Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 14 (18.8.1885)
- Date
- 1885-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. SeIbst - Emancipation! Nr. 14. und dem Geiste des Judenthums entsprechenderes Denkmal, u'eun man diese Summe im Montefiore'schen Sinne, d. h. für die Colonisation Palästinas, verwenden würde? (Die Oesterreichische israelitische Union), der Bürgerverein der österreichischen Juden, ist von. der hohen k. k. niedrrösierreichischen Stalthalterei genehmigt worden. Wir wolle» sehen, wie nahe derselbe mit seinen in Aussicht gestellten Bemühungen zur „Hebung des jüdischen Stammesbewußtseins" der wahren, unverfälschten jüdischen Nationalidee kommen wird. (Procrtz Rohling contra Bloch.) Das Wiener Landesgericht hat, wie der „Wr. Israelit" meldet, das Gutachten zweier berühmter christlicher Orientalisten der Professoren August Wünsche in Dresden und Noeldecke in Straßburg, eingeholt. Die beiden Gutachten sind hundert Foliobogen stark. (Naive Frage.) Der in Budapest erscheinende „Ungarische Israelit" druckt den Aufruf des neugcgründeten Wiener Vereines „Zukunft" ab und wirft bei dieser Gelegenheit folgende Frage auf: „Wie kommt es, daß Wien, das verhältmßmäßig wenig Rabbiner und gar kein eigentliches Rabbiner-Seminar hat, soviel für's Judenthum begeisterte junge Leute besitzt, während bei uns (in Budapest). keine Spur solcher vorhanden ist-??" Freilich kann das erwähnte Blatt in seiner assimilatorischen Kurzsichtigkeit dieses Mißverhältniß nicht begreifen. Sollen die jüdischen Jünglinge Budapest's. ihre Begeisterung für's Judenthum etwa den dortigen maßgebenden Gelehrten ablauschen, die im Ei sterbe» des jüdischen Volksbewußtseins die messianische Erlösung sehen? Die Wiener „Kadimahner" lind „Zukünftler" sind sich ihre eigenen Lehrmeister gewesen und vielleicht hätte auch Budapest schon, für's Judenthum begristeite junge Männer, wenn es dort kein Rabbiner-Seminar (Magyarisirungs-Anstalt) gäbe. - (Wozu?) Es ist unverzeihlich, wenn Zeitschriften nicht früher sich informiren, bevor sie dem Publicum mit irreführenden Dingen kommen. Der in Budapest erscheinende „Ungarische Israelit" und die neue hebr. Zeitschrift ' „Hajaliadutli" in Lemberg werfen dir Frage auf, wozu nebst der „Kadimali“ noch eine „Zukunft" nothwendiq sei. Die „Kadimah" — das dir Antwort auf diese anzügliche Frage — wurde vor drei Jahren von S t n d e n t e n nur für Studenten gegründet, um unter der Heranwachsenden Intelligenz das Gefühl für ihre Nation wachzurufen, und dann eine Uebertragung auf die anderen Volkskreise zu ermögliche». Diese Uebertragung geschah in der Gründung des Vereines „Zukunft", der ein Verein für junge jüdische Männer aller Stände ist. Daß sich die „Kadimah" jetzt nicht auflöst, ist leicht erklärlich, denn sie hat keineswegs ihre Aufgabe erfüllt, weil noch Studenten genug zu bekehren sind und das nur durch einen Studentenverein möglich ist. — Die „Hajahaduth" begnügt sich aber nicht blvS mit dieser Frage, sondern stellt noch ein „umsomehr" auf: Wozu die „Zukunft", wenn die „Kadi= ' mah" da ist, umsomehr a>8 letztere noch nichts Großes geleistet hat? Ob man das groß nennen kann, was sie leistete, wollen wir nicht entscheiden, — aber geleistet bat sie Folgendes: Sie hat es bewirkt, daß Wien und viele Städte in der Provinz für's Judenthum begeisterte junge Männer hat, sie gebar die „Zukunft" — und der „Kadimah" hat es Herr B r a u d e s, der Redacteur der „Hajahäduth" zu verdanken, wenn seine Vorlesungen jüd. Inhalts von jungen gebildeten Leuten besucht werden. (Das halbe Parlament.) Daß wir nicht so Unecht hatten, "als wir in einer der vorigen Nummern Hervorhobe», ' das österreichische Abgeordnetenhaus sei" zlir Hälfte nicht besonders judenfreundlich, beweist eine von den „Unverfälschten