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Selbst-Emancipation · 1885-07-19 · Heft 12 (19.7.1885) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 12 (19.7.1885)
Date
1885-07-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 S el b st - Ema uc i p a t i o u! Nr. 12 Theue>e Brüder! Eine große Sache hat der Ewige in Euere Hand gelegt, ein: Sache, an die die Hoffnung Israels, seine Bestimmung und sei» Fortbestand geknüpft sind. Heil denjenigen uiiserer Brüder, die einsehen, von welcher Bldeutnng die Ereignisse ihthei-' ligen Lande für unsere Wiederbelebung sind! Jeder Jsraelite kann eine Gabe für die Mauern Zions und Jerusalems bringen, der eine eine größere, der andere eine geringere. Brüder, seht doch die Hand der Vorsehung, die so deutlich waltet, daß man bören muß die Stimme Gottes a»8 der Geschichte. Einigt Euch, Brüder, reicht Euch die Hände; schicket Eure Spenden dem Eentral-Comitö, dessen ganzes Wirken und Wunsch dahin gehen, von Euren ackerbauenden Brüdern im heiligen Lande die Noth fernezuhalten und Eure Bahn von Steinen zu befreien. Ich vertraue auf Euer» geraden Sinn, Euere Liebe zu unserem Volke und heiligen Lande, wenn ich erwarte, daß Ihr Raum geben werdet den vom Herzen kommenden Worten Eueres Freundes und des Freundes Israels Kalonymos Sew Wissotzky. (Die Haupteasse der „Zionsfreunde") hat Herr Wissotzky 30.000 Francs zur Unterstützung von Petbacb Thikwah, Gederah, Jessod Hamaalch geschickt. Außerdem befinden sich von früher 10.000 Francs in dessen Händen und 300 Pfund Sterling gab Dr. Adler zu demselben Zwecke. Nächstens werden 15.000 Francs nachgeschickt. (Der Alterspräsident) des Montefiorc-Verbandes, Seine Ehrwürden Herr Samuel M o h i l i w e r, Ober- Rabbiner von Bialystock, hat auf seiner Reise nach Bad Reichkllhall in Bayern Wien beiuhrt und sich hier zwei Tage aufgehalten. Er wurde am Bahnhofe von einem Vertreter des akademischen Vereines „Kadimab“ erwartet und hat auch eine Deputation dieses Vereines empsangen. Auf seiner Rückreise wird er ebenfalls Wien berühren und hier Schritte zu Gunsten der Sache der Colonifation Palästina's unternehmen. (Herr Wissotzky) kehrte am 27 Siwan von Chaifa nach Jaffa zurück. Von Chaifa aus hatte er Sickron Jacob (früher Samarin) besucht, wo ihn der Leiter der Colonie, Herr Wolmser aufforderte, den Grundstein zum Baue des BethhauseS zu legen. Herr Wissotzky schickte dann an deit bkkannten Wohlthäter rin Glückwunsch- und Danktelegramm ab, welches dieser telegraphisch beantwortete. — In Jaffa wohnt Herr Wissotzky im Gasthofe des Herrn Mordechai Disskin, an welche Adresse Zuschriften und Anfragen zu richten sind. (Die Colonie Sichroii Jacob) wird in der Habazeletb ihrer Entstehung, Situation und örtlichen Lage nach ausführlich beschriebe»: Sickron Jacob — bis vor Kurzem Samarin genannt, nach einem kleinen Dorfe daselbst — ist die größte jüdische Colonie im heiligen Lande und wurde von dem nun selig entschlafenen . „Central-Comitä zur Colonisation Palästina's" in Galatz (Rumänien) gegründet*). 200.000 Frcs. wurden für diese Colonie verwendet» aber so unzweckmäßig, daß sie zu Grunde gieng, die Colonisten in Elend gerielhen und ein großer Theil von ihnen mit Hilfe von Almosen repatriirt oder nach Amerika' geschickt wurde. Endlich wurde der bekannte Wohlthäter ans die Colonie aufmerksam und seitdem ist sie im raschen Aufschwünge begriffen. — Erst nach großen Anstrengungen gelang es dem allgemein b.liebten Leiter der Colonie Herrn Jehudah Wormser die Erlaubniß zum Häuserbau zu erwirken. (Nicht Herrn Scheid, wie in Nr. 3 unseres Blattes). Sickron Jacob liegt an einem hohen Berge, sieben Wegstunden von Chaifa entfernt, und umfaßt ein Areale von 600 Hectar, von welchen 280 Hectar im Thale liegen und sich vorzüglich zum Feldbau eignen, der Rest