Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 13 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. S elbst - Ein a 11 c\po tion! Nr. 13. Leiter der Colonie und für das Amt und eines, das sich Herr Ber Nager aus Jerusalem auf seine Kosten erbaute. Herr Ber Nager verfertigt die Holzarbeiten für den Häuserbau. Eine Synagoge fehlt noch, und wird, bis die Erlaubniß der Regierung herablangt, der Gottesdienst in einem Privathause abgehalteu. — Die Seelenzahl der Colonisteu beläuft sich auf 130. — Für den Anbau von Getreide hat sich der Boden nicht besonders günstig erwiesen, desto allssichtsvoller für die Anpflanzuilg voll Wein. 200.000 Weinstöcke befinden sich in Rischon rZiori und nicht lange wird es dauern, so werden die Zionsfreunde Coloniewem Lrinken können. — Zwei Jahre, hindurch war Herr Ossowetzky aus Rußland Leiter der Colonie und erfreute sich in Folge seines streng rechtlichen und liebevollen Verhaltens der Beliebtheit der Colonistcn. In diesem Sommer wurde er zur Leitung der Colonie Ekron berufen und au seine Stelle trat Herr Ettinger aus dem Elsaß. — Das Gesammlbild der Colouie ist ein anmuthendes; die Häuser sind symmetrisch gebaut, die Straßen breit und von beiden Seiten mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt. (Reben Sichron Jacob) wurde ein großes lllld fruchtbares Stück Land angekaust. Die Absicht des Käufers ist die, dasselbe nach und nach an jüdische Colonisteu möglichst billig zu verkaufen, wodurch der Kauf durch Bermittler, der Geldverlust verursacht, erspart bleibt. (Der Verein „Esratli Nidacliim“) in Jerusalem hat den Rechenschaslsbeiicht über seine Thäligkeit in den Monaten Rissan, Ijar, Siwan erstattet. Im Ganzen wurden 117 Personen unterstützt, und zwar 100 durch ein Aluiosen und 17 durch ein Darlehen. — Neben diesem Vereine, dessen national-humanes Wirken ja hinlänglich bekannt ist, hat sich nun auch in Liberias ein Verein mit denselben Zielen unter dem Namen „Esratli Israel“ gebildet. Liberias ist von Altersher durch seine warmen Heilquellen bekannt und war im Alterthum ein fashiouabler Curort. Einst ein Segen für diese Stadt, sind diese Quellen jetzt ein Fluch für sie geworden, indem dort Reiche keine Gesundung suchen, sondern nur die ärmste Klasse zuströmt und warum? Weil jeder Comfort fehlt. Jetzt rafft man sich endlich ans. Es wird ein Spital in der Nähe des Grabes des Propheten Jeremias errichte: werden. Der neugegründete Verein „Esratli Israel“ wird sich die ge- , regelte Verpflegung von armen Kranken und die Verbreitung des Handwerks angelegen sein lassen. — Möge er bald so gedeihen wie de! Bruder verein Esratli Ridaeliim in Jerusalem und möge durch seine Thäligkeit Liberias zu neuer Blüthe erstehen, seinen Bürgern ein angenehmes Heim und den leidenden Fremden eine erheiternde Heilungsstatte. Literarisches. Zum Wiener Anlifemitismns. Ein Wort zur Abwehr von B. M . . . . s. Wien 1885. — Unter diesem Titel ist im Juni dieses Jahres in Wien eine Broschüre erschienen, deren Verfasser sich wohlweislich in den Schleier der Anonymität hüllt, aber doch zu verstehen gibt, daß er ein Jude sei, trotzdem, wie er behauptet, ihm und nahezu sämmtlichen Juden Wien's der Inhalt des Talmuds s e l b st v e r st ä n d l i ch unbekannt ist. Diese selbstverständliche Thatsache soll nach der Ansicht des Verfassers dazu dienen, ein gegenseitiges herzliches Einvernehmen zwischen Juden und Judenfeinden herzustellen und eine Nacenverschmelzung herbeizuführrn; seine Sehnsucht nach dieser Verschmelzung ist eine so große, daß er sich gleich in dieses schöne Verhöltniß hineiuträumt, den frommen Wunsch mit der Wirklichkeit verwechselt und erklärt, die Wiener Juden seien richtig