Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 13 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir. 13. Selbst-Em ancipation! Seite 5 Monat ist unsere Mühe, sondern für alle unsere Lebenstage, für uns und unsere Kinder. Sehet aus der einen Seite: die Inden von SR., über deren Häuptern Gewölk sich zusammenballt, schwanger von furchtbaren Drangsalen und herben Heimsuchungen, von drückenden Gesetzen und beengenden Erlässen, wer weiß, was morgen sein wird, wer weiß, was derselbe Tag noch gebärt? Und auf der anderen Seite: da lacht unS ein klarer Himmel, nimmt uns barmherzig ein Land auf, das uns die Hoffnung gibt auf Frieden und Ruhe. Wenn wir alle zusammen, Schulter au Schulter, unermüdlich auf das Ziel hinarbeiten werden, daß der Gedanke der Colonisation sich erhalte und verwirkliche, und genügend Geld in unseren Händen sein wird, dann werden alle Hindernisse aus unserem Wege verschwinden, das Krumme wird gerade, dos Unebene eben werden und wir werden allmä lig an unser Ziel gelangen und die Söhne Israels werden sicher wohnen auf ihrem Boden. DaS ist es. waS ich Euch noch sagen wollte, thenre Brüder, bevor ich die>es Land verlaffe, und ich hoffe, daß meine Worte nicht ungehöct verhallen werden, sondern daß Ihr alles, was Ihr im Stande seid, und s:gar, was Eure Kräfte übersteigt, anwenden werdet. Aus denn! Ermnthigl Euch gegenseitig, reicht Euch die Hänee, Einigt Euch, schließt Euch aneinander! — Und der Gott Israels, der Zion sich erkor, wird vor Euch hersenden seinen Engel, den Engel des Friedens, er wird Eure Hände stärken und Ihr werdet Glück haben in Euren Werken. Amen. Kalon>i»ioS Sem Wiffotzky. (Ans Berezna) in Galizien wird dem „Hamagid“ berichtet, daß Herr Israel Lohun sich bereit erklärt habe, 20.000 fl. unter der Bedingung für die Colonisationsfache zu spenden, daß sich noch mehrere Geber mit ähnlich hohen Beiträgen finden und dann für das gesammte Capital eine Fabrik in einer der Städte: Jerusalem, Tiberias, Saffed oder Hebron errichtet würde, au der rechtschaffene und fromme jüdische Arbeiter aiigestellt werden sollen. Vorläufig hat der betreffende Wohlthäter die Summe in einer Sparkasse deponirt und hoffentlich finden sich bald ebenso hochherzige Zionsfreunde, wie er. (Aus Berditschetv) in Rußland sind in der letzten Woche des Juni nicht weniger als siebenundfünfzig jüdische, n i ch t v e r m ö g e n s l o s e Fainilien theils nach Palästina, theils nach Anierika ausgewandert. Die nach dem heiligen Lande Waildernden, mehr als die Hälfte der Familien, nehmen ein gemeinsames Capital von etwa zwanzigtansend Rubel mit für den Ankauf von Ländereien und Ackergeräthschaftcn. Dieselben sind größentheils geübte Landleute. — (In Odessa) hat sich, wie dein „Hamagid“ ans dieser Stadt gemeldet wird, eine Gesellschaft von zehn jungen Männern gebildet, die die Absicht haben, ihre Bildung nicht in Frankreich und Deutschland, sondern in den hohen Schulen von Constantinopel zu suchen, um dort die türkische Sprache und das türkische Lebe» kennen zu lernen und womöglich im Osmänenreiche eine Stellung zu erlangen. Man wird den Schritt dieser jungen Leute verstehen, wenn wir noch hinzusügen, daß dieselben aufrichtige . und begeisterte Zionsfremrde sind. Den spagnolischen, in der Türkei gebürtigen, jüdischen jungen Männern wäre «ine Befolgung dieses Beispieles insofcrne zu empfehlen, als sie die Landessprache erlernen sollten, deren Kenntuiß Bedingung für die Erlangung einer Stellung im türkischen Reiche ist.. (Erez Israel in der „Ojczjziia“.) Leser, Du traust sicher Deinen Augen nicht. Auch svir dachten anfangs an eine optische Täuschung, als wir im hebräischen Theile der „Ojczyzna“ das Wort „Erez Israel“ lasen. Daß von einem „Jsraelitenlande" in der „Ojczyzna“ *), im mosaischpolnischen „Vaterlande" einst die Rede sein könnte, das hätten wir uns nie träumen lasten. Und jetzt denke Dir noch lieber Leser, es stand sogar von Spenden für das heilige Land etwas darin. Von