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Selbst-Emancipation · 1885-05-01 · Heft 7 (1.5.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 7 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Sel bst-Emancipation! „bin ich in Lemberg und es wird mir eine hohe Freude sein, ,„m brr Mitte -Ihres Vereines die wackeren Gesinnungs- „genossen zu begrüßen. Mit dem altisraelitischen Gruß: „„Gott mit Euch" zeichne ich hochachtungsvoll Doctor „Bloch." — Auch der Wiener akademische Verein „„Kadimali“ hat an Herrn Dr. Bloch anläßlich der Affaire Stieglitz ein Schreibe» gerichtet, welches lautet: „Euer Ehr- „würden, Hochgeehrter Herr Doctor! Wenn je ein Manu „Dank und Anerkennung von Seiten des jüdischen Volkes „und ilamentlich der Juden in Oesterreich verdient hat, so „ist es Euer Ehrwürden, dem dies in vollstem Maße ge- „bührt. Während so mancher Jude, der eine hervorragende '^öffentliche Stellung einmmmt, es aus unerklärlicher Scheu „unterläßt, für sein Volk einzutrelen, wenn es gilt, dessen ^Ehre und Rechte zu vertheidigen, sind Euer Ehrwürden „stets offen und muthig in die «schranken getreten, um mit „geistigen Waffen das Judenthum in Schutz zu nehmen, „und besonders als Reichsraths-Äbgeordneter thaten dies „Euer Ehrwürden bei jeder Gelegenheit. Die Leitung Hes akademischen Vereines „Kadimah“ erlaubt sich nun „in Ausführung des einstimmigen Beschlusses der Plenar- „versammlnng vom 18. April d. I. Euer Ehrwürden „für Ihr Auftreten in der Affaire Stieglitz in öffentlicher „Abgeordneten-Sitzung und für Ihre Bemühungen um das „Judenthum überhaupt den tiefstgefühlten Dank und die freudigste Anerkeirnnng aller Vereinsmitglieder auszu- „drücken. Wien, am 23. April 1385. Für den Ausschuß „des akademischen Vereines „Kadimali.“ : stud. jor. M. „H eilpern, d. z. Schriftsührer, otuä. rnsd. S. B u r g, „d. z. Präses." („Agudas Acliim“ Ulld „Or tomid“.) „Bruderbund" und „Ewiges Licht" — welch' klingende Namen! — Wie verbrüdernd der „Bruderbund" wirkt, ist ja unseren Lesern hinlänglich bekannt; vom „ewigen Licht" werden sie aber weniger gehört, richtiger gesehen habe», und dennoch verlohnt sich's ja so sehr der Mühe, davon etwas zu wiffen: „0r tomid" ist der Name eines in Prag vor mehr als Jahresfrist gegründeten Vereines, der sich den Zweck gefetzt hat, die Synagoge in Böhmen zu c z e ch i s i r e n. lind dieses „ewige Licht" hat nicht umsonst zu leuchten angefangen, denn es strahlte bald hinein in die oltehrwürdigen Hallen des israelitischen Gemeindehauses in Prag; dort erleuchtete es den Vorstand so sehr, daß dieser auf die Aufforderung des löblichen Vereines „Or tomid" dem Religionslehrer Dr. Bondy die Erlaubniß gab, in einem eigens hiezu bestimmten Gebethause für Mittelschüler den Gottesdienst in der ezechischen Sprache zu verrichten. Neulich hat nun in der Thal — der erste Fall in einer Synagoge — ein Gottesdienst und eine Predigt in czechischer Sprache stattgefunden. — Arme Slavenvölker — bemitleidenswerthe Polen und Czechen, daß Ihr euch die Aufdringlichkeit dieser A s s i m i l i r u n g s- Bajazzos gefallen laffeu müsset! Bedauernswerthes .jüdisches Volk, daß so viele deiner Söhne für solch' kindische Taschenspielerstückchen zu haben sind! Herabgewürdigte Sprache der Hebräer, daß deine Herrlichen Laute mißbraucht werden, um den Namen abzugeben für volksverrätherische Unternehmungen, die gegen deinen eigenen Bestand gerichtet sind! (Im schwedischen Parlamente) hat der Abgeordnete Gedin den Antrag gestellt, die Juden von der ihnen seit jeher obliegenden Pflicht, zur Bestreitung des Cultus der herrschenden Religion beizusteueru, zu befreien. Die jüdische Gemeinde in Gothenburg, die größte in Schweden, hat an den erwähnten Abgeordneten ein Dankschreiben gerichtet. (Societatea tiuerimei academice romane,) Vere i n der rumänische» akademischen Jugend — heißt, wie wir erst