Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 9 (2.6.1885)
- Date
- 1885-06-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Selbst-Emancipation! Seite 7 'Europa zurück, die mit 50.000 Rubel nach Palästina gekommen waren und gänzlich unbemittelt herauszogen." Der „Israslita" (mosaisch-polnisch) macht es am schönsten. Er sagt in seiner Nummer vom 8. Mai 1885: „Aus Palästina berichtet man, daß sich die jüdischen Colonien in einer fürchterlichen Lage befinde». Die aus Jerusalem selbst kommenden hebr. Schreiben lassen erkennen, daß der Colonisationsgedanke eitel und unausführbar sei, und warnen die Juden Europas, sich nicht auf die wüsten Wege verleiten zu lasten, die ihnen die Nationalen und ihre Zeitschriften zeigen. Die Auswanderer glauben selbst, daß sie einen trügerischen Traum gehabt haben und kehren allmälig zurück. Die „Israel. Wochenschrift" meldet, daß jüngst zwei Familien aus Pethach Tickway n,ch Europa zurückkehrten, die mit 50.000 Rubel hingekomme» waren und nun mit Nichts fortziehen." (Abgetrumpft.) Die Hrrren Antisemiten haben manchmal groteske Einfälle. So fiel es einem derselben ein, selbst in Palästina — dem einstigen Juden»eiche — von Juden absolut nichts wissen 'zu wollen. Letzthin wünschte nämlich ein Jünger Stöckers von Jaffa nach Jerusalem zu fahren, verlangte aber bei dieser Gelegenheit, daß weder Kutscher noch Paffagiere Juden seien. Der in dieser Richtung angegangene Beamte verneigte sich höflich und sagte: „Ich bedaure lebhaft, Ihrem Wunsche, mem Herr, nicht Nachkommen zu können. Es sei denn, daß es Ihnen genügt, daß die Rosse — keine Juden sind. Literarisches. („Haseliacliar“.) Herr Jehudah (Leon) Smolensky, Bruder des verewigten großen Perez Smolensky gibt die Zeitschrift „Haschachar“ weiter heraus und zwar zu Gunsten der Hinterbliebenen seines Bruders. Das vorliegende Heft ist gut redigirt. Der Redacteur verspricht auch, nachgelassene Mannscripte seines Bruders, deren es eine ziemliche Anzahl gibt, zu veröffentlichen. Jeder Verehrer des todten Perez - Smolensky wird gewiß nicht versäumen, den „Haschacliar“ weiterhin zu abonnircn. Die Adresse des Redacteurs ist: L. Smolensky, Wien, IX., Lichtensteinstraße Rr. 21. („ülizpah“.) Das erste Heft dieser illustrirten hebräischen Zeitschrift, von der wir bereits in Nr. 6 unseres Blattes gesprochen haben, wird im Monate Tischri er- .scheinen. Lingesendet. Lemberg, Mai 1885. Euer Wohlgeboren! Jeder aufrichtige Jude fühlt und weiß, wie vernachlässigt die Jugend seit einigen Decennie», betreffs der Religion, Bibelkeniitniß, hebräischen Sprache und jüdischen Wissenschaft geworden ist. — Diesem täglich mehr um sich greifenden Uebel äbzuhelfen, hat sich hier ein Verein unter dem Namen: „Niirra Kodesch“ gebildet, welcher von der hohen k. k. Statthalterei genehmigt wurde, worin Fachmänner in oben erwählen Gegenständen jedem Jünglinge von 13 Jahren (Lar Hizwah.) aufwärts, auch erwachsenen Leuten, einen täglichen Unterricht gratis ertheilen. Und da wir Ihr edles, warmfühlcndes Herz für jüdische Jntereffen zu kennen glauben, erbitten wir uns die Erlaubniß, Sie hochgeehrtester Herr, als Mitglied des obigen-Vereines aufnehmen zu dürfen. Ihre geehrte Antwort baldigst erwartend, zeichnen mit aller Hochachtung für den Verein „ückilcra Lodssolr" Lemberg Rad. Dr. Kodak stad. jur. Feld. Präsident. Administrator. Geehrte Zuschriften. Geld- und Bücherjpenden in allen Sprachen für die Vereinsbibliothek, sind zu richten an .Herrn: .Rabbiner Dr. I. K o b a k, Kazimirgaffe Nr. 17 in Lemberg. Auszug aus den Statuten. §. 