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Selbst-Emancipation · 1885-08-03 · Heft 13 (3.8.1885) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 13 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Selbst-Emancipation! Seite 3 einen Kampf zwischen Monarchisten und Republikanern. Das „Journal des Debats" bemerkt, daß die beiden politischen Parteien darauf angewiesen sein werden, um die Gunst der I u d e n zu werben, da diese vermöge ihrer Nolle in der Geschäftswelt den Ansschlag geben könnten. Uns befremdet nur die Gegenüberstellung der Juden und der anderen Bevölkerung, was wir in Frankreich, das doch als Eldorado der Assimilation ausgeschrieen wird, nicht erwartet hätten. Es muß doch nicht so weit her sein mit den jüdischen Franzosen und — wird nicht die Partei, der die Juden die Hilfe versagen, antisemitisch werden? (Rumänisch.) Im Dorfe Kiskoweta, District Bottuschan, wohnte eine jüdische Witwe, die fünf Kinder zu ernähren hatte. Eines Tages wurde sie vor den Subpräfect gerufen und befragt, mit welchem Rechte sie noch immer im Dorfe weile und was ihre Beschäftigung sei. Sie erwiderte darauf, ihr Sohn diene derzeit beim Militär, wodurch sie sich zum Aufenthalt berechtigt glaube, und sie ernähre sich vom Ertrage eines Stückchen Pachtlandes, das sie mit ihren Kindern bebaue. Nach diesem Bescheide ward der armen Frau gestattet, im Orte zu bleiben. Sie bestellte also ruhig ihre Feldarbeit. Nun diese aber beinahe vollendet ist, ließ ihr der Subpräfect den Befehl zugehen, das Dorf sogleich zu verlassen. Korrespondenzen. Wie». Sonntag den 19. Juli besuchte eine kleine Schaar „Zukünftler" einen zum Landaufenthalt in Kierling (bei Klosterneuburg) weilenden leidenden Gesinnungsgenosien. Bei der Rückfahrt nach Wien. mittelst Frauz-Josef-Bahn mußten die jüdisch-nationalen jungen Männer einen Waggon benutzen, in welchem eine größere Anzahl rückkehrender Ausflügler (darunter auch Mitglieder eures Wiener Gesangvereines) bereits früher anwesend war. Im Hintergründe waren einige Assiniilanten placirt, denen man übrigens ihre Abstammung sofort an der Nase erkennen konnte. Bei der Abfahrt von Klostcruenburg stiinmten die anwesenden Sänger „Das deutsche Lied" au, wobei sie durch die anwesenden „daitscheu" Juden unterstützt wurden. Die Sänger schienen jedoch mit diesen „Sangesbrüdern" nicht zufrieden zu sein, denn es riefen sofort mehrere aus ihrer Mitte: „Da rückwärts singen Juden mit! Die Juden sind keine Deutsche!" — Die anwesenden „Zukünftler" waren innerlich befriedigt über die ganz gerechtfertigte Zurechtweisung dieser aufdringlichen „Auch-Daitschen." F—. Lemberg, den 24. Juli 1885. Die obligatorische Sonntagsruhe berührt die hiesige jüdische von der Assimilations-Epidemie noch nicht befallene Handels- und Gewerbewelt auf's Peinlichste, indem nun unsere Stammesbrüder bei dem notorisch ungenügenden Erwerbe und dem sich mit jeden: Tage steigernden Pauperismus auf die härteste Probe gestellt sind, entweder . durch die zweitägige Muße ihre ohnedies äußer st klägliche Existenz vollends zu untergraben, oder dem verderblichen Beispiele der berüchtigten Agudiancr folgend, den Sabbath zu entweihen. Das Elend, in welches gegenwärtig der jüdische Handwerker- und Kleingewerbestano in Galizien infolge des immer mehr fortschreitenden Judenhasses, wozu leider unsere affimilatorischen Brüder durch das überall unnütze Hineinmengen den meisten Anlaß geben, verfallen ist, spottet einer jeden Beschreibung, und wenn nicht rascheste Abhilfe betreffs Beseitigung der Sonntagsruhe für die Juden geschieht, gehen Hunderte von Familien einem förmlichen Hungertode entgegen. — Bemerkt möge jedoch werden, daß wegen Aufhebung des Gesetzes, betreffend die obligatorische Sonntagsruhe, aus Initiative der Herren Dr. Mansch und Dr. Pohl bereits Petitionen an das Ministerium, wie auch an die galizischen Handelskammern zur Befürwortung, abgesendet wurden. Mögen selbe vom besten Erfolge begleitet sein! *) Der jüdisch-nationale Verein ,,Mikra Ko'deseb.