Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 8 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Sir. 8 Sel b st- Emancip ati on! S'-itr 7 -Väter finden; Palästina muß durch Juden colouisirt werden. Gelingt dieses, jo ist wahrlich viel geschaffen; nicht nur wäre die Frage gelöst, was mit de» armen Vertriebenen aus in vielen Landern werden soll, nicht nur wäre der Verläumdung, als ob die Juden arbeitsscheu wären, ein Ende gemacht, es wäre dann auch die F^age gelöst, was aus den Tausenden von armen Juden, die in ^Jerusalem und sonst in Palästina wohnen und alle von Almosen leben, werden soll. Sie würden nützliche Mitglieder der Gesellschaft werden und nicht mehr auf das bittere und kärgliche Brod der „Chalukah", das ohnehin mit jedem .Jahre knapper wird, angewiesen sein. (Palüstina-ColouisatioilS Verein in Wien.) Dieser Äerein, au dessen Gründung soeben gearbeitet wird, wird den Nanien „Admatli Jeschur un“ (Erde Jeschuruns) führen. Um einen Massenbeilritt zu erzielen, haben sich die Gründer dahin geeinigt, daß d r Minimalbeilrag von ÄO Kreuzer monatlich zur Mitgliedschaft berechtige. Bis letzt sind bei 40 Beitrittserklärungen er'vlgt. Die ur der vorigen Nummer unseres Blattes gemachte Anreglliig betreffs der Einsendung von Spenden für einen Gründungsfond war von Erfolg begleitet; wir bitten das geehrte Lesepublicum auch fernerhin Ihr Schärflein zu dem edlen Werke oeizutragen. — Eingesandt haben: Leo Kohau 2 fl., .Unter „Jehuda Makkabi“ 2 fl. 90 kr, M. Schuirer 1 fl., Philipp Fischler 25 kr., Aba Fischler 50 kr., Kopelowitz 20 kr., Sal. Eigner 40 kr.. M. B. 10 kr.. Äs. Seinfeld 20 kr., Dr. Wildeiniann 1 fl, Jcrnflba.ini 50 kr., N- N. 20 kr., N. B. unter dem Motto: „Die Wacht am Jordan" 50 kr., Jac. Kopelowitz 10 kr., M. Schapira 10 kr.. Abr. Salz 25 kr., X. I. 20 kr., Ergebniß diverser Sammlungen 60 kr., Oskar Bretholz 25, kr., Drei. Schüler der ersten Ghmnasialclasse in Wien unter dem Motto: „Indische Knaben, die einst jüdische Männer werden wollen" 50 kr., Israel Heimberg in Drvhobhcz 2 fl., Moses Horn 25 kr. (Colouie Itischou Xiczion.) Nach dein Urtheile von Sachverständigen gibt es in der ganzen Umgebung von Jaffa keine Welnpflanzungen, die mit denen von Rischon Lezion den Vergleich aushalten können. Seit drei Jahren — so lange b. steht die Colonie — wurden auf einem Areale von 40 Hektar 200.000 Weinstöcke gepflanzt. Vor dem Peßachfest wurde die Anlage des Gartens beendet, in welchem die Colonisten 600 Obstbäumen und zwar Citronen-, Orangen- und Ethrogbäume gepflanzt haben. Zur Wässerung des Terrains grub man einen großen Teich, in den das Wasser durch Rohre vom Brunnen der Colonie hergeleitet wird. Von diesem Teiche zieht sich nun ein 240 Meter .langer, 1 Meter hoher und % Meter breiter Canal hin, der, ans Steinen gebaut, die Gestalt einer niedrigen Mauer hat und von diesem Canale gehen wieder kleine Abflüsse durch die einzelnen Baumreihen, zwischen welchen allerlei Gewächse angebaut sind. — Die Viehzucht in dieser Colonie inacht immer größere Fortschritte. Herr O s s i w e tz k y, der von dem bekannten Pariser Wohlthäler angestellte .Leiter der Colonie, hat vor dem Peßächseste die Colonisten veranlaßt, drei Männer für die Geichäflssührung der Gemeinde zu erwählen, auch verlangte er, daß zweimal im Monate eine Plenarversammlung der ganzen Gemeinde ad-, gehalten werde. Leider dürfte diese schöne Institution keinen Bestand haben, da der in Rischon Lezion so beliebte -Herr Ofsiwetzky nächstens seinen Posten verlassen wird, um die Leitung der Colonie Ekron zu übernehmen. (In der Colouie Rösch Piuali) wurde das Territorium vertheilt und zwar 5 Hektare für jede Familie. Der Häuserbau ist vollendet; für Synagoge, Schule und Mikwah -wird jetzt ein dreistöckiges