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Selbst-Emancipation · 1885-08-03 · Heft 13 (3.8.1885) · p. Seite 10

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 13 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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S eite 10. Nr. 13. Selbst-Em an cipa tion! liche Meinung auf seiner Seite. Kurze Zeit darauf erkrankte Lady Montefiore und verschied am 85. September 1662. 1863 hatte Montefiore wieder Gelegenheit, für die Sache der Juden mit der ganzen Kraft seines Geistes einzutreten und zwar für die Juden in Marokko, wogegen diese Blut« brschuldigungen erhoben und dieselben mit Raub und Mord hkimgesucht wurden. Auch hier gelang es seiner glänzenden Beredsamkeit und einnehmendem Wesen, alles Unheil von seinen Stamniesgenossen abzuwenden. Sein eigener Bericht über seinen sechsten Besuch des hl. Landes, den er unternahm, um die Leiden zu mindern, welche durch, die dreifache Plage, Heuschrecken, Cholera und Dürre entstanden war, ist knapp, methodisch, würdig und offen, ohne Selbstberherrlichung. Er stellt ein geschriebenes Bild dar von der Methode, der Verschiedenheit und Äusdehnung seiner Liebeswerke, welche die Leiten selbst wie ihre Ursachen entfernen wollen. „Ich wurde zu Jaffa", ei zählt Sir Moses, „empfangen durch Sr. Exzellenz den Stadt-Gonvenenr, den Richter, den Commandanten und die Repräsentanten der verschiedenen Religionssekren und kaum war ich im Hotel angekommen, so empfing ich Telegramme herzlicher Begrüßung aus Jerusalem. Vor meiner Abreise ans England schien es mir gerathen, um den Erfolg meiner Mission zu sichern, daß ich mir eingehende Information.über die Lage unserer Brüder im hl. Lande verschaffte, namenllich über die Anzahl der Synagogen, Schulen und Wohlthätigkntsanstaltcn, die unfern Glaubensgenossen gehörten. Außerdem mußte ich eine vollständige Personalstatistik haben. Von Jaffa reisten wir nach Abu Gusch, das man für das biblische Kirjath. Jearim hält. Das Haupt des Ortes Mohammed Effendl Abu Gujch, ein Mann von hohein Einflüsse, lud uns in sein Haus. Dasselbe lag auf dem Gipfel eines Hügels und der Weg hinauf war ein so gefährlicher, daß ich oft glaubte, mein Gefährt würde in Stücke gehen, aber alle Mühsal und Beschwerde wurde mir reichlich ausgewogen durch die Gastfreundschaft des Wirthes." Hunderte von Kindern sangen hebräische Hymnen an den Wegseiten. Diese Hymnen waren zur Begrüßung Sir Montesiore's verfaßt und hatten das Elend und die Hoffnung Zions zum Inhalte. „Ich hatte", erzählt Sir Moses weiter, „bekannt gemacht, daß ich Jeden anhören wolle, der mit mir über seine eigene oder über Anderer Angelegenheit sollte sprechen wollen, so konnte ich jederzeit selbst die eingehendsten Untersuchungen anstellen. Den ersten Tag widmete ich dazu, Geschenke zu vertheilen, die mir einige Zionsfreunde übergeben hatten, daß ich sie den Armrit Jerusalems überbringe." Bevor Sir Moses aus Jerusalem schied, hatte er noch die Freude zu sehen, daß der Wasser Mangel behoben wurde, indem die zwei sogenannte» Salomo-Teiche durch die antike Wasserleitung, die er wiederhergestellt hatte, Zufluß erhielt. Nach seiner Rückkehr von der siebenten Palästinareise wurde in der portugiesischen Synagoge ein erergreifcnder Goltesdienst abgehalten, wobei er persönlich anwesend war und hörte, wie sein Name aus dem Munde Tausender in einem Dankgebete heraustönte und in den Himmel emporgesandt wurde. Bis in seine letzten Lebenslage hatte sich der hundertjährige Greis die Vollkraft seines Geistes erhalten. Sein Gedächtniß war so frisch wie in seiner Jugend. Sein Auge glänzt, noch immer, seine Gestatt noch immer majestätisch, feine Züge noch immer schön. —• Wie die ganze civilisirte Erde seinen hundertjährigen