Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 11 (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11. Sel b st- Emanci pation! Seite 7 10 Frcs. monatlich für eine Person; ledige Colonisten bekommen 20 und kinderlose Ehepaare 30 Frcs. monatlich. /Außerdem erhalten die Colonisten ein -oder zweimal im Lahre Kleidungsstücke. Als Leiter der Colonie wurde Herr Aschrin, ein russischer Jude, angestellt. Außer den Wohnhäuser» der Colonisten, wurden auf Rechnung des Wohl- -thäters gebaut : ein Wohnhaus für den Leiter der Ansiedlung, eine Synagoge, eine hebräische, eine französische Schule, ein Schwitzbad nach russischem Muster und ein Bad. Die Colonisten sind achtbare, sittliche und höfliche Männer, einige darunter sind bewandert in der Thora, sie e i g » e n s i ch zum Ackerbau, arbeiten mit Lust u ii d Liebe, in ihren Häusern herrscht Reinlichkeit und Ordnung, sie leben in E i n t r a ch t m i t einander; dagegen stehen sie zu ihrem Leiter in keinem freundschaftlichen Verhältnisse. — Ein großer Uebelstand für die Colonie war bisher der Mangel einer guten Straße nach .Saffed, doch dürfte derselbe bald behoben sein. — Die Lage von Rösch Pinah ist im Allgemeinen eine günstige; der Boden ist fruchtbar, das Klima gesund. Im Rücken der Colonie auf den Gebirgskämmen sehen wir rechts den Genezareth-See, links den Merom- See — am Strande desselben. die von Meseritscher Inden gegründete Colonie Jessod Hamaaleh — und den Jordanstrom, der die beiden Seen verbindet. (Aus Constautiuo-el) berichtet der „Telegraph", daß gegenwärtig viele Deutsche nach Syrien kommen, um sich dort änzusiedeln, daß der Fürst Bismarck dies billige und in dieser Hinsicht mit der Pforte in Unterhandlung stehe. — Sapienti sat. (Vier Familien) rumänisch-jüdischer Emigranten, die bei 30 Personen umfassen, lebten bis vor Kurzem in Lernsalem, ohne die Iiölhlge Nahrung und Kleidung zu Habei«. Jetzt kam von dem bekannten Wohlthäter der Auftrag, sie der Colonie Rachem l’Zion einzuverleiben undihnen Grund und Boden zu gebe««. Man kann sich die freudige Ueberraschung der Emigranten bei dieser plötzlichen Rettung vorstellen. Die Miedergewinnung unseres Bodens. Im en ani Ii, mi li? Wim lo achachaw emathaif Wajfize mi-hflfh Jehndah kol hadarah. Aller Mauz Jehuda's ist dahin geschwunden. Nicht mehr ist es wie einst die herrliche Nation, die sich die Achtung aller benachbarten Völker durch bewundernswürdigen Heldenmuth, durch zweimalige Selbstbrfreiüug vom Sclaventhum erworben hatte; nein, nicht mehr ist Jehudah dasselbe tapfere und hochgeachtete Volk! Entmuthigt, entkräftet, bewußtlos, einem schwachen,. rathlosen Weibe gleich, steht Israel da, verspottet und gehetzt von allen Nationen, eine Zielscheibe aller Unwillensausbrüche. Und muß diese traurige Umgestaltung Wunder nehmen, ist den»« nicht die Erniedrigung Israels die unvermeidliche Folge seines langen Exils? Seines Landes beraubt, seit zwei Jahrtausenden auf dem ganzen Erdball umhcrirrend, alle Sprachen stammelnd und den Lauten der eigenen entfremdet, der eigene» Geschichte und Literatur unkundig, allen Nationen schmeichelnd, sich selbst aber verachtend, seine eigene Nationalität verschmähend, konnte denn aus Israel etwas anderes werden, als das,, was aus ihm geworden ist, — ein ewedawadim, ein Weltparia? Nein! das, was aus ihm geworden ist, das mußte aus ihm werden, es ist die nothwendigste Consequenz des angeführten Urübels. Aber müssen und sollen wir das bleiben, was wir jetzt sind? Nein! Wir können und müssen uns von dieser schmachvollen Lage befreien, wir können und müssen unsere» Boden wiedergewinnen, wir können und müssen unsere Sprache wieder sprechen