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Selbst-Emancipation · 1885-06-17 · Heft 10 (17.6.1885) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 10 (17.6.1885)
Date
1885-06-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Selbst *6mancipatio«’ Sir. 10. zu einer jüdisch-nationalen Denkweise abgehe. Wir würden es gerne sehen, wenn dieses unser Vorurtheil immer mehr widerlegt würde. (Colonisationsverein in Boston.) Die Gründung eines Palästina-Vereines in Nw-Pork hat bereits Nachahmung in einer anderen Stadt Amerika's gefunden. In Boston wurde am ersten Peßachtage ein Verein von „Zionsfreundeu" in'» Lebe» gerufen und wenige Tage später zählte derselbe bereits 80 Mitglieder. (Neuer Colouisatrousverem.) In Lovz (Russisch- Polen) wurde ein neuer Zwrigverein der „Zionsfreunde" gegründet, der bereits mehr als hundert Mitglieder zählt. (Die Früchte vcs heilige» Bodens.) Wie „Jew. Chron.“ berichtet, übertreffe» die Orangen, die in der Nähe Jasfa's gedeihen, diejenigen anderer Länder weitaus an Größe und Güte. Seit einem Zeiträume von drei Jahren weiden ste m großer Menge nach London imporlirt, unk> von Jahr zu Jahr nimmt diese Einfulir zu. — Einzelne Exemplare der palästinensischen Orangen erreichen ein Gewicht von drei Viertel Pfund. — Die Ackerbanschule der „All. Isr. Univ.“ bei Jaffa cultiöirt verschiedene Gattungen von Früchten; im verflossenen Jahre betrug da» Erträgniß derselben 1000 Pfund Sterling. (Ernest Renan) ließ seinen jüngsten Sohn eine Studienreise nach Palästina unternehmen. Unserer Jnrelligenz, dir ihre Söhne Knnstreisen nach Paris und Rom machen läßr, wäre eine Befolgung dieses Beispieles eines Nichtjudrn anzuempfehlen. (In Jaffa) versammelten sich am 3. und 4. Sivan einige hiesige angesehene Stammesgenoffen und solche aus Jerusalem bei Herrn Wissotzky, um über die Unterstützung der Colouisteu zu berathen. Di- Versammlung beschloß, vorläufig nur Leute, die schon in den Colonien angesiedrlt seien, zu unterstützen, keineswegs aber neue Colonisten in die Colonien auszunehmen. F-,n'r wurde beschlossen, den Leuten von Pethach Thikwah. eine Unterstützung von 10.000 Francs zu gewähren, abgesehen von der für die Colonie als Geiueinwesen »otbwcndigen Summe. Dem Vereine „Bilu“ wurde der Betrug von 3600 Rubeln bewilligt. — Sonntags darauf begab sich Herr Wissotzky nach Chaifa, um den Kauf von „Jessod Hamaaleh“ zu persiciren und diese Colonie nach Kräften zu unterstützen. (Wegen lleverfülle des Stoffes) kann der Ausweis über die eurgelaujenen Spendtir für den in Gründung stehenden Colonisationsverein „AcLmafcli Jesoliurum“ erst in nächster Nummer fortgesetzt werden. Literarisches. Von Heliopolis »ach Berti» oder: Die Verwan-tschast ferner Jahrhunderte. Eine historisch-kritische Paralelle vom Sradtrabbiuer Dr. S. L. Schwabacher in Odessa. 1885. — Der Verfasser behandelt Motive, Verlauf»»!) Wirkungen des Judenhasses aller Zeiten in einer äußerst packenden Form. Die Parallele zwischen dem Judenhaß der Pharaonen- und später der Ptolomäerzeit einerseits und de» Judenverfolgungen, sowie dem Antisemitismus der Neuzeit andererseits ist mrt bewrrnderswerther Genauigkeit, mit einem drastisch wirkenden Sarkasmus und geradezu oratorrscher Lebendigkeit gezogen. Von Heliopolis, der Residenz der Pharaonen, geht der Verfasser aus und gibt uns die Geschichte, die uns arrS dem 2. Buche Mosis bekannt ist, in einer Weise, daß der Leser trotz der egyptischen Namen Manetho, Tachpanches u. s. w. die Beziehung auf die Gegenwart sofort herausfindet und an der höchst geschickten Einkleidung moderner Verhältnisse in das