Geburtstag vor kaum einem Jahre bcgang, ist noch in unser Aller Erinnerung. Dies ist der Lebenslauf des charakterfesten, sittenreinen Mannes, der auf sein Wappenschtld „denke und danke" geschrieben und „Jerusalem" zum Wahlspruch erwählt; möge dieses Leben ein. leuchtendes Vorbild flir alle unsere Stammesgenossen sein! humoristische Skizze aus dein hebräischen des S rrr oLerr s k Wer hat dieses Geheimniß einem hebräischen Schriftsteller verrathen? Ein Geheimniß, das sonst nur auserwählten Heiratsvermittlern, und zwar inlr solchen, an deren Fersen sich das Gelingen geheftet hat, geoffenbart ist, während minder begünstigte Berufsgenossen sterben, bevor sie es zu ergründen vermögen? Freilich, dem hebräischen Schriftsteller muß Alles möglich sein, ihm, welchem jede Zeile, die seine Feder von bekannte» rrnd unbekannten Dingen schreibt, mit blinkendem Silber ausgewogen wird, welchen für jedes Blatt seiner Werke Ehrenämter in allen Gemeinden Israels erwarten, dem allein nur Ehre und Glanz zu Diensten stehen, wie dies alles ja der Umstand beweist, daß er gar nicht die Hand darnach ausstreckt, weil große Männer bescheiden, sind. Denn, wer sollte herablassender sein als der Mann, der Alles vermag und auf dessen Herablaffung so Viele warten, und so kann denn auch der hebräische Schriftsteller aus vieler Bescheidenheit kein Ehrenamt annehmen, und das Verschmähte wird einem Anderem zu Theil, der nicht hebräisch lesen kann und nicht so bescheiden zu sein vermag. — Trotzdem wird Niemand glauben wollen, daß der hebräische Schriftsteller bei aller seiner Demuth sich so weit herablassen wird, den Heiratsvermittlern sich beizugesellen, so daß er in ihre Geheimniffe eindringen kann; und andererseits verrathen ja dieselben ihr Geheimniß Keinem, der nicht ihresgleichen ist. Das ist eine eben so bekannte Thatsache, wie es bekannt ist, daß Lehrer nichts zu beißen haben, Gemeindevorstände kein Erbarmen besitzen, wie es bekannt ist, daß nicht für die Cantoren die Thora das Verbot gab : Du sollst nicht ehebrechen, nicht für Gemeindeverwalter das Verbot: Du sollst nicht stehlen, nicht für die Mehrzahl der deutschen Rabbiner das Verbot: Du sollst Deinen Bruder nicht hassen, nicht für die Mehrzahl der dortigen Prediger das Gebot: Ehret Vater und Mutter. Gerade so ist das eine bekannte Thatsache lind darum ist die Frage ganz an ihrem Orte: Wer hat dieses Geheimniß dem hebräischen Schriftsteller verrathen? Denkst Du vielleicht, er habe das ersonnen? Wie ist das möglich? Schon, wenn er die Wahrheit spricht, hört Niemand auf ihn, geschweige erst, wenn er erdichtet. — Wahrlich, alle diese Fragen beantworten sich von selbst, wenn ich damit berausrücke, daß nicht jeder hebräische Schriftsteller zu den Schüchternen der Erde zählt und daß ferner nicht jeder Schadchen seine Lippen verschließt. So habe ich denn in der That alle diese Dinge von einem weltberühmten Schadchen, der schon, bevor er zur Welt kam, zum Schadchen in Israel bestimmt war, gehört; von einem Schadchen, dessen Aussprüche stets in Erfüllung gingen; von einem Schadchen, von dessen Mund die Wege zirm „Jiclius“ und zum Pöbel, zum Reichthum und zur Armuth führten; einem Schadchen init langem Barte und stets nach oben zu Gott, den er immer im Munde führte, gerichteten Augen, der ergrimmte über ein Unrechtes Wort, das dem Munde eines Annen entfuhr, und sich unbändig freute, wenn ein Reicher den Namen Gottes aussprach, und der Jedermann sagte, daß er ein Schadchen sei. Von einem solchen Schadchen also, habe ich das Geheimnis erfahren und ich will es nun geschwind weiter erzählen, getreu der Tradition der Schriftsteller, das Verborgene aufzudecken. . „Erkläret mir doch, wie das zugeht," sagte ich zu

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