“ macht erfreuliche Fortschritte. Der hebräische Unterricht wird von gediegenen Lehrern — die sich hiezu in uneigennützigster Weise crbötig gemacht haben — einer größeren Anzahl von Hörern täglich gratis ertheilt, ebenso läßt sich der hochverdiente Präses des Vereines, Herr Rabbiner Dr. Kodak, trotz seiner vielseitigen Beschäftigung als Seelsorger in sämmtlichen Strafanstalten die Mühe nicht verdrießen, speciell während der Ferienzeit für die studierende Jugend täglich in den Morgenstunden im Hebräischen und der jüdischen Geschichte Vorträge zu halten. Jeden Samstag Nachmittag finden, sowohl für Mitglieder als auch für Nichtmitglieder Vorlesungen über jüdische Themata statt. Hiebei betheiligt sich in erster Reihe Herr Rabbiner Dr. Kobak. Letzthin sprach zwei Male der russische Hebräist Herr B r o i d e s über die jüdische Nationalität und Zerstörung Jerusalems mit solcher Beredsamkeit, daß jeder Satz stürmisch applaudirt wurde. — Würdig ward der Nationaltrauertag Tischah b’A-w begangen. Am Vorabende desselben. las Herr Rabbiner Dr. Kobak im Vereinslocale vor einer hundertköpfigen Menge mit tiefbewegter Stimme die herrlichen Klagelieder Jeremias im Urtexte vor, und hielt zum Schluffe eine entsprechende, national gefärbte Predigt. Bei den Worten des Redners, „daß man keinen Verrath am Staate übe, wenn mau um Jerusalem trauere," brach ein wahrer Beifallssturm los. Zur Illustrierung, aus was für Mitgliedern das Häuflein der Agudas-Aktimr§elbeit sich recrutirt, diene nachstehende, gar nicht uninteressante Mittheilung. Der in der hiesigen Gemeinde bis vor zwei Monaten angestellt gewesene „Confederatka-Cantor D.", dessen glorreiche Thaten die „Selbst-Emancipation!" in einer der früheren Nummern bereits aufgezählt hat, war bekanntlich ein großer Verfechter der Assimilationsthorheit, und noch größerer Anhänger der Agudas-Akuna-Jüngelchen. Wie es nun allgemein heißt, war der Herr Cantor, der hier zweieinhalb Jahre functionirte . . . getauft! Commentar nnnöthig! **) — Der Secretär der Agudas ATmm, der nebstbei die Functionen eines Normalschulleiters der jüdischen Czacki-Schule und Neligionsl e h r e r s ausübt. soll eine recht besondere Freude daran haben, die Lehrer-Confereuzen statt an Sonntagen, wo die Schule ebenfalls gesperrt ist, an Samstagen abzuhalten. — wie es scheint, einzig und allein nur aus dem Grunde, um die jüdische Lehrerschaft zu zwingen, am Sabbath schreiben zu müssen. Als Schriftführer hat er sich außerdem ebenfalls einen Religionslehrer auserkoren. Fürwahr, Agudas Akum kann sich auf seine Mitglieder etwas einbilden! Dank den Bemühungen des allgemein geachteten Philanthropen, Herrn Jacob Stroh, der, wo es sich nur um eine jüdische Sache handelt, keine Geldopfer scheut, wurden dieser Tage bei vierzig arme, kränkliche, jüdische Schulkinder zur Erholung auf das Land befördert. —x— Biseuz. Anläßlich der im vorigen Jahre im Wahlbezirke Ungarisch-Hradisch stattgehabten Wahl eines Landtags- Abgeordneten entwickelten die Anhänger des Candidaten der Deutsch-Liberalen. Dr. Promber, eine so rührige Agitation, daß die k. k. Staatsanwaltschaft sich veranlaßt sah» *) Auch die Lemberger Cultnsgemeinde hat eine solche Petition überreicht. Die Redaction. **) Wirstehen für die Richtigkeit dieser Nachricht nicht ein, die auch unser übrigens sehr verläßlicher Correspondent blos als allgemeines Gerücht bezeichnet. Die Redaction.

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