Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 12 (19.7.1885)
- Date
- 1885-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Selbst - E in a n c ip a t i o n! Nr. 12. risirt werden. Ueberhanpt ist es dieser letztere Name, der sehr viel Anfechtungen zn erdulden hat und die „Entlohnungen" m Ungarn sind masiciihafl. Das Wiener „FremdenbtatG berichtet über Aeuderungen dieses Namens in Kele», Kende, Korocha, Kemeny, Kont, Kormns, Kun, Kunos, Kunosi, Kolompos, Kohntar, Kointos, Korongi, Kondor, Karulyi. Der „Pester Lloyd" vom 8. Juni meldet folgende Magyarisirungcn: Kohu in Kovacs, Adler in Almasi, Petersel in Petersy, Hirt in Szabo, Hartman» in Kemeny und Holländer in Perenyi. Die angenommenen Namen sind, wie der „Oesterr. Volksfreund" zu berichten weiß, meist Namen altungarischer Adelsgeschlechter. — Ungarische Juden, wann werden Euch die Augen aufgehen? (In Petersburg) haben die Juden 200.000 Rubel für den Bau einer großen Synagoge gesammelt. Wir würden den Petersburger Juden, die bekanntlich zum großen Theile assimilatorisch sind, eine bessere Verwendung für ihr Geld wisien, als es auf Flitterwerk zu verwenden.' Jetzt gilt es das große Gebäude der . jüdischen Nation aufzurichten und nicht Gott durch Errichtung von Palästen quasi zu foppen. (Aus Slauim), Gouvernement Grvdno, wird dem „Hamelitz“ berichtet: In der russischen Ackerbaucolonic „Milowanie" lebte eine jüdische Bauernfamilie. Im vorigen Herbste kam es zu einem Angriffe der jüdischen Bauern durch die christlichen, weil erstere die Schweine der letzteren, die auf ihre Felder gekommen waren, nach vorhergegangencr fruchtloser Aufforderung an die christlichen Bauern, vertrieben hatten. Dabei wurde ein junger jüdischer Mann erschlagen, ein anderer schwer verwundet. In der darauf folgenden Nacht, als die Juden bei dem Leichname Wache hielten, begann das Haus an allen Enden zu brennen und nur mit Mühe gelang es ihnen, sich, den Todteu und den Kranken aus dem Hanse zu bringen. Vor Gericht wurden die Mörder und Brandstifter freigcsprochen und nur ein 17jähriger Knabe zu einjährigen Gefängniß verurlheilt. dem Fortschritte im jüdischen Wissen. Die Rabbiner stehen mit einzelnen Ausnahmen, was jüdische Gelehrsamkeit betrifft, tief unter dem Niveau eines Helamed oder Cliasan in Galizien. Sie unterrichten auch die Jugend im Beten und zur Lar Miz-wali; bei einigen bemerkt man einige Faselei vom Lostar, von dem sie so viel als nichts wissen. Das T’nacb. selbst ist ihnen ganz ungeläufig, und erst Talmudisten, wo findet man die? Ich verlangte an einem Feiertage nach einem T’nacli, ' um eine Stelle nachzuichlogen, und sieh', es war in der'Gemeinde von ungefähr 4 Mnjanim. keines aufzutreiben. — Die Mädchen genießen fast durchgehends keinen Unterricht in den Gebeten uud der heiligen Schrift und gehen nur selten in die Cerkwa („K irch e"); sonst ist Alles beim Herd, um nur geschmackvoll ihrem Gatten die Speisen vorzubereiten und' die Kinder für den Feiertag sorgfältiger zur Cerkwa zukleiden. — Der Mann ist Herr und Gebieter und Freund. Wenn man sich nun fragt: Mas wird aus der spagnolischen Judenschaft werden, die fo tief im Dunkel der Unwissenheit in der jüdischen Lehre steckt? — da übermannt uns ein peinliches Gefühl, denn Jude sein, , heißt Erkenntniß und Kenntniß von der jüdischen Lehre und seiner Volksgeschichte haben. Das Unwiffen führt in gerader Linie und unbemerkt zum Abfall. Die Zahl der Sephardim ist freilich eine geringe gegenüber der der Aschkenasim — aber es wäre