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Selbst-Emancipation · 1885-07-19 · Heft 12 (19.7.1885) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 12 (19.7.1885)
Date
1885-07-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12. Sel b st- Emanc i pat i on! Seite 3 Er ruft daher jedem, der sich >h»i als Erzieher off ritt, gleich beim Eintritte entgegen: „Wenn Sie ein Ungar sind, dünn wollen wir überhaupt nichts mehr rede»." Neulich sagte er einem Studenten, aus dessen Zeugnist zu ersehen war, dast er an einem polnischen Gymnasium studi t habe: „Wären Sie ein Ungar, dann wären wir augenblicklich fertig, aber auch als Polen-" „Pardon, Herr Doetor", unterbrach ihn der junge Mann — ein Nationaljnde, — ich bin weder Ungar noch Pole, sondern ein Jude wie Sie HerrDoctor." Verblüfft sprang der Germanensolm ans, nach dem Wartezimmer schauend, ob nicht der Mangel seiner Abstamninng bemerkt mmden war. . (Dr. Justus,) alias August Brimanns, recte Aaron Brieinaun wurde wegen, Fälschung eines Maturitäts-Zengnisses zu einer ziveimoiiatlichen Kerkerstrafe und Landesverweisung verurtheilt. Der Verfasser des „Jndensp.egels" hat abgewirthschastet,' da nun auch die Antisemiten von, ihm laffen; so z. B. findet der „Oesterr. Volksfreund" in der Affaire Vriemann einen Beweis für den heuchleriichen verlogenen Charakter des ji'rd. Stammes. Der „O sterr. Volkssreuud" lasse es sich gesagt sein, daß solche Deinlncianteiuratllren in jeder Nation vor kommen und die arischen Völker dieselben ebenso stcuk, wenn nicht in größerer Anzahl ausziiweisen haben, als die Semiten. (Juden hinaus!) Das ist jetzt die Parole des Deutschen Schulvei eines geworden. Herr Dr. Wettlof, dem das „jüdische Quai- und Börse-Daitschthum" in Wien bei den Rcichsrathswahlen seine Stimme gab, soll an die Spitze der „Judenaustreibungspartei" int Deutschen Schulvereine getreten sein. Die antisemitische Strömnng im genannten Vereine hat die Gründung einer studentischen Ortsgruvpe veranlaßt, welche den Beichlnß gefaßt hat, keine Juden, selbst nicht „semit i sche A nt i s em ite rr" anfznnehmen. — Fast beschleicht uns ein Gefühl des Mitleids mit de» armen enttäuschten Assimilanten, aber es verschwindet vor der großen Befriedigung, die wir, wir gestehen eö offen, über diesen beginnenden „Hinanswurs" empfinden. L e u t e n, die so ehrvergessen s i n t>, in zen der rache chnanbenden römischen Sölouer, das Wehklagen unserer Ahnen, das grause Mittelalter mit allen leinen Schrecke», lodernde Scheiterhaufen, der Schrei der Opfer, die für Glaube und Volk den Märtyrer tod erlitten, zu einem düsteren Bild vercint, erschüttern und erfassen llnsec Grmüth. O Macht des jüdischen Volksgeistes! Zwar sind deine eigenen Söhne „am Sabbath" zu Dieben deiner Vergangenheit, „am Tischah b’Aw" zu den Mördern deiner Zukunft geworden! Deine Widersacher möchten dich gerne, o himmlisches Wese», zu erneut gemeinen Alltagsgeschöpf herabgewürdigt scheu! Doch mögen deine Verräther sich an fremden Herde» wärme», in fremden Kelchen Labung srichen, — Verachtung und Vergessenheit harret ihrer. Du aber,' holde Zionstochter, wie oft dich auch deine Feinde gekettet und geknechtet, entleibt und entseelt wähnten, du stiegest immer wieder wie ein Phönix aus der Asche empor, um neues Leben zu beginne». Hast du nicht auch einst deine jungfräulichen Lebensjahre im Sclavenlande der Egyptier trübe zugebracht, wie du heute, demüthiges Weib, dich in der Fremde nach den zerstreuten Kindern sehnst? Mit Recht darfst bu jetzt nach zweitausendjähriger Verbannung auscufeu: „Wie lange noch?" denn sie hören dich bereits, deine Söhne. A b r a h a m S a l z. IMchtige Micke üöer Serbiens Judenschast. , (Fortirtznng.) Die serbische