Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 9 (2.6.1885)
- Date
- 1885-06-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Selbst-Emancipation! wird diese zu finden sein?" Diese Frage stellt der „Je- , schurun" auf und bittet die Brüder „ah und fern ’t-t i Antwort; er selbst weiß keinen Rath. Freilich wird r t ColonisationSbewegung in diesem streng-orthodoxen Bls beinahe todtgeschwiegen. Dürfen wir den „Jeschurun" dakt.Ä' erinnern, daß auch die Aiisiedlung kn Ercz Israel zu den Mizwoth gehört? Beileibe, daran dürfen wir ihn nicht mahnen, denn er ist zwar sehr religiös, aber nebstbei durch und durch deutsch-national. — Orthodoxe Assimilanten! Wie komisch und wie kurzstcbtig! Uns kommt da immer die seinerzeit auf der Wiener Technik cursirende Mähre von dem s ch w a r z-r o 1 h-g o l d e n e n „L e i bz u d e ck e I" in den Sinn. — Ebenso wie aus Hannover wurden dreißig jüdische, aus Rußland stammende, Familien ans Posen ausgewiesen und dasselbe Geschick ereilte den Rabbiners) Marmorstein in Schildberg (Prov. Posen). (Auch ein Wohlthätigkcitsact.) Wie die in London erscheinende „Zukunft" meldet, haben LvndonrrJuden für den Bau einer Kirche in Picadilly den Betrag von 4500 Pfund Sterling gespendete — Es ist schön und entspricht ganz einem geläuterten Wohlthätigkeitssinn, wenn man bei Austheilung milder Gaben auf Nationalität und Neligiou nicht achtet. Kranken und armen Menschen muß geholfen werden, mögen sie welcher Rare immer angehören, in welcher Weise immer zur Gottheit beten. Doch den Bau einer Kirche wird ja kein Mensch zu den Acten reiner Humanität zählen, ebenso wenig wie den Bau einer Synagoge. Und da ist es doch geradezu empörend uud zeigt von einer fabelhaften Verhärtung gegeu die Leiden des eigenen Stammes, wenn man nahezu 60,000 fl. für den Bau einer Kirche aufwendct. während Hunderttausende Brüder verschmachten. WaS könnte nicht mit 60,000 fl. auf dem Boden unserer Ahnen bewerkstelligt werden! — Wir haben in einer der letzten Nummern gegeu de» Luxus in Synagogenbauteu geeifert und ahnten nicht, daß wir noch genöthigt sein würden, unseren Stammesgenossen auch den Luxus in Kirchenbauten vorzuwerfen. (Rumänisch.) Der Senat hat eine große Anzahl von Naturalisatiosgemchen, welche von Personen der verschiedensten Nationalitäten herrühren, im bejahenden Sinne erledigt; nur eines, nemlich das des Juden Dr. Leo Rosenthal, wurde abschlägig beschieden. — In Do roh oi hat die Polizei den Juden die gewöhnliche Huttra.(: verboten und ihnen eine schändliche aufgezwungen. Auf Wochenmärkten dürfen sie erst nach 12 Uhr eiukaufen. Die Regierung erwiderte auf die diesbezügliche Beschwerde der Juden, jede Stadt habe das Recht, ihre Marktordnung cinzurichten, wie sie wolle. (Druckfehlerberichtignng) In der vorigen Nummer soll cs in der Rubrik Chronik Rowno (Volyynien) statt Kowno heißen. Korrespondenzen. Tarnow. Nach einer Meldung der „Ojczyzna“ vom 15. Mai sollen die Tarnower Israeliten die Erinnerung an die Constitution vom 3. Mai 1793 dadurch würdig gefeiert haben, daß ein Mitglied der Tarnower L e s ehalle für die isr. Handelsjugend vor einem zahlreichen Publicum einen schönen Vortrag „über die Constitution vom 3. Mai" hielt. Nun verhält sich die Sache in Wirklichkeit ein wenig anders. Es wurde in der That eine Vorlesung für de» 10. Mai angekündigt. Diese konnte aber aus dem einfachen Grunde nicht zu Stande kommen, weil sich nur 5, sage fünf, ohnehin täglich im Locale der Lesehalle erscheinende, Zuhörer