aber steiniger *) Bei den rumänischen Juden war die Flamme der Begeisterung nur ein Strohfeucr, das bald wieder erlosch, während sie bei den russischen Juden eine unauslöschliche Fackel geworden ist. Boden und nur zu Weinpflanzungen geeignet ist. Gegenwärtig befinden sich 82 Colonisten in der Niederlassung, von denen nur 10 ledig sind. Die Zahl der Seelen beträgt 370. Von de» Holzhäusern, die in Galatz gekauft wurden, stehen heute noch 15, Häuser aus Ziegeln find 6' erbaut. Der jüngste der Colonisten ist zwanzig, der älteste sechzig Jahre alt. Es befinden sich unter ihnen 12 Handwerker. —Die Colonisten haben im vergangenen Jahre nur 82 Hectare mit Gerste besäet, weil sie mit dem Transport deS Häuserbamnatcriales von der Meeresküste allzusehr beschäftigt waren. Die Gerste ist sehr gut gerathen. Jedem Colonisten wurden einige Stücke Vieh gegeben. 80000 Weinstöcke wurden in diesem Jahre angepflanzt und gediehen gut, ebenso viele Olivenbäame und eine Anzahl Obstbänme. — In der Colonie selbst befinden sich die Familien selbst zum großen Theile noch nicht, sondern Weiber und Kinder wohnen in Chaifa. Eine Familie erhält von dem b k runten Wohlthäter 12 Frcs. monatlich, allßerdem bekomiiil jeder in der Colonie arbeitende Mann 16 Groschen ivöchentlich und einen Laib Brot täglich. Bis zum Mouaie Elul hofft er, 60 Holzhäuser und 10 Steinhäuser ausgestellt zu haben und die Familien von Chaifa nach Sickron Jacob kommen lassen zll kö,nien. — Außer den Wohnhäusern und Speichern, Ställen und dem Bade wird jetzt eine große Synagoge und eine Schule gebaut. Zwischen den Häusern wird eine 10 Meter breite Straße führe», vor jedem Hause sich ein Gärtchen befinden. Die Colonisten sind sämmtlich rumänische Juden, aus achtbaren Familien, und körperlich kräftig: einige unter ihnen gehören in religiöser Hinsicht der extremen Reformpartei an, was hie und da zu Reibungen führt. (Bei der Brücke L'uotl» Jacob) am östlichen Ufer des Jordans hat Herr Mordechai Isaak Lubowsky aus Sani im vergangenen Winter ein großes Grundstück gekauft, das sich durch ebene Lage, fruchtbaren Boden und schöne Aussicht auszcichmt und eine Stunde von Jessod Hamaaleb und anderthalb Stunden von Eoscb Pinak entfernt ist. Jetzt hat er nun seine Arbeit begonnen und auch seine Söhne ans Amerika Herkommen lassen. Jedoch der Paschah von Saffed verbot ihnen als Uuterlhanrn der nordaurerikanischen Union, den Aufenthalt in der Stadt. Einige angesehene Saffeder, jüdische Bürger, standen aber für sie für de» Zeitraum von 10 Tagen zur und einer der Brüder begab sich nach Akko, um die Erlaubniß der Regierung zu erwirken. (Die Herren Missionäre) im heiligen Lande haben schlechte Zeiten; man hört von ihrer Maulswut fsarbeik jetzt beinahe gar nichts. Der Grund hiesür liegt in den sudanesischen und afghanistanischen Verwicklungen Englands, welche die Geldkräfte der Briten so sehr in Anspruch nehmen, daß man an die Bekehrung armer Seelen nicht denken kann. Weil also keine Gelder zufließen, haben die Missionäre schlechte Zeiten. Die Miedergewinnung unseres Bodens. (Fortsetzung.) Damit man aber mit vereinter Kraft an's Werk' schreite, soll sich jeder neugegründete Verein dem bereits schon exislirenden Montefiore-Verbande*) an- *) Der M.-V. ist ein Centralverein für Beförderung der Colo-' nlsation unseres heilige» Laude?. Ec besteht bis heute aus 55 Chowawe-Zion=2kreineu (Vereinen von „ZionSirlUiibe»,"' in verschiedenen Städten und Länderu Enropa's, und zählt 10.000 Mitglieder, mit ca. 40.000 Rubeln Jahresbeiträgen. Diese Summe wird durch GelegenheitSspeuden und Zuwendungen seitens der Freunde der Sache bedeutend erhöht. Die übrigen, ca. 40 in Rußland cxistireiiden Vereine werden sich hoffentlich auch bald an de» M B. aiischließen.

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