Spendrn? Vielleicht will gar die Redaction der „Ojczyzna“ in Lemberg einen Zweigverein des Montefiore-Verbandes in's Leben rufen! *) Ojozyzna heißt z» deutsch „Vaterland." Nun, so weit ist es noch nicht! Es wird nur mitgetheilt, daß Herr Israel Ahron Jttinger und Herr Israel Rappaport vom 23. Juni 1883 bis 17. August 1884 in Galizien die Summe von 43.498 Gulden für die Nothleidenden von „Erez Israel“ sammelten. Dabei steht aber fein säuberlich in einer Klammer „Chalukah“ damit etwa die patriotische „Ojczyzna“ nicht in den Verdacht komme, daß sie Fortschritte der Colonisationsidee registrire. Sie hätte ohne Sorge sein können; es wird Niemandem einfallen, ihr diesen Vorwurf zu machen. (Dke Colonie Riscüou l’Zion) wird in der „Hatfazeletli“ ihrer Entstehung, Situation und örtlichen Lage nach ausführlich beschrieben: Der erste Gründer dieser Colonie war Herr Z’w i L e w a n t i n aus Nicolajew (Rußland), der im Hochsommer 1882 mit dem nöthigen Capitale nach Palästina kam. Er und sein Verwandter, Herr SalmanDavidLewanliu, den er schon in Jaffa, wo dieser schon seit Monaten für die Colonisationsfache thätig war, antraf, solvie die Herren Heißmann, Feinberg, Awramowitsch, Freimann und Eisenband (sämmtlich aus Rußland) kauften im Monate Aw 5642 (1832) das Grundstück Ijnn Kara, das V/a Stunden von Jaffa entfernt, an der Straße nach Asa liegt, und nannten die neugegründete Colonie Bischon l’Zion (Erste zu Z'on) — mit Recht, denn es war die erste Ansieülung russischer oder rumänischer Juden im heiligen Lande. Damals war der Preis von Grund und Boden im heiligen Lande enorm gestiegen, da man eine jüdische Masseneinwanderung erwartete und so bezahlten die Käufer von Bischon l’Zion, dessen Boden nicht gerade fruchtbar und nur für Weinpflanzungen geeignet, deffen Klima aber gut ist, 42.900 Frrs. — Da Herr Z'wi Lewantin die Hälfte der Kaufsumme gab, erwarb er auch die Hälfte des Bodens, während sich die übrigen Käufer, denen sich auch die Herren Chankm und Jidelowitz beigesellt hatten, in die zweite Hälfte theilten. Herr Z'wi Lewantin übergab nun 350 Dunaren seines Grundes sechs armen Familien zrlr Bearbeitung; den Preis dafür, den er für den Bau einer Synagoge in der Colonie zu benützen gelobte, sollten sie binneir fünf Jahren zahlen; trotzdem mit Ausnahme dieser sechs Familien die übrigen Colonisten mit Vermögen nach dem heiligen Lcuide gekommen waren, standen sie doch bald durch den Erlag der Kaufsumme und Häuscrbnu mittellos da. Die ihnen von Deutschland und Rußland gewährien Uirterstützungen reichten nicht aus und so schickten sie einen der Gründer, Herrn Josef Feiuberg nach Europa, der den be. kannten Wohlthäter in Paris bewog, die Colonie unter sein Patronat zu nehmen. Er ließ eure» Brunnen grabe» und eine Danipfpumpe aufstellen, die das Wasser aus der Tiefe von 40 Meter heraufholeu sollte, ließ für die sechs ärmeren Familien Häuser bauen, kaufte ihnen Vieh und Ackergeräthe, gewährte ihnen eine monatliche Geldunterstützung, ferner lieh er denjenigen von den Gründern, die in bedrängter Lage waren, Geld, um ihre Häuser zu volleuden und ihre Schulden zu tilgen, ließ alle ihre Kaufcontracte auf seinen Namen umschreiben und beauftragte Herrn Hirsch, den Director der Ackerbauschule der Alliance Israelite in Jaffa, die Geschäfte der Colonie zu führen. Seitdem nahm nun der Fortgang der Colonie einem Umschwuug und es ist das Beste für die Zukunft zu hoffen. Rur zwei Colonisten bekamen keine Unterstützung von dem edlen Wohlthäter. sie sind aber auf dem Wege, durch ihre Weinpflanzungen sich den Lebensunterhalt zu sichern. Dem Herrn Z'wi Lewantin kaufte der edle Wohlthäter deffen ganzes Besitzthum, 1200 Dunare zu 18V* Frcs., ab; demselben verblieben nur an 15.000 Weinstöcke und viele Oelbäume, welche aber auch nach seinem Tode an den Wohlthäter zurückfallen. — Die Colonie zählt gegenwärtig 26 Häuser, worunter 23 Wohnhäuser, 2 Häuser für den SM" Die nächste Nnmmer erscheint am 18. August.