einfanden. In Folge dessen sah sich der Praelegent gezwungen, die Vorlesung auf den folgenden Samstag (16. Mai) zu verlegen und die Mitglieder durch ihre Unterschriften förmlich zu ’ erpflichten, bei der Vorlesung zu erscheine». So brachte man die große Zahl von zwanzig Zuhörern zusammen, von deinen der kleinste Theil das Thema verstand, die Uebrigen aber mit ziemlich verdutzten Gesichtern dasaßen. — Ja, die löbliche „Ojczyzna“ hat ihr eigenes Glas, durch welches sie in die Welt hineinschaut. Eine ähnliche optische Täuschung mochte sie auch einmal höchst erbaut ausrufen lassen, „daß in nächster Zukunft die Kadimahner in Galizien keine Scholle Erde mehr für ihre Saaten stnden werden". Was Tarnow anbelangt, so kann ich die „Ojczyzna“ versichern, daß hier für die jüdisch-nationale Idee der Boden noch sehr fruchtbar ist. Die Tarnower Jugend ist noch nicht assimilatorisch dressirt. g—d. Lrez Israel. Wien 1885. Mit Freuden entnehme ich Ihrem geschätzten Blatte die frohe Nachricht, daß auch in der Residenzstadt Oesterreichs an die Gründung eines Vereines zur Förderung der Cotonisation Palästinas geschritten wird. — Bei dieser Gelegenheit wäre es gut, auf die neuerdings wieder ertönenden Klagerufe der Zionsf e i n d e zu antworten. Es werden Erlässe der h. Pforte ältesten Datums aufgetischt, es wird von einem bodenlosen Elend der armen, von den Netzen der anglikanischen Missionäre umstrickten Inden erzählt. Um itnsere Gegner einfür allemal zum Schweigen z»l bringen, um ihnen ihre mit bloßer Unwahrheit geladenen Waffen zu entreißen, werde ich mir erlaube», wahrheitsgetreu den Sachbestand zu schildern, und vielleicht gelingt es mir hiemit, Mittel an die Hand zu schassen, um die Wirkung des jämmerlichen Gezetters der Antinationalen zu parälhsiren. Bon den 25.000—30.000 Juden, die jetzt in Palästina wohnen, ist ja bekannt, daß beinahe die größere Hülste derselben von der Chaluka lebt. Der Müßiggang hat unter diesen der Arbeit entwöhnten Leuten tiefe Wurzel gefaßt, so daß Alt und Jung, Mann und Weib im Nichtsthun ihre Tage vergeuden. Diese Faulenzer schrecken nun vor keinem Mittel zurück, wenn es sich um die Unterdrückung der Colonisationsidce handelt, in der tbeilweise begründeten Furcht, daß dadurch ihr bisheriges Einkommen geschmälert werden, oder sogar einzufließcn ganz aufhören könnte. So erlebten wir es im abgclaufenen Jahre, daß ne durch nichtswürdige Deirunciationcn die Aufmerksamkeit der h. Pforte auf die ColonisationSbewegung lenkten, die sich veranlaßt sah, den Colonisten bedeutende Hindernisse in den Weg zu legen. In Folge dessen singen die entmuthigten Zionsfreunde bereits an, an irgend einem Erfolg zu zweifeln. * Doch Dank den thätigen Bemühungen und Aufklärungen seitens bekannter Persönlichkeiten und der judenfreundlichen Gesinnung des bekannten Paschas und andere r türkischer Würdenträger, die in die Commission zur Eurscheidung dieser Frage eingesetzt wurden, gelang es. so manche, wenn auch nicht alle Hindernisse aus dem Wege zu schaffen. Nachdem nun die Müßiggänger mit dieser Operation theilweise Unglück gehabt haben, sind sie nun bemüht, durch inspirirte und sachunkundige Zeitschriften oder durch ihre Boten (Scheluckim), die sie nach allen Richtungen hin versenden, Palästina als das unfruchtbarste Land auf Erden darzustellen, Elend und unvermeidliches Zugrundegehen aller Colonisten vorherzuiagen und die Gefahren durch die Missionäre in den grellsten Farben zu schildern. Wie ein Zionsfrennd aus Jerusalem meldet, haben