aus einer .der letzten Nummern des Bnkarester Blattes „Fratemitatea“ erfahren müssen, ein noch im Sommer des vorigen Jahres n Wie» von j ü d i s che» Studenten gegründeter Verein. iBesagter Verein macht die Aufnahme der Mitglieder nicht von der Religion abhängig. Wie großmüthig! . Wir glauben, daß die jüdischen Rumänen so ziemlich unter sich bleiben dürsten, denn einer Belästigung Seitens der christlichen Rumänen werden sie wahrscheinlich nicht ausgesetzt sein.. (Gegen kostspielige Tempelbauten.) ®er„Hamagid“ wendet sich gegen die schädliche und unzeitgemäße Sucht, prachtvolle Gotteshäuser zu erbauen, zu einer Zeit, wo der Boden unter unser» Füßen wankt. Er weist mit Recht darauf hin, daß solche Baute» den Neid der ohnehin schon judenfeindlicheu Massen nur noch mehr heransfordern. Es sei ferner unverzeihlich in einer Zeit, wo unser Volk von allen Seiten Hilfe braucht, Geld auf Holz und Stein zu verwenden, statt es zu wahrhaft gottgefälligen Werken zu benützen. (Der akademische Verein „Kadimah“) hielt am 18. April eine außerordentliche Plenarversammlung ab. Bei derselben wurde einstimmig die Abjendnng einer Dank-Adresse an dm Rsichsraths - Abgeordneten Herrn Dr. Bloch für dessen mannhaftes Eintreten in der Affaire „Rachel.Stieglitz" beschlossen. — Der Hauptpunkt der Tagesordnung, „Statutenänderung", konnte nur zur Hälfte erledigt werde» und wird die Erledigung des übrigen Materiales bei der 5. ordentlichen Plenarversammlung erfolgen. Diese wird, wie bereits belichtet, am 2. Mai stattfinden, aber nicht um 6 Uhr Abends, sondern bereits um 3 Uhr Nachmittags beginnen. (Assimilationssrüchte.) Der ruffische Schriftsteller S ch i g o r i n veröffentlicht in einem Warschauer ruflischen Tageblatte eine Artikelserie, disich „Die Juden Polens" betitelt. Schigorin spricht angeblich zu Gunsten der Juden, aus den Zeilen leuchten jedoch deutlich antisemitische Gesinnungen hervor. Beachtung verdieilt aber besonders eine Stelle, an welcher Schigorin die seit einigen Jahren immer mehr wachsende Gehässigkeit zwischen den polnisch gesinnten Juden einerseits und den russisch gesinnten andererseits scharf geißelt. — Traurig genug, wenn di- Söhne eines Volkes sich mit jenem Haffe gegeuübersteheu, der durch seine unübertrvff ne Leiveuschaftlichkeit und Zähigkeit zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist. (Jüvische Erlöser -es Deutfchthirms.) Wir lesen in der „Oesterreichischen Wochenschrift": Brüx in Böhme ii, im April. Noch ist der Reichsrath nicht geschlossen und die Neuwahlen sind noch nicht ausgeschrieben und schon beginnt die Wahlagitation ihr buntes Treiben. Banhans wird zu den Todten geworfen, es lebe Dr. Frieojung. Er und die Männer des Deutschen Vereines sind die Tageshelden, die Erretter und „Erlöser" des Deutschthums; für das Judenthum haben diese Herren ja längst die wahre Erlösung gefunden, -das Programm lautet: „Das Judenthum ist zum Absterben bestimmt." Für diese pyramidale Idee habe» wir Juden jedenfalls keinerlei Ursache in's Feuer zu gehen; wir erachten es vielmehr als eine schwere Schädigung, als eine Selbstdemüthigung und Selbstpreisgebung, wenn den neugebackenen Politikern solche» Schlager nnd Charakters auch nur eine einzige jüdische Stimme znfiele. Hoffentlich wird dieser Kelch an uns vorüberziehen. (Wir sind nicht so guter Hoffnung, da wir leider das Affimilationsfieber der böhmischen Juden genugsam kennen. Anm. der Red.) (Pater Grenter's Wahrheitsliebe.) In seiner berüchtigten Rede im Abg-ordnetenhaus gegen die Universität iu^Wien. stellte Msgr. Greuter die Behauptung auf, daß unter den 159 Lehrern der zwei praktischen Facultäten sich 64 Semiten befinden. War diese Behauptung Greuter'Z nicht ans der Luft gegriffen, so mußte uud konnte sie nur auf 'dem officielle» Verzeichniß des Personalstaudes und der

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