Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 7 (1.5.1885)
- Date
- 1885-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation Nr. 7. akademischen Behörden beruhen. An der Hand dieses Verzeichnisses weist nnn die „Wiener Medizinische Wochenschrift" nach, daß sich unter den Lehrer» an den von Greuter. erwähnten zwei Facultäten 36, nicht 64 Semiten befinden und zwar zwei ordenttiche und 11 außerordentliche Professoren und 23 Privatdocenten. Man sieht, Herr Greuter hat es verstanden, zu Gunsten seiner antisemitischen Bestrebungen zu fälschen. Ec weiß aber auch ihnl nicht passendes zu verschweigen. An der philosophischen Facultät befinden sich nämlich unter 41 ordentlichen Professoren drei und unter 11 außerordentlichen Professoren zwei Semiten, unter den 41 Privatdocenten keiner. Hätte Herr Greuter, was wohl nahe gelegen wäre, alle drei weltlichen Facultäten in Rechnung gezogen, so wäre das Verhäitmß ein für seine Anschauung ungünstiges gewesen, denn wenn sich unter 71 ordentlichen Professoren an der Universität zu Wien fünf Semiten finden, so kann man von einem krassen Mißverhältniß nicht sprechen. — Aber Greuter versteht es zur rechten Zeit ein wenig zuzugeben und zur rechten Zeit ihm unbequemes zu verschweigen. (Lorrespondenzen. Wien. Das Comitä zur Gründung eines „Israelitischen Bürgervereines", das auf Anregung des bisherigen Neichsr.-Abg. Dr. Bloch zusammentrat, hat Donnerstag den 23. April l. I. eine Sitzung abgehalten, welche sich über die der hohen k. k. Statthalterei zu unterbreitenden Statuten einigte. Auch wurde beschlossen, einen Aufruf, aus Grundlage des in der „Oesterreichijchen.Wochenschrift" veröffentlichten Artikels „Unser Programm" zu verfassen und zu verbreiten. Der neue Verein wird ren Namen „Oesterreichische Israelitische Union" sichren. Lemberg. Der hiesige Assimilantenvulgo Taufverein „Agudas Achim“ geht einer baldigen Auslösung entgegen — einzig und allein aus Mangel an nervus rerum. Die Zahl der Mitglieder nimmt mit jedem Tage ab. Bon der im Vorjahre ausgewiesenen stattliqen Anzahl von über 500 Mitgliedern sind gegenwärtig noch k a u m 50 geblieben, die ihre monatlichen Beiträge entrichten. Die Führer dieses getreuen Restes sind daher in nicht geringer Verlegenheit, wenn es gilt, den Miethzins herbeizuichaffen, oder andere nöthige Ausgaben zu decken — aber bestehen müssen sie doch unbedingt, es nahen ja die diversen Wahlen in den Reichstath, Stadtrath, Cultusrath. Was thun sie nun in der großen Geldcalamität? Sie erwirken beim Theater-Directvr die Eilaudniß zu einer Wohlthätigkeits- Vorstellung und erlaffen au die gefeierte Krakauer Tragödin Hofmann eine Einladung, an ihrem Abende mitzuwiiken. Die Schauspielerin, eine fromme Christin, die sich schon als Taujpathin fungiren sieht, folgt höchsterfreut diesem Ruse. Sardou's „Fcdora" sollte nun den leeren Ojezhzua- Beutel füllen. An sämmtlichen Straßenecken und in den Polnischen Journalen wird die Fedora-Vörstellung angekündigt. Der ersehnte Abend rückte heran. Leider sahen sich die hoffnungsvollen Jünger des Rabinowicz in ihren schönet» Hoffnungen bitter enttäuscht, denn im Hanse komue man sich durchaus nicht Über Raummangel beklagen. Das Eltde von Liede war ein Deficit von 70 fl. Aus Mitleid und Erbarme»» hat ihnen der Director von de,i Kosten fl. 50 nachgesehcn. Es war dies der erste Fall in Lemberg, daßeineW s h l t h ä t i g ke it s - Vo r st e l lu n g mit Verlust schloß. Wenn man noch in Betracht zieht, daß eine solche Künstlerin wie die Hosinann ihre Glanzrolle „Fedora" hier zun» ersten