düstere sphynxartige Wesen deS alten Egypterthunis sich ergötzen muß. Jahrhunderte läßt der Versaffcr vorbeistreichen und wir finden in dem gebildeten Alexandrien eine systematische judenfeindliche Theorie sich entwickeln, wir sehen dort einen Apion auftretkn — ganz so wie wieder zwei Jahrtausende später Berlin, d a S moderne Alexandrien, der Sitz des Katheder- und Tribünen-Antisemitismus wird und der Herr Hofprediger den alten Apioil imitirt. — Die inhaltsvolle Broschüre, die sich auch diirch eine kräftige und gleichnißreiche Sprache auszeichnet, schließt mit einem Ausdruck des Vertrauens auf den endlichen Sieg der Humanilät, womit wir freilich, nicht gleich dem geehrten Verfasse:, uns trösten könnei«. Die Juden sind zwar Idealisten, leben aber doch, wie alle anderen Mitmenschen, in der realen Welt und müssen sich daher gewöhnen, eine reale und praktische Rettung aus ihrem Jahrtausende alten Unglücke anzustreben. Dagegen ist für national gesinnte Juden eine Stelle dieser schätzbaren Broschüre geradezu unbezahlbar. An dieser läßt nämlich der Verfasser den Kriegsobersten Kassluach Paffrnssi, eine fingirte Person, die Verdächtigungen eines antisemitischen Oberpriesters bezüglich des famosen jüdischen Geheimbundes „Kalial‘: zurückweise», indem dieser eine Kahal-Organisation bei einem Stamme für unmöglich erklärt, wo „Alle zum Befehlen da sind, zum Gehorchen — Keiner, d. h. gegenüber den Stammesgenossen", wo sich Keiner für gut hält, sondern für „besser" und nicht für klug, sondern für „klüger" als den Anderen. La linguistique devoilee par B. I,evy- Bing, Paris 1883- Dieses Werk hat auf dem Gebiete der Sprachforschung eine Revolution hervorgebracht, indem es mit eminenter Gelehrsamkeit haarscharf den gemeinsamen Ursprung der indo-europäischen Sprachen vom Alt-Phö»icischen, welches mit dem Bibel-H bräisch ioeunsch ist, beweist. An diese überraschende Entdeckung knüpft der Verfasser das Project des Gebrauchs des Phönicischen als internationaler VeikehrSsprache neben den einzelnen Nationalsprachen. Uns interessirt natürlich zunächst die linguistische Entdeckung des gelehrten Verfassers nur vom nationaljüdischen Standpunkte, von dem ans betrachtet, sie als ein wichtiges Moment in der Frage der Sprechbarkeit der hebräljchen Sprache anzusehen ist. Wir werden auf dieses Werk, soweit es eben für Freunde des Hebräischen b.sonderes Interesse bietet, nach zurückkommen. Gingesendet. Die Leitung des „Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" ersucht uns um Aufnahme folgenden Aufrufes,- welchem Wunsche wir gerne nachkolninen. Stammesgenossen! Während Racenhaß und Religionsverhetzung sich die Hände reichen, um das Judenthum dem Untergange entgegenzuführe», herrschen im Innern desselben unverzeihlicher Jndifferentisnius und moralische Schwäche. Seine' eigenen Söhne, die Nachkommen jener edle», großen Männer, die für ihr Volk mit ihrem Leben eiutrateu, werden zu offenen Verräthern und geheimen Verleumdern ihres Stammes. Diese inneren Uebel sind es vor Allem, deren fernerem Umsichgreifen, soll das Judenthum der völligen Auflösung nicht anheimfallen, durch rasche Abhilfe und Eon-' solidirung der Kräfte ein mächtiges „Halt!" zugerusen werden muß. Wer anders aber hat eine größere Pflicht, diese hohe Aufgabe zu erfülle», als die gesammte jüdische Jugend, als die künftigen Träger und Repräsentanten des Judentbums? Diese Einsicht war es, welche eine Schaar jüdischer- Jünglinge verschiedenen Standes vereinigte, um durch geselliges Zusammenleben und geistiges Zusammenwirken auf

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