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Selbst-Emancipation · 1885-08-03 · Heft 13 (3.8.1885) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 13 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr 13. S e l b st - E m a n c,i p a t i o n! Seite 7 wie z. B. Fabrik für landwirthschaftliche Maschinen, Wind-, Wasser- und Dampfmühlen errichten. Es werden sich dann schon viele unserer Krösusse vorfinden, und verschiedene Actiengesellschaften bilden, die ihres eigenen Vortheiles halber die Industrie auch ans andere größere Gebiete aus- :dehnen werden. Daß es uns an recht fähigen Arbeitern, Werkführern und Maschinisten unter unseren Stainmesgei nossen nicht mangeln wird, braucht kaum erwähnt zu werden. Die Zehntausende, die jetzt jährlich nach der neuen Welt auswandern, um dort durch Arbeit in den Fabriken ihren Lebensbedarf zu erwerben, würden sich gewiß lieber unserem alten Vaterlande zuwenden, wenn sich ihnen dort nur Gelegenheit zur Beschäftigung bieten sollte. Daß mit der Zahl der Colonisten und der Fabrikarbeiter auch die der immigrirendeii Handwerker und Handelsleute steigen würde, ist ja ebenfalls selbstverständlich. Durch diesen großen Verkehr wird die Colonisation viel gewinnen, und auch der Handel und die Industrie werden recht gedeihen, und in immer größerer Anzahl werden unsere Stammesgenoffen nach unserem Lande übcrsirdeln, die einen zum Ackerbau, die andere zur Industrie und zum Handel greifend. Und so wird das Land unserer Ahnen durch ihre späten Enkel wieder colonifirt und bevölkert werden. Auf diese einfache Weise wird es keine sehr lange Zeit brauchen, bis ein ansehnlicher Theil unseres Volkes im vollkommenen Besitze unseres Landes sein wird. Seitens der türkischen Regierung werden uns hoffentlich keine Hinderniffe in den Weg gelegt werden. Schon zu wiederholten Malen hat sich dieselbe geäußert, daß sie die Einwanderung der jüdischen Emigranten gerne erlauben möchte, wenn dieselben nur tückische Unterthanen werden wollen. Auch unser großer Philautrop und hervorragendster Gönner der Colonisation unseres heiligen Landes, Sir Moses M o n t ef i o r e, sagt stets über diese Angelegenheit, nach den Worten des Dr. Löwe, solgendermaßen: „Seine kaiserliche Majestät -der Sultan Abdul Hamid kennt keinen Unterschied zwischen einem Unterthan und dem anderen — er behandelt sie alle mit gleicher Gerechtigkeit und mit gleicher Liebe. Die Zeit wird kommen, in welcher, - der Mund der Verleumder geschlossen sein wird und Seine Majestät wird sich von der Wahrheit überzeugen, daß diejenigen Söhne Israels, welche das Land der Verheißung bebauen wollen, kein anderes Ziel haben, als in .Frieden unter dem Segen seines Schutzes zu leben." Ja, in Frieden wollen wir ans dem Boden unserer Ahnen, unter dem Schutze der milden Gesetze des Sultans leben, unbekümmert tun die politische, weltliche Macht und zeitliche Umwälzungen. Denn die grausame Zeit des Nero und des Titus, in welcher man ein ganzes Volk von seinem Lande fortschleppte und nach einem anderen versetzte, ist schon längst vorbei. Ruhig und friedlich können wir immer im heiligen Boden unserer Väter wohnen isch tachath gatno, w’iscli tachath teenatlio und unser großes Ziel: die Wiedererwachung unseres Nationalitätsbewußtsrins, die Wiederbelebung unserer Sprache und die Erlernung und Erweiterung unserer Literatur zu befördern, verfolgen. Auch derjenige Theil unseres Volkes sogar, welcher hier in Europa zurückbleibeu wird, wird stolz auf die Selbst-Emaucipation seiner Nation von der