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Selbst-Emancipation · 1885-06-02 · Heft 9 (2.6.1885) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 9 (2.6.1885)
Date
1885-06-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Selbst -E mancipatio n! Nr. 9. sie unlängst wieder Rath gepflogen, um ein neues Hinderniß zu eisiimeu. Ist es nun nicht unsere heiligste Pflicht, diese Ucbelsquelle zu verstopfen? Sind den» diese Chaluka-Nehmer selbst wirklich gar so sehr zu verdammen? Hat man sic denn nicht seit Jahr und Tag gewöhnt, zahlreiche Gaben, die ihnen aus allen Welttheilen einfloßcn (nach einem Missionärsblatte 800.000 Piaster jährlich), euizucassiren und im Faulenzen ihre Tage zu verbringen? Wäre es nicht, da schon ein ungarisches (!) Rabbinat beschlossen hat, deu Chalukisten nicht mehr so in die Luft hinein Geld zu schicken, sondern ihnen Grund und Boden anzuschaffen, um einfür allemal für sie gesorgt zu haben, rathsam, dieses Beispiel zu befolgen und die Pionniere des Müßiggangs in Pionnirre der Arbeit umzuwandeln? Der Eiuwurf, daß sie dazu nicht verwendet werden können oder wollen, ist unhaltbar. Hört die Chaluka auf, dann gilt das Sprichwort : Noth bricht Eisen. Es sei also vorläufig die Aufgabe der Zionsfreunde, diese UnheilsqueUe für die Coloiiisationsidee, sei es durch Heranbildung der Kinder der Chalukisten zu tüchtigen Ackersleuten und Handwerkern, sei es durch Gründung einer speciell für diese Faulenzer bestimmten Colonie, zu verstopfen. A Melachi. (Sir Laurens Oliphant), der bekannte Freund der jüdischen Nation und unermüdliche Agitator für die jüdische Colonisirung Palästinas hat an unseiu Stammesgcnossen, Herrn Samuel Montag» in London ein Schreiben gerichtet, in welchem er mittheilt, daß die türkische Regierung noch immer der Colonisation Hindernisse in den Weg legt. Besonders feindselig tritt jedem Streben, in Galiläa oder Samarien Colonien aiizulegen, der Gouverneur von Syrien, ein fanatischer Mohamrdaner, entgegen. Ganz anders der Pascha von Jerusalem, Renf Pascha, der ein Judenfrennd ist und unseren Stammesgenossen wenig Schwierigkeiten bereitet. Auch Sir Oliphant räth, die einheimischen Juden zum Ackerbau zu verwenden, weil sie einerfeils an das Land gewöhnt sind, andererseits dadurch der Faulenzerei entzogen werden würden. Sir Oliphant glaubt, daß die Juden zur Arbeit anstellig sind und der Ackerbau unter ihren Händen gewiß Fortschritte machen würde, tadelt aber zugleich ihren Mangel an Subordinationssiun und ihre Zwietracht. (Besuch der Colonien.) Den beiden im heiligen Laiide mit Sehnsucht erwarteten Gästen Herrn Dr. Hermann Adler, Sohn und Stellvertreter des Chiefrabbi von England und Herrn Wisfotzky, Capitalist aus Moskau als Abgesandten der „Z>onsfreunde", wurde in den Colonien und in Jerusalem ein großartiger Empfang zu Theil. Hoffentlich wird man bald über wohlthärige Folgen dieser Besuche sprechen können. Vorläufig hat Herr Mssotzky an die Redaction des „Hameliz“ ein Schreiben gerichtet, worin er sich äußerst befriedigt über die Colonien ausspricht. Als besonders vielversprechend rühmte er -Ekron und ßiscbon Lezion. Ununterbrochene materielle Unterstützung aber und geregeltes Borgeheu seien zum Gelingen des Colonisationsplanes nothwendig. (Aus Saffed) lvird gemeldet, daß Herr Schulmann, der bekanntlich besonders eifrig für der Verwendung einheimischer Inden zum Ackerbau in Palästina agitirt, einen Fei man des Sultans erhalten hat, worin für den Fall, daß 500 jüdische einheimische Familien Ackerbauer werden, diesen der nothwcnbige Boden umsonst und auf immer steuerfrei versprochen wird. (Tic Colonie Samariu) wiid auf Anordnung des bekantnen Wohlthäters einen anderen Namen erhalten. Sie soll nämlich von nun an Sickron Jakob zum Andenken an den verewigten Vater des Erhalters der Colonie heißen. Mau ersieht daraus, wie sehr letzterem die Sache der Colonisation am Herz-n liegt, „Ilazewi“ wünscht nur aus sprachlichen Gründen Lsbb statt Liostrcm Jakob. . (Eine erfreuliche Thatfache) ist es. daß „Tb« Jewisb World“ in London, eine der größten jüdischen Zeitungen der Welt, sich mit der Palästina-Idee ernstlich zu beschäftigen anfängt. „Tsts