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Selbst-Emancipation · 1885-05-18 · Heft 8 (18.5.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 8 (18.5.1885)
Date
1885-05-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Selbst - Emancipation! Nr. 8. und alle diese Mikrokosmen werden Euch fremd und feindlich gegenüberstehen. So gibt es nur einen Weg für unser Volk; er führt — nach dem Morgenlande. Nur durch Berührung mit dem heiligen, historischen Boden, nur durch einen heißen Mutterkuß kann die große Nation vom langen Schlafe erwachen. In Kanaan erwartet uns unsere alte, aber unüberwindliche Waffe, die uns vor Zerfall und Entartung schützen wird. Und, einmal dort, werden wir der Welt moralische Waare bieten, um die der müde Wanderer umsonst auf den europäischen Märkten späht. Ar. Michael Lion. (Schlußartikel folgt.) KHro nt k. (Wahlbeweguug in Kolomea-Buczacz-Snyatiu.) Der bisherige Reichsraths-Abgeordnete dieses Bezirkes, Herr Ravb. Dr. Bloch ist von seinen Wählern geradezu mit Begeisterung empfangen worden. Der Rechenschaftsbericht, den er erstattete, wurde m allen drei Städten mit. Jubel ausgenommen und Herrn Dr. Bloch fast einstimmig das Vertrauen votiit. Es steht fast außer Zweifel, daß Herr Dr. Bloch sein bis nun inncgehabtes Mandat wieder erhalten wird, trotzdem das Central-Wahlcomite, den jüdische» Großassimilator, Dr. Jonathan Warschauer als Candidaten ausgestellt hat. (Der österreichische Antisemitismus) hat sich in zwei feindlich einander gegenüberstehende Lager getheilt. Es gibt jetzt „deutsch-nationale" und „internationale" Antisemiten. Die letzteren sind repräsentirt durch den österreichischen Reformverein in Wien, dessen Präsident, Doctor Pattai eben wegen Hinneigung zum „deutsch-nationalen" Antisemitismus demissionirte. Der Unterschied dieser beiden Gruppen ist, irr Kürze ausgedrückt, der: den „deutschnationalen" Antisemiten ist der deutsch-nationale Gedanke Zweck, der Antisemitismus nur Mittel zum Zwecke, den „internationalen" Antisemiten hingegen ist der Antisemitismus Selbstzweck. Während den Elfteren mit Ritter v. Schönerer an der Spitze doch das gelassen werden muß, daß ihr Herz noch Raum hat für hohe politische und nationale Ideen, daß ihr Antisemitismus nur die Folge der Verzerrung des nationalen Gedankens ist, so kann für Letztere nicht die mindeste Entschuldigung gefunden werden. Ihr Herz kennt nur den Haß und nichts als diesen. Aber ausschließlich dem Raffenhasse leben und doch sich kosmopolitisch geberden, das ist ein geradezu aneckclndrr Widerspruch. (Judenkrawall in Coustantiuopel.) In Kadiköi, einem auf asiatischem Ufer gelegenen Viertel Constantinopels, kam es am 17. April l. I. durch die Verworfenheit eines griechischen Krämers, Namens Stejan zu einem Judenkrawall, der größere Dimensionen hätte annehmen können. Es war an der Thüre eines jüdischem Krämers ein beschmutztes Kreuz gesunden worden. Die griechische Bevölkerung gerielh in Aufregung und begnügte sich nicht mit dem Versprechen der Behörde, die Sache zu untersuchen, sondern fiel über die Häuser der Juden her. die nun, da sich der größte Theil der Männer Geschäfte halber in Stambul und Galata befand, demolirt und geplündert wurden. Die Polizei requirirte telegraphisch Militär, welches das Viertel umzingelte und mehrere Hundert Excedenten gefangen nahm. Es hat sich bereits herausgestellt, daß der christliche Krämer Stejan Verfertiger und Verunreiniger des Kreuzes ist. Der griechische Patriarch hat auf Ansuchen des Chacham Baschi seinen Einfluß auf den Pöbel geltend gemacht, um neue Ausschreitungen zu verhüten. Seine Ma-, jestät der Sultan ist über diese Vorfälle höchst indignirt. (Wenn es in Chicago keine „Sinai-Congregativn") und in dieser jüdischen Mustergemeinde keinen Präsidenten, Namens B. Löwenthal