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Selbst-Emancipation · 1885-08-03 · Heft 13 (3.8.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 13 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Selbst-Em an cipation! Nr. 13. gegen vierzehn Mitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde die Anklage wegen gesetzwidriger Wahlunitriebe zu erheben. Die vierzehn Angeklagten traten in einer unerhörten Weise für das „bedrängte Daitschthum" ein. Von Wirthshaus zu WirthShaus wurde gepilgert und in langen Reden darauf hingewiesen, daß „wir" von den anderen Nationen bedrückt werden, daß „wir Daitsche" uns endlich aufraffen müssen u. s. w. — Vorige Woche sollte die Verhandlung stattfinden, dieselbe mußte jedoch zum Zwecke neuer Zeugenvernehmungen vertagt werden. —in. Bottxxschan (Ruinänien). Durch die Güte unseres GesinnungS. genoffen, Herrn Cb- Fischgold in Botluschan, sind wir in der Lage, einen Aitikcl einer rumänischen judensreundlichen Zeitung „\ocea dreptätei" (Die Stimme der Gerechtigkeit) in deutscher Uebcrsetzuug wilderzugebeu, der die ganze Trostlosigkeit der Lage der rumänischen Juden enthüllt und -Schaudern bervorruft. Er lautete: Schlaget! Schlaget die Jude», bis kein Blut mehr in ihren Adern fließt! Unterdrücket sie, daß sie auf den Straßen vor Elend und Hunger sterben! Verjaget, verstoßet sie, daß kein Einziger mehr in diesem Lande bleibe! Fraget nicht, ob die Juden Euch Unrecht und Böse? zugefügt; vergesset, daß auch sie zum Fortschritte Rmnäniens beigetragen haben; achtet nicht darauf, daß auch sie Menschen sind, daß auch in ihrer Brust ein Menschenherz pocht; hört nicht auf die Worte gelehrter, freidenkender Männer; horchet nicht auf die Worte Christi: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"; unterdrücket in Euerer Seele jedes menschliche Gefühl und schlaget die Juden.... l Schlaget!... r u f t e i n e Stimme in diesem La nd e, sie ertönt mächtig und der größte Thcil des Volkes gehorcht dieser Stimme und schlägt erbarm» n g slos drein...!. Denkt Euch, Ihr Rumänen, Ihr werdet durch irgend einen Zufall ans Euerem Laude verjagt, Ihr müsset auswandern. Euch eine neue Heiinal suchen, dort, werdet Ihr durch gute Sitten die Sympathie der Mitbürger zu gewinnen streben, durch fleißige Arbeit Euch eine Existenz gründen; Ihr werdet Euch keiner schlechten Handlung gegen Eure Nachbarn schuldig mache»; vielmehr durch Euere Thätigkeit zum Wähle des Staates beitragen und mit einem Male werden Euch Diejenigen, welche Ihr zuvor als Brüder vetrachtet, unterdrücken und aus dem Lande jagen. Wie werdet Ihr ein solches Volk nennen? . Ich möchte gerne schweigen und meine Stimme in der Tiefe meines Herzens ersticken, um nicht den schwarzen Schleier dieser düsteren Zeit auszuheben, wenn nicht ei» trauriger Austritt in Galatz, dessen Augenzeuge ich war, mich dazu veranlaßt hätte, zusomme» mit den Niederträchtigen, mit den Renegaten laut zu schreien: Schlaget, Schlaget I... . Ja, schlaget mächtig, und das wird vielleicht auch allen Schmerzen dieses Volkes ein Ende machen, und seinen letzten Seufzer unter!» Lcken, des Volkes, welches in diesem Lande zur Zielscheibe des Hasses geworden ist. Ich weiß nicht, ob auch ein steinernes Herz, bei der Abreise einer unglückliche» Familie, welche nach Amerika auswanderle, nicht wäre gerührt worden: Die Familie bestand aus einem Juden, dessen Haar in diesem Lande ergraut war, einer kranken Frau und ihrer