Herrn Ober- Rabbiners Dr. Klei», die sehr gelungen war, so daß mau dieselbe als Broschüre zu drucken beabsichtigt, neue Milglieder aufgenommen ttub zwar schrieben sich über 100 ein. Im Ganzen zählt der Verein schon etwa 300 Mitglieder und die jährliche Einnahme beträgt 1500 Rubel. Möge es überall so erfreulich vorwärtsgeheu! M. A. Hamburg, den 12. August 1885. Der Verein „Ahavass Zijon“, Zweigverein des Montefiore-Verbandes, der hier mit großer Mühe das Licht der Welt erblickt-, scheint einer lichtvollen Zukunft entgegenzngehen. Bereits 13 Sitzungen fanden statt, und durch die verschiedenen Berathungen ist die Sache mm so weit gediehen, daß schon am nächsten Montag ein Vortrag von dein Mitgliede Herrn S. Goldschmidt abgehalte» werden wird. Lauter thatkräsng-, junge Männer find es, die hier am kühlen Norsseestranve gleich ihren jüdischen Brüdern im Süden und Oste» für die nationalen Interessen unseres Stammes kämpfen. Der Vorstand setzt stch aus den Herren Ferdinaild Wolfs als erster Vorsitzender, Veit Hirsch als Cassier uno Hermann Wolfsberg als Schriftführer zusaminen. Der Anschluß an den Montefiore - Verband wird auch hoffentlich dazu beitrage», daß der bekannte Hamburger Wohlthätigkeitsfiun auf unsere gute Sache sich übertrage. In der vorletzten Montagssitznng g dachte der Vorsitzende m warmen Worten des dahingeschiedenen Sir Moses Montefiore. Hoffentlich werden sich iinmer mehr Männer um unsere Standarte schaaren; je größer die Anzahl derjenigen sein wird, die mit allen Kl ästen dem Zngrundegehen unserer Nationalität entgegenarbeiteu, desto eher wird sich auch das Wort des Allmächtige» erfüllen, der da verheißt. sein Volk aus den vier Enden der Welt wieder zusammenzuschaaren zur Verherrlichung seines heiligen Namens. Hermann Wolfsberg Schriftführer des Vereines „Aliavas» Zijon.“ (ColouisatiouSverein iu Belz.) Der erst im S wan gegründete Verein der „Zionsfrennde" in Belz (Bessarabien) umfaßt bereits 120 Mitglieder, die hier — Gott sei Dank — sowohl den Chaffidim als den Fortschrittlern angehören. Angesichts des großen Zieles wirken die religiösen Gegenparteien einträchtig zusammen. Die meisten Verdienste pm die Ausbreitung des Coloiiisationsgedankens in Belz haben sich die Herren S. Epstein, S. R o s e n t h a l,e r und Etieser Z i p r e s erworben. (Das Executiv-Comit«,) welches von Herrn Wiffotzky vor selner Abreise aus Jaffa daselbst eingesetzt wurde, har Herrn A. Muhal in Jaffa zum Obmann. (Die Colonie „Ekrou“) wird in der „Sabarslatb“ ihrer EiUstehung, Situation u»v örtlichen Lage nach ausführlich beschriebe». Diese Colonie wurde von dem bekannten Wohlthäter selbst gegrüuoet und ganz mit seineni Gelbe ausgestattet. Als sich der hochherzige Baron enlschloß, die Colonisaiio» zu unterstützen, rieth man ihm, es mir einer neuen Colonie zu versuche». Er solle geübte Landleuie aus den jüdische» Ackerbaucolonien in Rußland kommen, sie ein« Zeit lang in der Ackerbanschule der „Alliance“ tu Jaffa auf ihre Tüchtigkeit prüfen lasten und ihnen dann ein Stück Land anweiiei!, um so die Ansführbai teil der Colonisationsidee zu eiproben und *u erfahren, wie lange es dauern müffe, bis solche Colonisten sich auf eigene Füße stellen könnten. DamaiS befand stch Seine Ehrwürd,» Herr Samuel Mohiliwer, Ober-Rabbiner von Bialyftock, einer der hervorragendste» Zionssreunde, jetzt Alterspräsident des Moutefiore- Verbande-, in Pari» n»d erhielt die Vollmacht, zehn jüdifch-ruffifche

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