schon verschmolzen, denn sie seien ebenso gemüthlich wie die Christen. Wahrscheinlich ist diese Gemüthlichkeit dem Verfasser so sehr zu Kopf gestiegen, daß er in seinem „Schluß", der zum Glück nicht weit vom Vorwort' entfernt ist,, gänzlich seinen werthen, echten Wiener Kopf verliert und uns in einen Wald von Faseleien hineinführt. Die Schuld an dem Antisemitismus in Wien schiebt er den galizischen Inden in die Schuhe, weil 'sie, anstatt sich mit den Christen zu verschmelzen, noch immer die unerhörte Kühnheit besitzen, den Talmud zu kennen und Pcyes zu tragen. ' „Confiscirt die Pcyesfreiheit!" ruft er den Antisemiten zu. O, Ihr Peyes, und Du, o Kaftan, und Ihr Juden von Kolomea und Tarnopol, wisset, daß Ihr dem Verfasser, einem Urwiener vom Scheitel bis zur Zehe, viele schlaflose Nächte verursacht habt und daß es nur Euchzuzuschreiben ist, wenn'die Wiener Antisemiten „den Charakter der Biederkeit und der Rechtlichkeit des anständigen Wiener Juden" noch nicht „zu schätzen und zu vertheidigen wissen"! Dafür ist der Verfasser ein Vertheidiger der Wiener Juden, und weil „ein Jude als Vertheidiger ' sowarm, überzeugend und eorccct deutsch spricht, als wäre er ein Deutschnationaler", so befleißigt sich auch der Verfasser eines correcten Deutsch, wie seine „Anhänglichkeit und Treue an das Kaiserhaus und dem Vateriande" und andere erbauliche Stellen hinlänglich beweisen. — Ja, Herr B. M .. .. s, folgen Sie meinem Rathe und schaffen Sie sich eine echt deutsch-nationale Grammatik an, und in Zukunft denken Sie wieder lauge, sehr lange nach, ob Sie ei» Schriftchen der Oeffentlichkeit übergeben sollen, denn Sie müssen noch lange die Sonnenstrahlen Ihres Geistesverbreiten, ehe der Verschmelzungsprozeß vollendet ist und ehe nach Ihren eigenen Worten „die ganze Menschheit zur Erkeniitniß einer einzigen Gottheit und zur wahren Erkenntniß der Natur — erzogen wird." H. K. Vom Cheder zur Werkstätte. Eine Erzählung aus dem Leben der Juden in Galizien von Dr. F.. herausgegcben von A. H. Zupnik, Drohobycz. Der Verfasser hat sich bemüht, ein Bild der verkommenen Zustände' der Chederschulen in Galizien zu geben und die Nothweudigkeit zu beweisen, die Juden dem Handwerke zuzusühren; er hat auch seinen Zweck erreichl. — Wie viele Talente, die der Gesammtnatlon zur Ehre und zum materiellen Nutzen gereichen könnten, gehen in der Diinstathmosphäre des lichtfeindlichen Cheders zu Grunde. Wie sehr bedürfte unser Volk der Verjüngung der Kräfte durch die Rückkehr zum Handwerke und, was der Verfasser nicht berührte — zum Ackerbau. Freilich geht unsere Meinung dahin, daß die Einsicht von der Unumgänglichkeit dieser Rückkehr erst dann eine allgemeine werden kann, sobald im jüdischen Volke durch die nationale Idee ein gercinigteres Moralitätsgefühl geschaffen sein wird.. Immerhin aber ist das Schriftchen auch jedem national gesinnten Juden zu empfehlen, da es die Faulheit und den Rückschritt — diese beiden ärgsten Feinde des nationalen Gedankens — bekämpft. Die Wiedergewinnung unseres Bodens. (Schluß.) Damit also auch unsere Colonisation in dem heilige» Lande unserer Väter recht blühe» und ihre Einträglichkeitrecht erhöht werden möge, damit wir die Bodenprodnction durch eigene Hand genießbar machen, damit wir ferner die nöthlgen Geräthschaften und Werkzeuge von eigener Fabrikation haben können, damit nicht die Jmportsumme die Exporlsumme übersteigen soll, muß sich der Montefiore- Verbaud zur Aufgabe machen, auch Industrie und Handel in unserem Lande zu befördern. Und das bedarf nur geringer Anstrengung; er braucht nur mit seinem guten Beispiele voranzugehen. Die Commission in Erez Israel soll nämlich nur die nothwendigsten Fabriken und Anstalten^