lernen, wir können und müssen unserer Geschichte und Literatur kundig werden, wir können und müssen uns wiederum zu einem großen Ganzen vereinige», wir können und müssen endlich wieder das werden, was wir einst gewesen sind: ei» G-oj kadosch, ein Mustervolk für alle Völker der Erde. Der erste Schritt zu diesem Ziele aber ist die Wiedergewinnung unseres Bodens. Denn erst in unserer Urheimat, in dem Lande, wo noch die Laute unserer Sprache nicht fremd klingen, weil alle vorherrschenden Idiome dem Hebräischen verwandt sind, ist es ein Leichtes auch unsere Sprache wiederum zu einer lebendigen, zu einer Volks-Sprache umzugestalten. Nur in dem Lande wo uns ein jedes Plätzchen, ein jeder Fluß, ein jeder Berg, ein jedes Thal von den heldenmüthigen Thaten unserer Ahnen, vom Ruhme unserer einstigen Könige, von dem Patriotismus und dem erhabenen Geiste unserer Propheten, von unserer ganzen glorreichen Vergangenheit erzählt, ist es möglich, unsere Geschichte und Literatur voll und ganz würdigen zu lernen. Nur in dem Lande, das ein ewiges Denkmal unserer ehemaligen Größe ist, in diesem Lande nur werden wir von jeder Selbstentwücdigung ablassen und unseren eigenen Werth zu schätzen wissen. Nur ans dem Boden, von welchem unsere Vorfahren nur durch ungerechte, tyrannische Gewalt verdrängt wurden, auf dem wir nie und nimmer als Fremdlinge betrachtet werden können, auf dem wir auch jetzt, durch die dort waltenden milde» Gesetze Seiner Majestät des Sultans berechtigt sind, Ackerbau, Handwerke und Handel zu betreiben, nur dort, werden wir uns nach zweitausendjähriger Zersplitterung wieder zu einem großen Ganzen vereinigen können, nur da werden wir wieder das werden können, was w.r einst gewesen sind, e in großes, ruhmwürdiges Volk. Ja, in den Besitz unseres einstigen Vaterlandes müssen wir wiedergelangen! Es fordert dies von uns keine großen Opfer; nicht etwa wiedererobern durch Blut und Eise», durch Brand und Mord sollen wir unser Land, sondern wiedere r w e r b e n auf friedlichem Wege, durch Pflug tUtd Sichel, durch Arbeit und Fleiß. Das aber, was uns schon von so vielen droheirden Gefahre» rettete, was über die Gossroth des Mittelalters siegte, das Geld soll uns zur Wiedere r w e r b u n g unseres _ Landes verhelfen. Oder sollten wir »ns auch von diesem geringen Opfer feig znrückziehcn wollen? Für das Land, für welches unsere Ahnen freudig ihr Leben hingegeben, für die Freiheit für die sie mit Löwenmuth gekämpft, für die Sicherstellung unserer nationalen Zukunft sollten wir nicht ein Stück schnöden Mammons opfern können? Nein, das kann nicht sein! Niemand wird sich dieser heiligen Pflicht entziehen, ein Jeder von uns wird seinen Beitrag, ob viel oder wenig, bereitwilligst geben, wenn sich nur diejenigen vorfinden, welche die Bewußtlosen in Israel aus ihrer Lethargie Wecken und sie überzeugen würden, daß die Möglichkeit unserer Forvxistenz als Nation von der Wiedergewinnung unseres Landes abhäugt. Und dieses Werk des Erweckrns, des Ermahnens ist sür jeden unserer Patrioten, einem jedem unserer National-Gesinnten eine heilige Pflicht. Also Geld das ist, wie überall, auch hier das Nothwendigste. Aber wie das Geldsarnmeln am zweckmäßigsten einrichten, und wie mit dem gesammelten Gelde di« Wiedergewinnung unseres Landes und die Möglichkeit unserer Fortexistenz als Nation bewirken? Darauf will ich zu antworten versuchen. In jeder Stadt, in der Stammesgenossen ansässig sind, .muß ein Verein, zum Zwecke des GeldjammelnS für die Wiedcrerwerbung unseres Landes unter der Leitung des Rabbiners und mindestens zweier vertrauenSwerther Bürger gebildet werden. Die Vereinsleitung soll einen Aufruf aa