Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 8 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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S e! b st - E »I a n c i p a t i o n! Nr. 8. than; eine Untersuchungs-Commission ist ernannt worden, um sich nach Demnat zu begeben und einen ausführlichen Bericht über diese Angelegenheit abzufassen. (Lorrespondenzen. Lemberg. Herr Rabb. Dr. Bloch, der hier einige Tage weilte, war der Gegenstand herzlicher Ovationen. Man drängte sich an diesen Mann, dem unter anderen, das nennenswerlheste Verdienst gebührt, den Nohling'schen Angriffen die Spitze gebothen zu haben, heran, um ihm für sein warmes und mannhaftes Eintreten im Reichsrathe für unsere heilige, jüdische Sache persönlich zn danken. Herr Rabb. Dr. Bloch beehrte den jüdisch-nationalen Verein „NUrra Kodesch“ mit einem Besuche und ermunterte die Jugend mit begeisterten Worten zur Wahrung der nationalen Idee. Bei dieser Gelegenheit kam gedachter Verein einer schon längst abzutragenden Schuid nach, indem er auf Antrag des Präses, Herrn Rabb. Dr. Kobak den Herrn Rabb. Dr. Bloch zum Ehrenmitgliede des Vereines „Mitr.i Hodesch“ ernannte. Herr Dr. Bloch dankte in einer längeren, ausgezeichneten, überaus zündendcii Rede für die ihm erwiesene Ehre und erklärte sich zum Schluffe, dem Ansuchen der Vereinsmitglieder Folge leistend, bereit, zu Gunsten des Vereines eine Vorlesung zu halten. — Von Lemberg aus begab sich Herr Dr. Bloch in seinen Wahlbezirk, um den Wählern den Rechenschaftbericht über seine Thätigkeit im Reichsrathe abzustatten. Es ist voransznsehen, daß unsere Stammesbrüder in Kolomea, Bnczacz und Sniatyn dem Rabb. Dr. Bloch auch fernerhin ihre-Sympathien bewahren und sich nicht darauf einlassen werden, den ewigen Contra-Candidaten, Herrn Dr. Byk zn wählen. Srez Israel. Die (Lolonisation Palästina^?'') Aas Geuietnem ist der Mensch gemachi Und die Gewohnheit nennt er seine Aniinc. Weh' dem, der an dem würdig a,t.» Hau-ruth Ihm rührt, das thcure Erbstück seiner Ahne». (Schiller'- Wallenstein). Ja wahrlich, wie schwer hält es doch, daß eine neue Idee sich Bahn bricht; wie schwer, sich von alten lieb» gewordenen Norstellungen loszureißen und dem Besseren zu huldigen, alte Gcwohnheiten aufzugeben, wenn sie auch als nachtheilig erkannt sind. Die Colonisation Palästina's durch Juden ist für die Meisten eine neue, für Viele eine lächerliche Idee, fast so lächerlich i» ihren Augen, wie der Plan des Columbus, westwärts zu fahren, in den Augen seiner Zeitgcnoffen. Aber man muß stch mit der allen Erfahrung trösten, daß gerade die besten und heilsamsten Ideen, wenn sie zum ersten M a l e ausges p r o ch e n w e r d e ii, d i e m r i st e n G e g n e r h a b e ». TheilS aus Beschränktheit, weil man die Vorzüge der neuen Idee nicht begreifen kann, theils aus Bequemlichkeit, weil es angenehmer ist, in den alten ausgesah,e»c» Geleisen weiter zn treiben, theils aus Vorurtheil, alles. Neue ungepiüft zu verwerfen, betrachten heilte noch Tausende unserer Mitbrüder den Plan, das Land unserer Väter durch deren Söhne auf's Neue zu colonisiien, als die Ausgebmt eines verbrannten Gehirns. Und doch weist gerade die Geschichte unserer Zeit mit unzweideutigem Fingerzeig darauf hin, *) Wir könnten jetzt, wo wir bei der Gründung eines Colonisationtvereincs in Wien angelangt sind, die Bedeutung der Palästina- Bewegung kaum bester hervorhebe», als durch Abdruck des obenstchciiden Artikels, den wir den Spendenverzeichniffe des Herrn Dr. Adolf Salvendi, Bez.