Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1885-05-01 · Heft 7 (1.5.1885) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 7 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3092672-3092673-3092680--0087-3093013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

selbst-Emancipation! Seite 7 Äckerbaucolonisation ausbleiben müßte. — Bezüglich des Handels haben wir schon in der vorigen Nummer von einem Odessaer Capitalisten gesprochen, der sich zu commerziellen Versuchen im heiligen Lande entschlosien hat und dem wir viele Nachahmer wünschen. Was die Entwickelung jüdischer Industrie in unserem Ahnenlande betrifft, so hat Herr Wissotzky in Moskau — ein sehr reicher „Zionssreund" — eine Gesellschaft für Hebung der fabriksmäßige n Industrie im heiligen Lande gegründet;. er selbst wird in nächster Zeit in Palästina sein und setzt man dort auf sein Erscheinen große Hoffnungen. (Zu -er ungarische» LanSesausstellnug,) welche am 2. Mai in Budapest eröffnet werden wird, stellt Herr Dlsä. vr. Schwarz, Leiter des Nothschild-Spitales in Jerusalem, verschiedene Kunsterzengniffe des heiligen Landes aus. Darunter befinden sich Holzschnitzereien und Steinmetzarbeilen unserer dortigen Stannnesgenossen, sowie Fabrikate derselben in der Bekleidnngsbranche und in Hanshaltungsgeräthen. Auch gelangen photographische Ansichten der heiligen Orte zur Ausstellung. Literarisches. („Mizpah“.) Man muß es unseren Stammes- .genosseu in Rußland lassen, daß sie in ihren nationalen Bestrebungen von glücklichen und schönen Gedanken geleitet werden. Die neueste nationale That — so kann man sie mit vollem Rechte neunen — ist die in Nr. 27 des ,„2arusliz" angekündigte Herausgabe einer i l l u st r i rten Monatsschrift in hebräischer Sprache in Petersburg, welche den Namen „Mizpah.“ („Warte") führen und von den Nedacteuren des „Hameliz“ redigirt werden wird. Der „Hameliz“, der in seinem Leitartikel die hohe nationale Bedeutung dieser neuen Zeitschrift ganz richtig hervorhebt, gibt auch deren Programm bekannt: X Wissenschaftlich-geschichtlicher Theil: Hebräische Originalartikel oder ans anderen Sprachen übertragene Aussätze über jüdische Ereignisse; Beschreibungen von Denkmälern in den verschiedenen Wohnorten der Juden, Bücherkritik. Bibel- und Talmuderklärungen, .Jüdisch-theologische Abhandlungen, Biographien berühmter .Juden und für die jüdische Geichichte Bedeutung habender Nicht-Juden, Skizzen aus dem Volksleben der Juden in den verschiedenen Ländern, naturwissenschaftliche Artikel. XL Belletristischer Theil: Romane, Novellen und Erzählungen aus dem jüdischen Leben der Vorzeit und der Gegenwart, lyrische Dichtungen. Hl. P u b l i c i st i s ch e r Theil: Neuigkeiten, Anekdoten, Humoristisches. IV. Illustrativ uen. Porträts berühmter Juden und Nichtjuden sammt deren Biographien, Abbildungen jüdischer Denkmäler, Landkarten, Zeittabellen, Ansichten von Orten, die für die Juden historische Bedeutung haben. V. Berichte von Corporationen und Privatpersonen. — Der Abonnementspreis dieses Blattes, das das erste seiner Art sein wird, beträgt 6 Rbl., für Abonnenten des „Hameliz“ 5 Rbl. .jährlich. — Wir sehen unsererseits der ersten Nummer, deren näherer Erscheinungstcrmin noch nicht bekannt ist, mit Spannung entgegen und werden dann nicht erman- -geln, unseren geehrten Lesern über den Eindruck derselben .zu berichten. Eingesendet. Aus Vlasotynce (Serbien) erhalten wir unterm -26. April l. I. folgende Zuschrift: Eine Stimme von de» Bergen. Ehe ich darangehe, meine Mitarbeit mit Euch, geliebten Brüdern, wieder aufzunehmen, sei