Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 8 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Selbst-E mancipatio»! 5 dazu da, um unsere Bestrebungen bei den Polen zu verdächtigen. Es ist kaum noch nöthig zu betonen, daß der in De utsch thuw machende Jude vou Brody und der vom P o l e n t h u m besessene Jude von Lemberg dasselbe Lächeln des Bedauerns uns entlocken. Wenn wir uns vielleicht mit Herren ala Dr. Byck und Dr. Warschauer etwas mehr befassen, als niit solchen als. Dr. Jaqucs und Dr. Friedjung, so ist das nur dem Umstande zuzuschreiben, weil wir in Galizien, wo die Assimilation erst neueren Datums ist, früher an's Ziel zu kommen hoffen, als in deutschen Gegenden, wo das Gift der Assimilatiou tief in den jüdischen Volksorganismus eingedrungen ist. Wenn wir mit den Herren „Agudianern" fertig geworden sein werden, werden wir uns auch etwas lebhafter an die „Inden- Deutschen" machen., Das zur Beruhigung der-löblichen „Ojczyzna“. (Die Fabrik des Antisemitismus.) Herr Prof. Dr. Rohling hat ein ähnliches Ende erlebt wie Hawaii, freilich meinen wir das blos im moralischen Sinne. Gar merkwürdige Dinge sind ans Tageslicht gekommen. 'Dr. Justus reale Ahron Briemann hat aus der Untersuchungshaft an seinen Vertheidiger, den bekannten De. Friedrich Elbogen mehrere Briefe geschrieben, die sehr seltsame Enthüllungen enthalten : Heer Prof. Dr. Rohling nahm, wie sich jetzt herausstellt, Talmudlectionen bei Briemann. doch vergebens, denn der Herr Professor war nicht im Stande, sich die elementarsten Begriffe des Talmuds zu eigen zu machen. Die Lectionen wurden aufgegebeii. Justus fälschte nun lustig darauf los, Herr Prof. Dr. Rohling benützte die Fälschungen und beeilte sich dann, mit seinem Amtseide für das Vorkommen der gefälschten Stellen im Talmud, von dem er kein Wort versteht, einzutrcte»; das that er um der guten Sache willen, wie er sich in einem Briefe an Briemann ansdrückte. Herr Dr. Elbogen hat mehrere Originalschreiben des Dr. Prof. Rohling an seinen Fabriksleiter in Händen. (DaS südöstliche Rntzland) hat nach Angabe deS ruff. statistischen Central-Comitss die Zahl von 6.518.373 Einwohner; unter diesen befinden sich 1,048.235 Inden. In Kiew selbst leben nach Angabe des „Kiewljanin" 2248 jüdische Familienväter, von welchen 1800 einem Handwerke obliegen, 300 Aerzte, Juristen u. s. w. sind, 112 dem Kaufmannsstande angehören; 22 sind Besitzer von Schenken und 14 — leihen auf Zinsen. (Möge die Zahl der Letzteren auf Null zusammenschrumpfen!) (Der akademische Verein „Kadimah“) hielt am 2. Mai l. I. seine 5. ordentliche Plenarversammlung ab. Der Veremspräses, Herr Drd. rnedf Schalom Burg, gab am Beginne der Verfaminlung den Rechenschaftsbericht über die verflossene Amtszeit. Daraufhin ertheilte die Versammlung nahezu. einstimmig dem abtretenden Ausschüsse das Absolutorium, den Herren Burg, Salz und Heilpern wurde überdies mit Stimmeneinhelligkeit das Vertrauen für ihre aufopfernden Bemühungen vonrl. Sodann wurde zum zweiten Punkt der Tagesordnung. Neuwahlen, geschritten. Herr Burg hatte aus Rücksicht auf seine Ueberbürdung nicht weiter für die Präsesstelle candidirt. Gewählt wurden, nahezu einstimmig: zum Präses. Herr sind. gur. Nathan Birnbaum, zum Bicepräses Herr Drei. med. Schalom Burg, m den Ausschuß die Herren stud. ehern. Kleomen Kaplan (Schriftführer in hebr. Sprach.), 8t. zur. Abraham Salz (Schriftführer in deutscher Sprache), Drd med. Leo Kohan (Cassier), stud. ing. Aba Fischler (Bibliothekar), .stud. zur. Moses Heilpern (Zeitung-Verweser); einstimmig zu Ersatzmännern die Herren 8tud. ing. David Weltreich, stud. ing. Joachim Stolzenberg, stad. ing. Moies Horn, stud. med. Elias H. Billig; mit überwiegender Majorität zu Schiedsrichtern die Herren Drd. med. Philipp Fischler, stud. ing. Isidor Seinfeld, stud. med. Leo Caplan. — Die Fortsetzung der Statutenänderung fand in einer eigenen