geben würde, wahrlich Amerika verdiente dann nicht, der Erdtheil der Freiheit, der Aufklärung, das Land der Zukunft genannt zu werden. Ein Anrecht auf diesen Namen hat sich die neue Welt unstreitig erst' durch das Erscheinen des Herrn B. Löwenthal erworben, der eingesehen hat und seiner Gemeinde diese Einsicht predigt, daß das Hebräische ans der Synagoge hinausbugsirt, daß die Beschneidung als ein Ueberrest der alten Barbarei abgeschafft, der Sabbat und alle Feiertage auf Sonntage verlegt werden müssen. Oh, ihr armseligen Zwerge wie Washington, Newton, Franklin, was war all' Euer stolperndes Vorwärtskommen auf den Bahnen der Freiheit und Civilisation gegenüber diesem „Cultur-Siebeiiineilensti efel-Eilmarsch" des Herrn B. Löwenthal? Oh, ihr europäischen Assimilantea, Ihr seid Stümper im Vergleich zu Euren amerikanischen Collegen, schämt Euch doch, geht in Euch und suchet Ihnen gleich zu werden! (Beliebtheit eines jüdisch-russischen Gntsbesitzers.) Die Ernennung des Herrn Jakob Poliakow zum wirklichen Staatsrath durch Seine Majestät den Czaren, haben die Bauern des Dorfes Nowomarinsk, welches dem Ausgezeichneten gehört, mit wahrer Festesfreude begangen. Lehrer und Schüler der Schule dieses Ortes, die von Herrn Poliakow erhalten wird, vcranlaßten den Popen des Dorfes, einen Fest-Gottesdienst aus Anlaß dieser Auszeichnung zu veranstalten. Nach Abhaltung der kirchlichen Feier, bei der für das lange Leben des Czaren gebetet wurde, überreichten die Veranstalter des Festes, Herrn Poliakow eine Adresse. (Im Jahre 1884) find in Wien 263, sage zweihundert dreimidsechzig Personen mosaische» Glaubens zum Christenthuine übergetreten. Von den nun der ewigen Seligkeit sicher Gewordenen sind der Beschäftigung nach: Rcchtsgelehrte 13, Aerzte 9, Zahnarzt 1, Journalisten 4, Ingenieure 3, Professoren, Docenten, u. s. w. 5, Sprach- und Musiklehrerinnen 3, Hochschüler 11, Richter 3, Besucher' verschiedener Schulen 7, Agent 1, Banqniersfran 1, Kaufleute, Börseaner, Fabrikanten 17, Sängerin 1, Schauspieler und Schauspielerinnen 4, Officiere 2, Buchhalter 23. Eisenbahnbeamter 1. Diesen unser» gewesenen Brüdern und Schwestern, oder vielmehr nicht ihnen, sondern vielen jetzt noch mosaischen Christenthums-Candidaten wollen wir die liebenswürdigen inhaltsvollen Worte unserer gulmüthigeu Herren Antisemiten in Erinnerung bringen: „Jud' bleibt Jud'." Das Taufwasser nützt Euch nicht. Besser wäre es wahrlich, wenn es nützte, wenn die Taufe in der That Eure Stammeseigenthüinlichkeit verwischen könnte, denn dann brauchten wir uns nicht dessen zu schämen, daß „Solche" ans unserer Mitte hervorgingen. (Dr. Jaqnes), der bisherige Vertreter des 1. Bezirkes der Stadt Wien im österreichischen Reichsrathe wird natürlich wieder candidiren und natürlich wieder gewählt werden. Warum denn auch nicht? Er ist vom Wirbel bis zur Sohle „deutsch" — Herr v. Schönerer nennt das auch „daitsch" — und hat weder Herz noch Sinn für seine Stammes- und Glaubensgenossen; das sind ja Gründe genug, um ihm die Stimmen der jüdischen Quai-Dentschen zuzuweiiden. — Wundert sich etwa die Lemberger„Ojo2^zua" über unsere Worte? Wundern sich vielleichr jetzt oie Leser, wie wir plötzlich von Dr. Jaqnes auf die „Ojczyzna“ zu , sprechen kommen? Nun auf die einfachste Weise von der Welt. Dieses Blatt e n t b l ö d e t sich nicht, uns vorzuwerfen, daß wir die Assimilation nur in Galizien, also nur in ihrer polnischen Gestalt bekämpfen, weil wir gegen deutsche Asstmilanten nie zu Felde ziehen; Die „Ojczyzna“ schleudert uns demnach den Vorwurf ins Gesicht, daß wir G e r m an i s a t o r e n in jüdisch-nationaler Maske sind. Diese lächerliche Auslastung, die in jeder Zeile unseres Blattes Widerlegung findet, ist offenbar nur

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