-Ratb. in Dürkheim a. d. Haardi (Bayern) entnehmen. daß der einzige Weg des H iles für unsere niedergedrückten- Glaubeiisgenossen nur darin besteht, ihnen im Lande, ausdem sie stammen, ein neues Heim zn bereiten. Die Cultur des neunzehnten Jahrhunderts ist zn ohnmächtig, um den Einwohnern der osteuropäische» und nordafrikanischen Länoec zum Bewußtsein zu bringen, daß der Jude doch auch eiir menschliches Wesen ist, ansgestattet mit denselben Gefühlsorganen, empfindlich für Schmerz, Hunger und Mißhandlung, wie Christen irnd Miihamedaner, ein menschliches Wesen mit denselben Bedürfniffen wie Diejenigen, die sichin der Mehrheit befinden, kurz, daß der Jude ein Menichist und daß er als solcher beanspruchen darf, daß man ihn imbelästigt lässt, so lange er die Gesetze der Gesellschaft und des Landesi in dem er sich befindet, respectirt. Dasalles kanii der Barbar, der mit Turban bedeckte Marokkaner ebensowenig, wie der nach Pariser Mode gekleidete Rumäne, begreifen. Soll man warten, bis die Cnltnr sich durch russische, rumänische und marrokkanische Schabet Bahngebiochcn hat? Sollen inzwischen unsere armen Glaubensgenossen zu Hunderten und zu Tausenden dem Hnnger undden Mißhandlungen erliegen, und der Ueberrcst zu einer Horde Menschen herabsiuken. die durch de Verfolgungen und die Grausamkeit der Peiniger die menschliche. Würde . verlieren und in Armuth und Verzweiflung verkommen?" Nein, so weit darf es nicht kommen! Es giebt noch Jilden, die sich nicht damit begnüge», die armen Brüder zn bedanern, wenn sie in den Zeitniigen die haarsträubenden Berichte von den Gewaltacteu der Barbaren lesen, die sichnicht damit begnügen, einen oder mehrere Seufzer ausznstoßen und über diese Grausamkeiten zu schimpse», — es giebt Männer, — u n d ihre Zahl w ä ch st mit jedem Tage — die nicht nur das Herz auf dem rechten Flecke haben, sondern auch die Hand, und die>> haben angefangen den Weg zu bahnen, der. wenn Gott will,, ein Weg des H"les für die Unglücklicheii we-den soll. Die- Colonisation Palästina's durch Juden ist kein bloß'er Traumm e h r, die Idee hat bereits greifbare Gestalt angenommen, es existiien schon Cowiiicn. Es giebtferner Tausende von Juden, die vereirsind, C o l o n i st e n im h e-i l i n e » Lande werden, —mir müssen sie in den Stand gesetzt werden,, sich einige Jahre zu erhalt n, ohne von dem Ertrage der Colonie selbst abhängig zn sein; denn cs vergehen beijeder neuen Colonie einige Jahre, ja, maiichiiial ein ganzes Jahrzehnt und mehr, bis die Colonisten von dem Ertrage der Colonie allein ohne Mangel leben können. Die württembergischen **) Colonisten in Palästina, die heute in so glänzenden Verhältnissen leben, mußten fünfzehn Jahre lang von ihrer Heimath aus unterstützt werden, bis sie,, wie man sagt, ans eigenen Füßen stehen konnten. Man glaube also nicht, daß es gnriigt, den armen Juden rin Stück Land anznweisen, —nein, wahrlich nicht; es genügtauch nicht, daß sie Wohnungen für sich und ihr Vieh haben,. — sie müssen einige Jahre unterhalten werden,, wie die- Colonisten auf Samarin und anderen Colonien von dem edeldenkenden Menschenfreunde in Paris thatsächlich unterstützt werden, bis sie die Bearbeitung des Bodens erlernt und denselben urbar gemacht haben werden. Wem das Wohl Jsi aels am Herzen liegt, steuere bei,- den e r h a b e n st e n. a l l e r P l ä n e für b i c Z »- k u n f t n n s e r e s Volkes zur Ausführung bringen zu -Helsen. Palästina ist das einzige Land, wohin die armenjüdischen Flüchtlinge dirigirt werden können. Amerika, dassonst so gastfreundlich, schließt seine Pforten den unbemittelten Auswanderern. Wohin sollen diese Ver-- triebeneu? Es giebt nur eine Antwort. Es muß möglichgemacht werden, daß diejenigen Juden, die durch die Intoleranz der osteuropäischen Länder vaterlandslos geworden-, sind, ein neues Vaterland im Lande ihrer' **) christlichen.