Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 10 (17.6.1885)
- Date
- 1885-06-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Selbst-Emancipatio»! Seite 5 nicht kenne und dies ist erwiesenermaßen unrichtig. Das Urtheil wurde Dienstag den 16. d. M. publicirt: und Bäcker wurde zu drei Wochen Gcfängiiiß verurtheilt. Der Präsident bemerkte aber, daß er sich nur in Form und Ton, nicht aber in der Sache vergangen habe, betonte ferner, daß Pastor Stöcker der Unvorsichtigkeit in der Affaire Ewald, der doppelten Lüge in Angelegenheit der Antisemitenpetition sowie der unerlaubten Verwendung von 2000 .Mark Unterstntzungsgeldern überführt sei. Bäcker ist verurtheilt aber Stöcker ist gerichtet. (In Tomsk) hat die Polizei sich darauf verlegt, ausznfoischeu, wo Christen und Christinnen in jüdischen Häusern bedienstet sind, und hat eine sofortige Lösung des Dienstvcrhältnlsses bei sonstiger Bestrafung beider Theile angeordnet. In Folge dieses Befehles stehen bereits Hunderle von christlichen Familien erweich- und brodlos da. (Verein jüdischer junger Männer „Zukunft".) In Nr. 1 unseres Blattes waren wir in der Lage, die bevorstehende Gründung dieses Vereines anzuzeigen, jetzt aber können wir unseren P. T. Lesern die freudige Nachricht bringen, daß er die kritische Zeit des Werdens Überstunden hat, d. h. daß seine Statliten endlich genehmigt von der hohen k. k. niederösterreich'.scheu Statthalterei herabgelangt sind und derselbe demgemäß seine Thätigkeit begonnen hat. Nach dem zu schließen, wie sich der Verein anläßt, ist sehr viel von der Zukunft der „Zukunft" zu erwarten. Wir bespreche» die Bedeutung des neuen Vereines für die jüdisch-nationale Bewegung in Oesterreich an leitender Stelle, veröffentlichen weiter unten den Aufruf, welchen seine provisorische Leitung erlassen hat und wollen deshalb hier nur noch, zur Beleuchtung der Tendenz des neuen Vereines, das Schreiben pnbliciren, welches er an den akademische» Verein „Kadimah“ gerichtet hat. Dasselbe lautet: Löblicher Ausschuß! Der Verein „Jüdischer j u n g e r M ä n n e r „Zukunft" in Wien erlaubt sich hiermit, Ihnen die freudige Mittheilung zu machen, daß er bereits in's Leben getreten ist und am 7. d. M. seine Thätigkeit begonnen hat. Da die Zwecke, die sich die „Zukunft" gesetzt hat, mit denen der „Xaclünah" in jeder Weise übereinstimmen, geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, Ihrerseits .in jeder Beziehung Sympathien und Zuneigung zu finden. Wollen wir nun mit vereinten Kräften die hohe nationale Idee, die einzig und allein geeignet ist, den unvergänglichen jüdischen Stamm vor der Schmach des völligen Unterganges zu retten und das Judenthum einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen — fördern! Während der löbl. Verein „Kadimah" mit wahrhaft staunenswerther und mustergiltiger Energie dafür Sorge trägt, diese erhabene Idee unter der akademischen Jugend zu verbreiten und großzuziehen, wird es fortan das Bestreben der „Zukunft" sein, das nationale Selbstbewußtsein und die Liebe zum .jüdischen Stamme in den Herzen der übrigen jüdischen Jugend wachzurufen und zu kräftigen. Indem es uns und der jüdischen Sache zum Wohle gereicht, Hand in Hand mit dem Verein „Kadimah" dem hohen Ziele zustreben zu dürfen, bitten wir gegenwärtige Zuschrift als offenes Sendschreiben behandeln zu wollen und zeichnen mit jüdischem, stammesbrüderlichen Gruße Für die Leitung des Vereines „Jüdischer junger Männer „Zukunft" Abraham Salz, JacobSeidel, derz. Präses-Siellvertreier. Schrifijührer. (Die ehre«werthe '„0Lt-L^»i»»") leistet Unglaubliches in-der Auslegung von Zeitungsstellen, die ihr unbequem sind.