außerordentlichen Plenarversammlung am 16. d. M. statt, über die wir in nächster Nummer berichten werden. — Der Verein „Kadimali“ plant die Eröffnung eines unentgeltlichen Lehrcurses der hebräischen Sprache, worüber das Nähere nächstens bekannt gegeben werden wird. (Ein antisemitischer Wahlausrnf.) Anläßlich der im März d. I. stattgefundenen Gemeinderaths-Wahlen erließ der „Oesterreichische Reformverein" einen Wahlaufruf, in welchem, der antisemitische Candidat des dritten Bezirkes (Landstraße) empfohlen wurde. Den Aufruf, welcher von Dr. Pattai unterzeichnet und auf dem Cornelius Vetter als Verleger angegeben war, ereilte das Schicksal behördlicher Confiscatiou und Beschlagnahme. Die Staatsanwaltschaft zu Wien erhob außerdem gegen den Verleger des Aufrufes die Anklage wegen Vergehens gegen öffentliche Ruhe und Ordnung. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten, welcher als „Coryphäe" unter den Wiener Antisemiten bekannt ist, auf Grund des §. 302 zu einer Woche mit zwei Fasttagen verschärften Arrestes. (Ueber Rothschild). Der „Oesterreichische Volksfreund", das Organ der Wiener Antisemiten, erzählt, daß Baron Nathaniel von Rothschild laut Ausweis vom 5. Mai 1885 dem „Asylverein der Wiener Universität" 5, sage fünf Gulden spendete. Wir sind weit entfernt, uns zu Vertheidigern des Hauses Rochschild aufzuwerfen; aber so viel weiß ja alle Welt, daß Spenden der Rothschilde nicht klein zu sein pflegen und jedermann wird einsehen, daß in diesem Falle etwas Besonderes vorliegen müsse. Und so ist es auch. Wer die Verhältnisse an der Wiener Universität kennt, weiß, daß erwähnter Asylverein sehr stark nach Antisemitismus duftet. Also schade sogar um die 5 Gulden, die Baron Rothschild gegeben hat. lind jetzt fragen wir: Hätten wir nicht, wenn wir dem Beispiele der Aiuiscmiten folgen wollten ein Recht, zu sagen: „Diese, indogermanische Keckheit ist doch geradezu haarsträubend, zuerst beschimpft man und dann „beschuorrt" man noch de» Beschimpften?" Wir sagen das aber nicht, denn wir geueralisiren nicht so leicht; wir begnügen uns damit, von einer „antisemitischen Keckheit" zu sprechen. (Ans Kiew) wird gemeldet: „Das Kriegsgericht in K o w n o hat wegen der vor einigen Monaten dort stattgefundenen Judenkrawalle den Rädelsführer zu vier Jahren schwerer Arbeit in den sibirischen Bergwerken, einen zweiten Angeklagten zu zwei Jahren Zwangsarbeit, einen dritten zu anderthalb. Jahren, die übrigen zehn Angeklagten zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurtheilt." (Der Judenfresser Jstoczy) ist aus der Antisemitenpartei des Abgeordnetenhauses ausgetreten, und zwar deshalb, weil die für das „Magyar Lap“ (Organ des Antisemiten-Club) aufgelaufenen Schulden bezahlt werden sollten. Aus eben deniselben Grund hat sich die Partei aufgelöst. Wie gemeldet wird, geht Jstoczy eben daran, einen „neuen" parlamentarischen Antisemiten-Club zu gründen. (Aus Marokko) sind-dem Central-Comite der „All. Jsr. Univ." sehr düstere Nachrichten zugekoinmen. Beraubung und Plünderung von Juden und jüdischen Häusern ist auf der Tagesordnung. In Fez ist ein junger Mann das Opfer des ruchlosen Gesetzes geworden, welches di- Inden zwingt, barfuß durch die Straß-n von Fez zu gehen. Er brachte sich nemlich eine Nadel in die Fußsohle und starb hierauf in Folge der nothwendig gewordenen Operation. — Der Kaid von Outat. Mohamed Outaleb, ist ein wüthiger Judenfeind; seine Quälereien sind kaum glaublich. Aber alles ähnliche überragt das Vorgehen des Kaids von Demnat, Hadji-el-Dsilali. Bis jetzt kennt man die Namen von sechs Juden, die in ihrem eigenen Hause ermordet wurden. Sie lauten: Hasan Messond Bemssa, David Bentabora, David Biton. Isaak Botbol, David Cadosch und Simon Elmaleh. Die Vertreter der verschiedenen europäischen Mächte in Tanger haben neue Schritte bei Seiner Majestät dem Sultan vou Marokko zu Gnnsten der Inden Demnats ge-