Judenschaft leidet noch nicht an der modernen Culturkrankheit unserer aschkenasi>chen Brüder — der widerlichsten Weise sich anfzndrängen die nicht e i n s e h e n wolle», daß sie unwillkommen sind und die besser t h ä t e n, selbst zu gehen, geschieht es recht, wenn siege-, g a n g e n w e r d e n. — Der Jude, der früher Mitglied des Deutsch n Schulvereines war, ivar ein gutmüthiger Schwärmer oder ei» egoistischer Streber; der Jude aber, der noch heute die Deutschen in ihlem Schnlvereine belästigt, er ist geradezu stumpfsinnig oder ein nnempfiudlichec charakterloser Mensch. (Antisemiten-Jnvasioil.) 1500 Wiener Antisenrilen unternahmen am 12. d. MtS. eine» Ausflug nach Pceßbnrg, auf welchem sie Weib und Kind Mitnahmen. — Viele Officiere schlossen sich de» antisemitischen AuSfliiglern an. — Tie Stimmung unter den Prestburger Inden war eine gedruckte. — Vielleicht wäre es gut, wenn die Juden ber den Antisemiten das Zusammenhalten lernen wollten. (Großer Brand.) Am 2. Juli brach in dem galizischen Orte Horodenka eine entsetzliche Feurrsbrunst ans, durch welche mehr als 600 Häuser vernichtet wnrden. Von den 12.000 Einwohnern sind beinahe die Hälfte, fast lauter Jude», obdachlos geworden. Der Kaiser spendete sofort 3000 Gulden für die Abgebrannten. (Namen-Magyarisirnngen.) Fr-ilich hat es einen eigenthümlichen Reiz nicht Abrahain, sondern Attila und nicht Schwarz, sondern Fekete zu heißen, wenn auch unsere Nerven für diesen Reiz wenig empfindlich sind. Nicht, dast ivir den gewöhnlich deutschen Klang der jüdische» Zunamen als eine Nothwendigkeit betrachten würden — diese deutschen Namen selbst sind ja ein echtes Bild des jüdischen Zwitterdaseins, indem der echte Deutsche ganz andere deutsche Namen führt als der Jude — Wir bedauern nur die in einer solchen Namensäil'erung sich äußernde Assimilationssncht. Bon diesem G sichtspuncte ansgehend, tadeln wir jede Namensänderung, namentlich bei Lellten, die das Glück haben, noch rein hebräische Namen zu besitzen, mag nun z. B. das Wort „Kohn" germanisirt oder magyader Assimilationssucht. Die Inden scheuen hier nicht, als Hebräer gekannt und genannt zu werden. Sie, die spagnolischcn Juden, haben es verschnräht, ihre Namen zu verdrehen und dieselben gegen französische» deutsche oder slavische einzutanschen. Man hört allangestammte, gutbiblische Name». Hier hört man Moicheh, Naftali, Rüben, und die Frauen ertragen mit Gleichmuth die Namen ihrer Stainmesmutter. Die mir zu Gesichte gekommenen Riwkah, L.ah rc. sind sanfte, biedere Hausfrailen. Wenn in Galizien, Rußland und Nnmänien der dentsch'jüvische Jargon verdammt und verpönt wird, so erfreut sich der spagnolische einer großeir Beliebtheit unter den Jude». Man kann es nicht leugnen, daß derselbe geradezu sich eilt Verdienst erworben um das Conserviren jener unglücktichcn, zersprengten und vereinsaminten Inden, welche auf dieser südlichen^ Spitze Europas ansgeruht von ihren Verfolgern und Bedrängern, den Spaniern, und zwar deswegen, well er in ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit treulich bewahrt hat und sie geeint, trotz meilenweiter Entfernung. Das Spagnolische, unleugbar eine klangreiche Sprache, ist ihnen zu einer förmlich heiligen geworden und am Sederabend wird in der Hagada auch Spagnolisches hineingeschoben. Das enge Band, welches die spagnolischen Juden, also auch die serbischen, durch diese Sprache um sich gewoben, hat aber neben der Aversnoch eine Reversseite, und zwar eine ungünstige. Wenn wohl, wie ich-bemerkte, die Unglückssaat der Assimilation unter ihnett.tticht allfgegangen ist, blieben sie aber durch eben diese vekelatrsulirende Sprache abseits von

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