Tochter. Das Mädchen, welches kaum 16* Jahre zählte, war bleich und in ihren Augen war ein unbeschreiblicher Schmerz' zu lesen. — „Herr", sagte der alte Jude einem Rumänen, „erbarmt Euch meiner und gebt mir etwas, um nieiuer kranken Frau ein Brot zu kaufen". — „Stirb vor meine» Augen, Du Jude", erwiderte der Rumäne, indem er ihm in's Gesicht spuckte. Der Alte weinte und aus den Augen des Mädchens flössen Thränen. — Als das Schiff zur Abfahrt bereit war, erschien ein junger Mann, der die Thronen zurückdrängen konnte. ES war der Bräutigam des Mädchens: „Oben im Himmel", sagte die Braut, indem sie mit den» Finger nach oben zeigte, „dort sehen wir uns wieder". Die Zuschauer lachten. „Der Jude", sagten sie, „hat keine Seele, ist kein Mensch". Wilde, herzlose Regierung, wie lange noch wirst Du Diejenige», welche in deine Hände gefallen, foltern? Wie sehr wird Dein Haß wachsen? Wie lange noch wirst Du Dich grausamer als wilde Thiere zeigen? Haben die Thränen so vieler Familien, welche unaufhörl'ch fließen. Dein Herz noch nicht erweicht? Hat das Elend, welches nach Erlaß Deiner barbarischen Gesetze sich bei den Inden eingenistet hat. Dich »och nicht gerührt 'r Wehe! Wir wollten die Negierung bittext, der Auswanderung Einhalt zu thun und nicht dem alten Spanien nachzuahmen, wir sind aber überzeugt, daß unser Flehen und Bitten ganz erfolglos bleiben wird. Sie hat es sich vorgenommen, die Judeil des Landes einmal auszurotten, Hut die Bahn des alten Spanten beirelen und nichts kann sie davon abhaltcn. Deshalb können wir, beim Anblick solch' trauriger Scenen nichts Anderes rufen als: Schlaget, schlaget!... Verkürzet durch einen tüchtigen Hieb das Röcheln dieser unglücklichen Opfer, tränket den Boden Eueres Landes mit Judenblut, dann wird er auch vielleicht fruchtbarer werden. Ch. Bis. Lrez Israel. Jaffa*) (Palästina), 2. Aw im Jahre seit Zerit. Jer. 1818. Geehrter Herr Redacteurder „Selbst-Emancipation!" Drei Monate sind vorüb-r, seitdem ich den Boden des heiligen Landes als Euer Geschäftsträger, liebe Brüder, betrat, um das Land unserer Väter und die Lage unserer ackerbautreibenden Stammesgenossen daselbst zu prüfen, um ihnen mit Euern Gaben Hilfe zu bringen und um auf ihre Zukunst Bedacht zu »ehmen, damit die heilige Sache nicht in's Wanken gerathe. Drei Monate sind vorüber voll Mühsal und Strapazen, die mir aber angenehm waren. Ich durchstreifte ganz Jehudah und kam nach Galiläa, studirte überall das Land und seine Bewohner, hauptsächlich aber diejenigen unserer Brüder, die es unternommen haben, für uns den Weg zu bahnen, auf dem unserer Hoffnungen Ziel zu erreichen ist. Jetzt ist die Zeit gekonune», wo ich daS heilige Land verlassen soll, das schon längst meine Liebe gewann; schweren Herzens scheide ich ans demselben, wie der Sohn, der sich aus den Armen seiner Mutter reißt. Ich werde verlassen das Land der Ahnen und zurückkehren nur meinen Posten in Euere Reihen, liebe Brüder, und wir werden fortfahren für unsere Idee zu wirken. Noch stehe ich aber auf dem heiligen Boden und ich will Euch von diesem Lande aus zum letzten Male meine Worte zurnfen, auf die ich Euch zu hören bitte: In angenehmen Hoff nun gen mich wiegend kam ich hieher und vertrauensvoll und aufgeklärt' gehe ich von dannen. Was mein Geist aus der Fer ue geschaut hatte, sah mein Auge in der Nähe. Jetztweißich, daß wirken rechten Weg wandeln und daß wir auf ihm die Wohlfahrt unserer Brüder, die Hoffnung