Gebäude errichtet. (Aller-Liebe Müh' Umsonst.) Von den Juden, die -durch die süßen Worte der Missionäre nach „Artus", einer von letzteren gegründeten Colonie, gelockt wurden, sind bereits sieben Familien nach Jerusalem zurückgekehrt, sobald die Herren von der Mission ihr wahres Gesicht zeigten. Diese Leute leben natürlich jetzt in Hunger und Elend; aber sie wollen lieber körperlich zu Grunde gehen, als ihren Glauben um Brod verkaufen. Dringende Hilfe wäre noihwendig; bse Braven könnten gewiß als Colonisten in irgend einer Colonie verwendet werden. (Der Verein „.tgudath Achim“ in London*) nahm im vergangenen Monate den Bericht des Herrn Nissim Behar über die Alliance-Schule in Jerusalem entgegen. Der wesentliche Inhalt des Referats war folgender: Die Schule, welche auf die Inden in Jerusalem sehr wohltbätig einwirkt, ist im steten Wachsthnme begriffen; das Schullocal umfaßt gegenwärtig 120 Schüler, darunter 72 Lehrlinge, die als Schlosser, Schneider, Buchbinder, Holzichnitzer ilnd Schmiede ausgebildet werden. Jetzt ist hauptsächlich auf Erweiterung der Räumlichkeiten Bedacht zn nehmen, wozu jedoch die Geldmittel (ca. 2000 Frcs.) fehlen. Das Mansion-House-Comitc beschloß, für die russischen Jünglinge -zu diesem Zwecke 500 Frcs. zu spenden, wenn von anderer Seite die gleiche Summe gezeichnet werde. Auch zur Anschaffung von Maschinen fehlen circa 500 Frcs. Deshalb stellte Herr Behar an den Verein das Ansuchen, die Schule mit einer jährlichen Subvention von inindesteus 300 Frcs. zu bedenken und bat ferner, einen tüchtigen Schlosser aus England zur Verfügung zu stellen, an dessen Stelle daun nach drei Jahren einer der Schüler treten könnte. Der Vereinsvertreter erwiderte, daß die jüdische» Gemeinden Australiens, welche bisher dem jüdischen Sendboten aus Jerusalem die dahin bestimmten Gelder übergaben. dieselben von nun an dem Vereine „Agudath Achim“ zuwenden werden, wodurch es diesem möglich sein werde, die Alliance-Schule kräftigst zu unterstützen. Die Versammlung beschloß, bei der Executiv-Commission des Vereins das Weitere zn veranlassen. — Herr Behar zeigte dann noch die verschiedenen Arbeiten aus O'.iv'ttholz, welche die Zöglinge der Alliance-Schule geliefert hatte». Die Arbeiten fanden allgemeinen Beiiall uiib Herr Behar bekam verschiedene Aufträge von mehrere» Kanfleuten, ähnliche Gegenstände ihnen zu liefern. (Bezüglich Henry Brasseur's). der im „Wiener Israelit", wie rv r bereits meldeten, die Colonifations- Bestrebungen verdächtigte, erinnert der „Hameliz“ an einen Artikel dieses Blattes vor zwei Jahren (1833, Nr. 70), in dem über dieses Snbject gar lohnende Aufklärungen gegeben werden. Dieser Mensch war Leiter der Colonie „Samarin“ zur Zeit ihrer Gründung und hat sie durch sein Gebühren damals dem Untergange nahe gebracht. „Hamelir“ müßte aus verläßlicher Quelle so Manches von dem Charakter dieses Jndividuunis zu erzählen, hält es aber nicht einer längeren Besprechung für würdig. (Ein neuer ßolonisatious-Berein) hat sich in T r i d i g a r (England) auf Anregung des Mr. Eduard W. Wailes, euies durch seine judenfreundliche Gesinnung bekannteil Christen gebildet. Präsident des neuen Vereines ist Herr Salomo» Rosenbaum, Secretär Herr A. D. Rozowsky. (Die türkische Regierung) nimmt seit einiger Zeit die Verbesserung der palästiiränsischen Verkchrsstraßen in anerkeilnensweriher Weise in Angriff. Von der Erbauung einer Jordanbrücke wurde schon in einer der frühcru Nummern berichtet; dieselbe ist nach amerikanischem Systeme aus Holz erbaut und hat eine Länge von 42, eine Breite von 3 Metern. — In Kurzem will auch, wie verlautet, die Regierung eine gepflasterte Straße von Jerusalem nach Jericho *) „Lehawdil“ von dem gleichnamigen Verein in Lemberg. Änm. d. Red.