Jewisb World“ bringt in einer seiner letzten Nummern einen Mahnruf eines gewissen Herrn Blumkin an die britischen Inden, in welchem er das „mosaische Germanen-, Franzosenitnd Engländerthum" einer strenge» Kritik unterzieht und die Juden Englands auffordert, mit N a t i o n a l s i n n die Ackerbau-Colonisation unseres Ahnenlandes zu unterstützen. (Der Palästina-Colonisationsvereinin Nerv-Aork)^ der im vergangenen Tischri gegründet wurde, macht immer größere Fortschritte. Seine Mitgliederzahl beträgt jetzt gegen huudertundvierzig. Es ist dies der erste Verein dieser Art in der neuen Welt. (In Hamburg) wurde am Lag B’Omer ein Palästina- Colonisationsverein gegründet. Sind auch die Anfänge klein, so ist doch Aussicht-auf dessen Gedeihen vorhanden. (Tie Metamorphose einer Zeitungsnotiz.) Wir entnehmen dem „Hameliz" folgende interessante Zuiaminenstellu.ig: „In der Jerusalemer hebe. Zeitschrift „Hazewi" vom 6. März l. I. war zu lesen: Zwei Colonisteii-Familieii in Pelhach Tikwah verließe» neulich^ diese Colonie und kehrien in ihre Heimat zurück. Die eine ist die des wohlhabende» Secw Wolfsohn. Dieser Mann war dab im Besitzer eines Wirkwaarengcicyäfle-, und seine Frau, die Tochier einer Rabbineriamilie, ein Biederweib, überm rchte den Gang des Geschäftes. Da wurden sie plötzlich des Krämerlebens überdrüssig »ud beschlossen, die Waaren mit dem Pfluge zu vertauschen. Aber sie glaubten nur die Gerälhe wechseln znmüffeu und nicht die Art ihr.s Gebrauches, sie dachten den Pflug gleich der E,e zwljcheu lhr.n zarten, vehaiidschuhteu Fingern halten zu föiimtt. N ich ihrer Meinung foimt'U sie weiter geräumig wohn?» uns ein vequemes Leben führen, wie früher. Uud nicht bloß ihre Lebensw-ge, auch die Lnfr ihrer Stadt glaubten sie ani ihrem schiffe ivegfiihreu zu könne». So kauften sie also vor zwei Jahre, in Peihach Tikwah vier Plätze um HO Napoleons und ließen, während sie noch daheim waren, m der Colonie ein großes Haus bauen, das sie auf 360 Napoleons z-., stehen kam. Am Ende des Jahres 5644 Übersiedelteil sie in ihr neues Besitzthnin. Als sie aber kamen und sahen, daß die Luft ihrer Heimat, die sie in ihren Kästen mitnehmen zu köniieil glaubten, verschwunden und eine andere, ungewöhiue an ihre Stelle getreten war. daß ferner die Speisen und Leckerbissen dieses Landes nicht so trefflich waren, als die des Landes, andet» sie kamen, und daß überhaupt das Leben eines Ackerbauers in Allem und Jedem van dein eines Geschäftsmannes abweiche, da mißfiel ihnen das Ganze mo sic kehrien in ihre Heimat zu ihren Herrlichkeiten zurück. Die zweite Familie ist die des Herrn Michael Maggid, der zu Hause ein Geschäft von S,eiiischneide-Arbeiten hatte. Ec besaß ein Vermögen von 1000 Rubel und 10 Kinder. Herr Maggid kaafle ei» Grundstnck um den Preis von 300 Rubel, 400 Rubel gingen auf der Reise auf; mit 300 Rubel kam er hieher, nach kurzer Zeit waren auch diese verzehrt. Der Mann war schwächlich, zur Arbeit ungeeignet, die Söhne, erst aus der Schule gekommen, desgleichen. ^Als nun 'von Auswärts Unterstützung kam, verpfändete er sein Feld, nahm 250 Rubel und kehrte nach Hanse zurück. — Noch zwei begüterte Familien sind in Pelhach Tikwah. Die eine ist >ie Fai-nUe des geachteten, wohlhabendeä Herrn Schäkel, die sich^a», das- Bauernleben gewöhnt hat, und diezweite die des Herrn I. S. Bürge r, die sich noch in Europa an Strapazen gewöhnt hac und das Land nicht verlasse» wird." Aus diesem Bericht hat die „Israelitische Wochenschrift" (mosaisch-deutsch) vom 23. April l. I. folgende Notiz gemacht: „Von Pelhach Tikwah kehrten zwei Familien nach Europ» zurück Die reichere von ihnen konnte sich an das Landleben nicht gewöhnen und zahlte 10.000 Mark für das Vergnügen, zwei Zahle unter den Colonistkn zu weilen; diezweile war mit Kindern gesegnet, aber es mangelte ihr an Geld und Kraft." Der „W.osobod" (mosaisch-russisch) vom 3. Mai l. I. hat daraus Folgendes gemacht: „Die „Jsr. Wochenschrifi" theilt mit, daß die Ausgewandcrren anfaugen, allmälig in ihr Vaterland Jüngst kehrten aus der Colonie Pelhach Tikwah zwei nach Palästina zurückzukeh reu. Famitien nach

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