unseres Volkes finden werden. Ich sah den Anfang der Sache und verstand ihren Ausgang. Ich blickte rings um mich und sah ein gesundes Klima, einen fruchtbaren Boden, ein gesegnetes Land, ruhige, friedliche Einwohner, einen König, der gerecht regiert; ich merkte, daß das Recht der Juden hier nicht verkürzt werde und ich sagte mir: Hier wird Israel ausruhen von seinen Leiden, hier wird cs eine Zufluchtsstätte finden vor dem Grimme der reißenden Gewässer. Siebenmal im Tage segne ich Euch, geliebte Brüder, daß es mir durch Euch vergönnt war, mit meinen Augen dieses Land zu sehen, zu schauen die Zukunfts- Hoffnung, meinen schweisenden Geist zu beruhigen, indem ich mir sagte: Noch wird kommen der Tag, wo auch Israel wieder aufleben wird am Berge Gottes in Jerusalem. Nun, meine iheuren Brüder, habe ich Euch noch etwas zu sagen, während ich noch auf dem Berge Zions stehe und vor mir unsere B üder, di- Bauern sehe, die sich selbst nud ihre Familien hlniansetzend, hieherkamen, um den heiligen Boden zu eggen und ihn wieder zu b-lebeu, um seine Früchte zu genießen und an seiner Güte sich zu sättigen. Ich weiß ja, Brüder, daß Ihr dem heiligen Gedanken, den wir auf unser Panier geschrieben haben, ganz ergeben seid; ich weiß, daß Ihr weder Mühe noch Geld schonen und alles was in Euren Kräften steht, für diese Sache thun werdet — darum komme ich noch einmal, zu Euch Folgendes zu sprechen: Die drei Colonieu, welchen der bekannte Wohlthätec »ich I seinen Schutz angedeihen läßt, nämlich : kstbaob Thikwah, Gederah uubJessod Hamaaleh entbehren noch Vieles und uns „Ziousfreuiiden" liegt es ob, sie ans der Enge heransznführen und ihnen für immer zu helfen. .Ich weiß zwar, daß Ihr schon längst Vieles zu ihren Gunsten «ethan und schon oft durch Eure milde Gibe» sie in ihre in heiligen Werke gekräftigt, aber nicht mit einem Male werden Colonien und viel Geld ist nöthig, um ihnen einfeste Grundlage zu geben, so daß sie uns fürderhin nicht brauchen sollen. Der eine Wohlthäter öffnete seine Hand und brachte vier Colonieu Hilfe; er richtete sie ei», baute sie, leitete sie mittels guter Gesetz:, wie ein Vater seinen Sohn. Er thut unendlich viel sür sie und streut monatlich viel Geld auf ne herab; Hunderte Familien leben durch ihn. Auch die übrigen Colonieu unterstützt er hie und da, aber es ist sein Wille und Wunsch, daß auch wir unsere Arbeit verrichten, daß auch die übrigen Israeliten zeigen, daß sie . für diese Sache fühlen und bereit seien, die Bruderhand helfend entgegeuzustrecken denen, die heraufgezogen nach Zion. >So schrieb Herr Erlanger ausdrücklich in seinem Briefe an Herrn Hirsch in der Colonie „Mikweh Jarael“**). Er hat Recht, denn er hat allein den heiligen Gedanken im Entstehen gerettet und ihn erhalten, bis er ihm Bahn gebrochen und ihm Geltung verschafft. Durch seine Freigebigkeit und Hochherzigkeit bewirkte er, daß sich alles dieser Sache zuwendet, und so hat er denn ein Recht von uns zu verlangen, daß auch wir das Unsrige dafür thu», jeder nach seinen Kräften. Wenn er aber unseren guten Willen sehen und ihm unser Wirken gefallen wird, dann wird er weiter auch uns von Zeit zu Zeit unterstützen. Darum, auf Brüder! Reget Euch, säumet nicht Euere Arbeit auf den Hügeln Zions zu thun, denn nicht für einen Tag, nicht sür einen *) Dar Origiuallchreibe» ili hebräisch.. *■') Ackerbaufchule der „Alliance Israelite“ in Jaffa.

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