Male wählte und dessenungeachtet das Haus fast leer war, so kann man sich einen leinen Begriff davon machen, welcher Beliebtheit sich die „Agudianer" sowohl bei den Juden als auch bei unsercw christlichen Mitbürgern, welche letztere sie s o sehr nachäff-n, erfreuen. Lrez Israel. (Paläftina-Colouisatious-Berein in Wie»t.) Wir sind in der glücklichen Lage, den geehrten Lesern die freudige' Nachricht bringen zu können, daß unsere Anregung in der vorigen Nummer die gehoffte Wirkung gehabt hat. Eine' Anzahl von Zionsfreunden trat zusainn»en, um einen Colonisations-Vcrein in Wien in's Leben zu rufen. Ein Anschluß an den Montesiore-Verband dürfte aus mannigfachen Gründen vorläufig nicht erfolgen, dagegen wird' versucht werden, die Wirksamkeit des Vereines über ganz Oesterreich auszudehneni Es wurde ein dreigliedriges Comitä zur Ausarbeitung der Statuten eingesetzt, welches bis längstens 10. Mai d. I. dem Plenum der Gründer sein Elaborat vorzulegen haben wird; sodann »verden die' Statuten der hohe» k. k. Statthalterei zur Genehmigung, überreicht werden. Da somit noch mindesrrns sechs Wochen verfließen müssen, bis der neue Verein in Wirksamkeit treten kann, so wäre es, um diese Zeit nicht ganz nutzlos verstreichen zu lasst»», ein schönes Z e » g n i ß jüdischer H e r z e n s g ü t e und jüdischen N a t i o n a l s i n n e s, wenn durch Spenden in beliebiger Größe dem Vereine am Tage seines Ins leben trete, »s ein kleines Kapital z u r V e r f ü g u n g gestellt werden k ö n i» t r. Beiträge werden von der Redaction in» Namendes Gründungs-Comits's dankend entgegengeiiommeil und im Blatte ausgewiesen. Beitritts-Erklärungen bittet man vorläufig ebenfalls an die Redaction zu adressircn. (Der Regen,) dessen hartnäckiges Ausbleiben' die Freunde des heiligen Landes und dessen Bewohner schonmit den peinlichsten Sorgen erfüllt hatte, hat sich endlicheingestellt, und zwar im ausgiebigsten Maße. So sind denndie Aussichten auf ein fruchtbares Jahr mit einem Male sehr günstige geworden. (Aus Saffed) richten einige eingeborene Inden ein Schreiben an de» „Hamagid“, in welchem sie sich darüber beklagen, daß die „Zionsfreunde" ihr Augenmerk nicht auf Gründung einer ans palästinensischen Juden bestehenden- Colonie richten. Gerade die im Lande Israel eiuheimischen- Juden wären verinöge ihrer Kenntniß des Landes, seiner Bewohner und deren Eigenarten die Geeignetste», nur die Weglveiser der nachkommenden ausländischen Colonisten zu werden. — Die „Zionssreunde" können diejein Appelle vorläufig keine Folge leisten, »veil sie sich auf den ganz richtigen Standpunkt gestellt haben, zuerst die schon bestehenden Colonien zu sichern m»d dann erst an die Gründung neuer Nlederlassungen zu schreiten. Sollten sie aber damit beginnen, so mögen sie ja nicht des Ansuchens der Saffeder Juden vergessen, da dasselbe vollkommen gerechtfertigt ist. (Dr. Hermann Adler,) Stellvertreter des Chief- Rabbi von England, ist am Tage nach Peßach von London nach dem heiligen Lande abgereist, wo er sich bis Ende Mai aushalten dürfte. Er reist im Aufträge des bekannten Londoner Maushion-House-Comits's, um über die Lage der Juden in Palästina, namentlich aber die der noch unterstützungsbcdüftigen Ackerbancolonien, an Ort und Stelle sich zu lnformiren. (Ackerbau — aber auch Handel und Industrie'.) Neuerdings und immer dringlicher erheben die Jerusalemer nationalen Zeitungen ihre warnenden Stimme». dem Handel und der Industrie im heiligen Lande mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, da sonst der ganze Erfolg der'