Deutschen Worten" mit Genugthuuiig gebrachte Mittheilung. Fischer, der von der Wiener Tagespresse, dir doch in den Händen von Juden ist, favorisirte Gegencandidat des Antisemiten Wittmann anläßlich , der ReichSrathswahl in Bruck an der Leitha, soll nach siegreicher Wahl den Simmeringer Wahlmännern gegenüber erklärt haben : „Wir sind^.ja Alle. Antisemiten." Weitlof war Nummer I, Fischer ist Nummer 2. Weitere Nummern folgen. Fallen sieht sie Zweig auf Zweig, — die „daitsch"- liberale Judenschaft. , : t; (Der Antisemitismus der Jugeud.) Wie hoffnungsvoll leider der Antisemitismus in die Zukunft blicken kann, zeigt seine Herrschaft in der jungen Generation. Wie' cs aber gerade die Hochschulen sind, wo der Geist de» Judenhaffes gezüchtet wird, beweist folgender Fall: Moritz Friedinaiin aus Raab war nach Absolvirung seiner Studien an i>er Wiener Technik in ein elektro-technisches Etablissement der Hauptstadt getreten. Sehr fleißig uiib begabt, erwarb er sich die Zilfrledrnheit des Chefs und der Mitarbeiter. Nur einer der Vorgesetzten, ein ausgesprochener Antisemit, verfolgte ihn mit Insulten. Das wurde dem jungen Manne endlich zu bunt und er wies' die Beleiüigunaen des brutalen Mannes zurück. Letzterer stürzte null auf ihn los und warf ihn an eine Glaswand. Der junge Mann erlitt eine Verletzung am Knie, die er aber nach ärztlicher Untersuchung, die sehr oberflächlich gewesen sein muß. nicht weiter beachtete. Nach zwei' Tagen traten heftige Schmerzen auf und Friedmann mußte auf die Klinik des Professors Albert gebracht werden. In der Wunde wa>en Glassplitter geblieben; es trat Eiterung und Blutvergiftung ein und bald war der junge Mann eine L.'iche. Vor seinem Tode gab er noch einer gerichtlichen Commission seine De- Positionen ab und derzeit ist die Angelegenheit in Händen des Landesgerichtes in Strafsachen. (Jlldenhrtze durch, Militär.) In Galset,sch (Ungarn) inscenirtc eine Truppe durchziehender Uhlanen uiie regelrechte Judenhetze, die blutige Folgen hatte. Die um Hilfe angegangen en Officiere gaben barsche, abweisende Antworten. E rst als der. Commandunt von der Sache erfuhr und eine Patrouille schickte, liefen die excedirenden Soldaten auseinander. Vier gelang es zu verhaften. (Der „Wosckod"), eine assimilatorische, in russischer Sprache in Petersburg erscheinende Zeitschrift, hat von der Regierung den zweiten Verweis erhallen. (Die Zahl der jüdischen Studenten) an der Universität Charkow in Rußland wurde laut kaiserlichen Erlasses auf 10 Percent der Gesammtzahl der Studirenden beschränkt. (Berichtigung.) In die Notiz „Ueber die letzten Stunden Moses Mo ntesiores" in unserer vorigen Nummer hat sich durch ein Versehen die Rubriküberschrift „Chronik" als Titel einer Zeitschrift ringeschlichen. Korrespondenzen. Lemberg. Wenige Tage nach dem Ableben unseres große» Sir Moses Montefiore am 2. August d. I. veranstaltete der hiesige jüdisch-nationale Verein „Nihrah Kodssoh" eine Gedächtnisfeier. Die Vereinslocalitäten waren weihevoll beleuchtet. Die Kanzelschwarz drapirt und das Bildniß des theuren Heimgegangenen umflort. Der Präses des Vereines, Sr. Ehrwürdcn Herr Rabbiner Dr. Kodak schilderte den großen Verlust, welchen die gesammte jüdische Nation durch den Tod Montefiore's erlitten, in einem längeren, echt jüdisch-nationalen sehr beifällig aufgenommenen Nachrufe..— Vor einige» Wochen ereignete sich hier nachstehender Fall: Ein jüdischer Bürger Namens Oberhard brachte von. einem Geistlichen ein Haus käuflich an sich nnd schickte nun einen Arbeiter in das betreffende Haus um envaige Reparaturen vorznnehmen. Ein in diesem Hause wohnender Polizeicommiffär frag den Arbeiter, was er hier zu ihun habe. Dieser gab die gewünschle Aufklärung. Darauf hin repticirle ihm der k. k. Polizeieommi ffär: „Wenn Du noch ein-