schändlichen, sich selbst verschmähenden Affimilationssucht ablaffen, und mit Liebe und Achtung an seine m Stamme hängen und seine Sprache sprechen lernen. — So können wir unsere Existenz als Nation sichern und uns eine schöne, sichere Zukunft bereiten, wenn wir nur mit Energie und Fleiß für die heilige Sache arbeiten. Auf also, ihr Patrioten, ihr Söhne und Töchter heldenmüthiger Ahnen! Strebet und wirket mit vereinter Kraft, mit unermüdlichem ^Eifer für unsere Befreiung vom Sclavenjoche, für unsere Äettung -vom geistigen und physischen Untergange. In jeder Stadt gründe man einen Verein und schließe denselben dem Montefiore-.Verbande an! Die Wiedergewinnung unseres Landes! sei unsere Parole und die Mittel dazu zu v-rschaffen unser Bemühen. Und wir können Alles erzielen, wenn wir , nur wollen! Versäumet also nicht, den Augenblick zu be« i nutzen, denn die Reue käme zu spät! Wecket die Schlafenden aus ihrem gefährlichen Schlafe und ernrahnet sie zur Thätigkeit! — Schnell an's Werk mit altjüdischem Muth, ihr Brüder! Es gilt unserer nationalen Ehre, unserer nationalen Freiheit und unserer nationalen Zukunft. — Im en. ani li, mi li? w’im lo adLscliaw emathai? Elias W. Le-win. Offizielle Mittheilungen des Vereins jüdischer junger Männer „Zukunft" THy ^,,v in Wien. Die am 25. d. M. abgehaltene Plenarversammlung des Vereines genehmigte u. Ä. einstimmig den über Antrag des Vicepräses Salz gefaßten Ausschußbeschluß, betreffend die Einsetzung einer zehngliedrigen Commission zur Abhaltung von geschichtlichen Vorträgen, welche im Laufe eines Jahres den Stoff der ganzen jüdischen Geschichte durchmachen soll. In diese Commission, in die auch Nichtmitglicder berufen werden können, wurden gewählt die Herren: Birnbaum, Ehrlich, Focsaneauu, Frachter ssn., Galant, Katz, Salz, Sitzmann, Spiegel, Spielniann. — Der Ausschuß beschloß weiters, dem im Vereine bestehenden hebräischen Sprechclub aufzutragen, Bibel- und Talmudcurse zu eröffnen, zu welchen außer den Vereins - Mitgliedern auch Knaben, welche das 13. Lebensjahr bereits zurückgelegt, unentgeltlichen Zutritt haben sollen. Bei Beginn der am 29. d. M. stattgefundenen Ausschuß-Sitzung gab der Präses Kunde von dem Ableben Sir Moses Montefiores, dessen Verlust für das Judenthum unersetzlich sei. (Die Anwesenden erheben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen.) Es wird hierauf die Abhaltung einer Trauerfeier beschloffen und eine Vorbereit n»gs Commission, bestehend aus den Herren: Feldbaum, Salz und Schloß, eingesetzt. In der am 30. d. M. stattgefnndenen Ansschuß- Sitzung wurde die Veranstaltung einer im großen Stile angelegten Gründungsfeier in einem der größeren Wiener Etablissements für den 7. November d. I. einstimmig beschloffen. Vorträge wurden gehalten: Samstag den 18. Juli von Herrn A. Salz: „U e b e r die Tendenzen unseres Vereine s", und Dienstag den 21. Juli von Herrn N. Birnbaum: „U e b e r die Bedeutung des T i s c h a h. b’A -w." Sitzungen in der Woche Dom 2. bis 8. ß. u g li st: Montag den 3. August: 1i2S Uhr Abends: Ausschuß-Sitzung. Mittwoch den 5. August: 7 Uhr Abends: Agitations-Comics. — V28 Uhr Abends: Geschäftsordnungs- Commiffion. Donnerstag den 6. August: 7 Uhr Abends: Commiffion zur Pflege und Verbreitung der jüdischen Geschichte. ■ Jene P. T. Herren Mitglieder, welche dem zu bildenden Gesangsclub beitreten wollen, werden ersucht, Donnerstag den 6. August, 7 Uhr Abends, sich behufs Vormerkung im Vereinslocale cinzusinden.

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