schade um, jedes Haupt,' das von diesen braven, ehrenhafte» Brüdern verloren ginge. Hier muß Wandel geschaffen werden, ' wohl' nicht durch' affimilations- (Lorresxondenzen. Wie». Hier existirt seit Jahren ein Verein von jüdischen Kaust: ulen, Namens „Osten", der den Zweck hat, galizischen, russischen und rumänischen Inden die Reisespesen in ihre Heimat zu geben. Der Verein leistet in dieser Beziehung Hervorragendes uud ist ihm die C iltnsgemeinde zu großem Danke verpflichtet. Der Verein „Osten" hat sich nun an alle Eisenbahnen mit der Bitte um ermäßigte Fahrkarten gewendet und hatte Erfolg. Nicht das. selbe Glück hatte er bei der „Donan-Dampsschifffahrts- Gesellschaft", die das Gesuch im Allgemeinen abwies, aber versprach, in einzelnen Fällen einer diesbezüglichen Bitte zu willfahren. Der Verein gab sich damit zufrieden, aber die „Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft" stand nicht an, drei solche Specialgesuche des Vereines „Osten" abzuweisen. — Gegenstück: Die Wiener Antisemiten wollten zu ihren Preßburger Gesiunungsgeuossen auf Besuch fahren und reichten um Fahrpreisermäßigung ein. Das Gesuch war von bestem Erfolge begleitet. — Schlußtableau: Im Verwaltungsrath der Donan-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, welcher darüber zu entscheiden hat, sitzt ein bekannter jüdischer Börsenbaron, der auch in der Wiener Cultusgemeinde eine hervorragende Rolle spielt. —b— Tarnow. Herr M. erklärte in einem Briefe an die Redaction, daß die Correspondenz aus Tarnow in der letzten Nummer nur Unwahrheit enthalte und ersucht uns um Aufnahme dieser Erklärung, welchem Verlangen wir hiemit Nachkommen. Lrez Israel. Jaffa 15. TaimiS im Jahre seit Zerst. Jer. 1815.*) An die geehrte Redactioit der Zeitschrift „Selbst-Emancivatiou!" tu Wien und an alle unsere Slaiumesbrnder. die ihr Volk und Zion lieben. Der Ewig: möge seine» Geilt über sie ausgicßc» aug der Höbe.' Hochgeehrte Herren! Als Bote und Geschäftsträger des Vereines der „Zionssreunde", der seinen Sinn ans das Land gerichtet *) Das Originalschreiben ist hebräisch. : süchtige Wohlthäter — sondern aus ihrer eigenen Mitte. Die spagnvlische Jndenschaft der ganzen Balkan-Halbinsel mit Konstaittiiiopet wäre dazu zu bewegen, eine gemeinschaftliche Besprechung ihrer Geineinde-Repräsrutanteu und Rabbiner abzuhalten — woselbst sie über ihre allgemei..e Lage wie über den Stand ihres Unwissens sich Nechenschast legen sollten. ' ' - ' Es wäre ihnen dringendst anzurathen, den dentschjüdischen Gelehrten sich zu nähern, mit ihnen eine großartige Jesehvwali anzulegeü — welche auch die profane Ausbildung der Jugend bezwecken soll. Die spagnvlische Spräche mögen sic wohl unter einander sprechen, aber für die Wissenschaft müssen , sie einer Cultursprache sich bedienen. Sie niögen ferner den nichtssagcndeil Stolz gegenüber den anderen Inden ganz fallen lasten, um mit ihnen eines Herzens, eines Geistes und eines Sinnes zu seim Wir binden diesen unseren sephardischen Brüdern an's Herz, daß mir nur gering an Zahl, sind und jede Abbröckelung schädigt und gefährdet den ganzen Stamin. Darum, Männer aus Belgrad und änderen jüdischen Gemeinden Serbiens, legt nicht die Hand in den Schoß, sondern arbeitet wacker an Euerer, an unserer Aller Wiederbelebung! — Noch ist nicht Alles verloren; macht Schulen' und erhaltet sie, lehrt die Großen, erzieht die Kleinen, bildet Eure Töchter zu intelligenten Jüdinnen heran; die jüdische Frau hat oft ihrem Volke Heit gebracht . Dr. Rüben Vierer.