- In- Nr-. 8 unseres- Blattes sagten wir in einer mit ^,Dr. Jaques" übersch.riebenen Notiz, daß wir uns nur deshalb mit den polnischen Juden eingehender beschäftigen, weil sie noch weniger vom Asfimilationsgeist inficirt sind und wir daher hier früher ans Ziel zu kommen hoffen. , Diese Stelle, in ihrem hebräischen Theile von der „Ojzyzna“ citirt, wird nun so gedeutet: „In Polen finden sich viele _1 Thoren, die jedes gedruckte Wort glauben — bringe es 1 ihnen auch Schande — und im trüben Wasser läßt sich i gut fischen." Auf diese geistreiche Erklärung, zu der wir der löbl. „Ojzyzna“ gratuliren, folgt der Satz: „Die Juden Galiziens warte» nicht auf die Weissagung der jungen Menschen (nearim), die sich im Prater amüsiren oder in einem Wiener Wirthshause Bier trinken." Freilich die „A^ndas-Achlm-Jüngelchen", die weinen stets und bringen nur reines Quellwaffec über ihre, dem edle» Wecke der Zerstörung ihrer Nation geweihten. Lippen. Freilich können sich die nationaljüdischen Studenten Wiens nicht zu der moralischen schwindelnden Höhe emporschwingen wie die mosaisch-polnischen Lembergs. Während sich erstere an j e d e m s i m p l e n W o ch e n t a g e der Freude hingeben, sind letztere viel solider und benützen dazu nur den T i s c h a h b’Avr, wo sie, poln i s ch e N at i o n a l l i e d e r singend, eine nationale Landpartie unternehmen, wie dies v o r z w e i oder d r e i I a h r c n geschah. Korrespondenzen. Lemberg. Nachstehende Thatsache, worauf die lieben Herren von der „Ojczyzna" als heldenmüthige Bahnbrecher nicht wenig stolz find, wird nicht nur der gesammten Judenschaft, sondern sogar vielen Leinberger Juden ganz unbekannt sein. Diehiesige jüdische Cultusgemeinde ist bereits, Dank den Irrlehren der Assimilation, so weit f o r tgeschritten, daß ihre Beamten und Angestellten am Sabbath und an den jüdischen Feiertagen amtiren müssen. Dem löblichen Cultusrathe gehören zwar außer dem Großmeister der Agudianer, dem ewigen Neichsraths-Mandat- Candidaten von Kolomea, dem höchstpercentigen Ahnenbesitzer, dem zinsenenthusiastischen Advokaten, dem ordensschmachtendeu Bankoirector ob tutti qnanti, auch einige orthodoxe Juden an, die sich wohl ,licht, wie die erwähnten Capacitäten, i» den Kopf gesteckt haben, klüger als unser Gesetzgeber Moses zu sein. Wo stecken aber diese gesetzestreuen Juden, um diesem Treiben ein Ende zu machen?! Auf! Erwachet aus Eurem tiefen Schlafe, beweiset, daß Ihr Juden, seid und thnt der Mißwirthschaft Einhalt! Wollt Ihr denn immer und ewig vor Eueren assimilatorischen College!« katzenbuckelu und nur das Stimmvieh abgeben?! — x— Lrez Israel. (Dr. Adler.) Die „Neue Jüdische Pester Zeitung" berichtet, daß Herr Dr. Adler auf seiner Rückreise von Palästina Budapest berührte und sich hier aufgehalten hat, um mit dem Advokaten Carl Eötvös, dem berühmten Vertheidiger im Tisza-Eszlarer Prozesse, in Angelegenheit deS Häuserbauverbotes in der Colonie Pethach Thikwah Rücksprache zu nehmen, wiewohl er einer Aufhebung des Verbotes sicher ist. Von Pest gehe Dr. Adler nach Paris, wo er bei dem Präsidenten der französischen Republik, Grevy, im Interesse der jüdischen Coloniste» des heiligen Landes Audienz nehmen werde. — Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch zu unserer lebhaiten Freude, daß einer der ersten Gründer von Pethach Thikwah, sowie eine Anzahl anderer Colonisten ungarilche Juden sind; Gott sei Dank, wir fürchteten schon, daß auf den Pußten und in den. Bergen des MagyarenlandeS den Juden sogar die Eignung