7. Jedes ordentliche Mitglied leistet dem Vereine einen nonatlichen Beitrag von 25 kr. Jedes neu eintretende ordentliche Mitglied zahlt dem Vereine 1 fl. als Aufnahmstaxe. §. 18. Das Vereinsvermögen wird gebildet a) aus der Aufnahmstaxe, b) aus den monatlichen Beiträgen der ordentlichen Mitglieder, c) aus freiwilligen Spenden der Mitglieder und Privatpersonen. Nachtrag. Reichsrathswahlen in Wien und Nieder- Oesterreich. Antisemitische Candidaten traten auf im 2., 4. und 6. Bezirke Wiens. Im 6. Bezirke (Mariahilf) wurde Dr. Robert Pattai (deutsch-nationaler Antisemit) mit 1795 Stimmen gegen 1389 Stimmen für den liberalen Gegencandidaten Neuber gewählt. Im 2. B'zirke (Leopoldstadt) unterlag der Mechaniker Ernest Schneider (internationaler Antisemit) mit 1910 Stimmen gegen 2615 Stimmen für den liberalen Dr. Eduard Sueß. Im 4. Bezirke (Wieden) unterlagen die Antisemiten Hauck (deutsch-national) mit 1219 und Väth (international) mit 518 Stimmen gegen 1994 Stimmen für den liberalen Michael Matscheko. Die Vorgänge im 2. Bezirke (Leopoldstadt) spotteten jeder Beschreibung. Es kam zu blutige» Ereessen. Man begegnete überall einem grenzenlosen, fanatischen Hasse. In Niederösterreich wurde ebenfalls ein Antisemit gewählt: Im Städtewahlbezirke Bade n-M ö d l i n g-S ch w ech a t u. s. w. Gymnasialprofeffor Josef F i e g l (deutschnational). Briefkasten der Redaetiou. Herrn Az. Oelberg in 8. Schon wieder zn sehr gegen die bewußte Nalionalität geeifert, mußte daher gemäßigt werden. Wir begreifen in der That Ihre übergroße Animosität gegen diese Nation nicht; der wahre Jüdisch-Nationale maß. wie wir schon einwat hervorhoben, im Nationalitätenstreitc neutral sein, schon aus politischen Gründen. — Uebrigens war auch eine Kürzung nöthig, da sonst der Artik-l zu lang ausgefallen wäre. — Gesinnungsbrüderlichen Herrn H. Min B. Ihr letzter Artikel kann nicht zur Veröffentlichung gelangen, da dieses hochwichtige Thema einer eingehenderen Behandlung b darf nd mit mehr Begeisterung vorgetragen werde» muß. Uebrigens ist die Sprechberkeit oer hebr. Sprache ebenso wenig Utovie, als die Palastina-Jdee. Für die Möglichkeit der Erreichung dieses Zieles spr.chen praktische Versuche. Sie finden übrigens im „Uamaxick«, Jahrgang 188». eine Besprechung dieses Themas, wo aus die Belebung der irischen Sprache hingewiesen wir». Vielleicht dürfte es Sie auch iiueresslren zu ersuaren. aaß in Jerusalem ein Verein „T’chiath ha-aafah“ existirt. — Auf Ihre Anfrage antworten wir Ihnen dahin, daß Sie nach unserer Meinung nicht ohne Talent sind, doch sicherlich noch viel und gaie Lectüre brauchen und diese nicht flüchtig betreiben dürfen, wenn Ihre Arbeiten nicht zu leicht und oberflächlich sein sollen. Herrn I. P. in B. Die Mooificationen sind nicht nach unserem Wunsche ausgefallen; die Arbeit ist nicht sachlicher geworden, weshalb wir sie nicht verwerihen können. Uebrigens können Sie Ihr vorsichtigs „vielmehr Glaubensgenossen" bei für uns bestimmten Artikeln aus dem Spiele lasten; überhaupt müffe» Sie sich gewöhne», wenn Sie für uns schreiben wollen, die Dinge vom nationalen Standpunkte aufzufaffen. Können Sie das vermöge t Ihrer Ueberzeugniig nicht, so bitten sich an assimilatorische Zeitschriften zu wenden. s Herr» Dr. R. Bin Blasotynce. Brief und „llamaziä- I ja hoffentlich erhalten. — Herzlichsten Dank! — Wir bekoinmeu doch bald wieder etwas? Jüdisch-nationalen Gruß! Herrn H. ffi. in «. Läßt sich nicht durchführen, weil diese Antworten nicht mit Bestimmtheit ertheilt werden könne». Stellen