mir gegönnt, einige -einleitende Worte vorauszuschicken. Zweifach mochte die Empfindung gewesen sein, welche in den intcressirten Kreisen Lembergs bei meinem Scheiden aus jener Stadt, in der ich seit meinen reiferen Jünglingsjahren bis zu meinem besten Mannesalter unausgesetzt im Dienste der Oeffentlichkeit stand, vorherrschte. Diejenigen, welche mit nur eines Sinnes und eines Geistes waren, welche an dem Erwachen des jüdischen Bewußtseins sich erfreuten, mochten es gleich mir tief empfunden haben, wie schwer mir die Trennung von ihnen geworden. Meine Gegner, deren falsche Ansichten ich bekämpfte, ohne je persönlich ihnen nahezutreten, während sie ihre Hände nicht in den Schoß legten nud sich bemühten, meine Privatverhältnisse so unleidlich als möglich zu gestalten, — jene mögen sich froh und vergnügt d:e Hände reiben — endlich sind sie einen Kampfhahn, der sich kein Blatt vor den Mund nahm, losgeworden. Die jüdische Geschichte weist leider nicht zum ersten Male die endemische und verderbliche Krankheit auf, der unser Volk unterworfen ist. Diese Krankheit gleicht der Egelseuche der Schafe, die ein nnwissender Schäfer nicht auf die gesunde Trift in der sonnigen Höhe, sondern in die morastigen Niederungen geführt hat, wo die Todeskeime gelegt werden. Im Gehirne der unschuldigen Lämmer bohrt ein eckliges, niederes Geschöpf, ebenso in den Eingeweiden. Die armen Thiere erliegen unter den tollsten Sprüngen, die Heerde wird decimirt. Ja, jene Hirten unseres Volkes, denen es schwierig ist, die sonnigen Höhen des jüdischen Volkslebens zu erklimmen, blieben da unten, wo die zahllosen Assimilationseier in den Sumpf des Eigennutzes gelegt sind und bald beginnt der drollige Assimilationstanz, der Tanz zum Untergänge. Gegen diese Krankheit ist leider keine Arznei in der lateinischen Küche vorfindlich und doch haben sie die Juden bereits viele Riale überstanden und werde» sie auch jetzt glücklich überwinden. — An uns liegt es, Warnungstafeln» hinzustellen, gegen die Hirten, wie gegen die Weide. Dieses strebe ich. streben meine Gesinnungsgenossen, w o i m m e r s i e s i ch b e f i n d e n, an; darum haben meine Freunde keine Ursache, über mein Scheiden aus ihrer Mitte sich zu betrüben. Unseren Gegnern aber, welche noch einen Funken Judenthunl besitzen, wollen wir Zeit gönnen, mit sich selbst zu Rathe zu gehen, ob sie die Todesgefahr nicht wahrnehmen, welche dieser falsche Fortschritt ohne Judenlhum in sich einschließt. Den Avgefallenen oder den Sprungfertigen haben wir nichts mehr zu erwidern. Sie müssen abfallen wie ein faules Reis vom Stamme. Euch, meine vielgeliebten Freunde, wie allen Jenen, welche die heilige jüdische Sache fördern, meinen brüderlichen Gruß und Handschlag. Dem akademischen Vereine „Kadimah", als der Jncarnation der uralten und doch so völlig neuen Idee des einhiitlichen, unzerstörbaren Judenthums, die Parole „Am. echad" aus dem Osten. Dr. Rüben Vierer, kgl. s-rb. Bezirtsarzt. Briefkasten der Redaction. An die Herren Einsender der „Bemerkungen" in Lemberg : Sie verlange» an einer Stelle Ihrer „Bemerkungen" ein unmaskirtes Auftreten. Ja. meine Herren, gehen Sie uns mit gutem Beispiele vorail! Wer tadelt, mutz auch den Muth habe», unmaskirt es zu thu». NennenSiesich und wir werden keinen Augenblick säumen, ja es wird uns ein Vergnügen sei», auf Ihre „Bemerkungen" ausführlich zu antworte». So viel aber können wir Ihnen, wie wohl wir noch nicht die Ehre Ihrer Bekanntschaft haben, sagen: Mit Philosovhemen und Theorien kan» man auf daS Volk nicht wirken; gewisseDinge darf man nicht mit Handschuhen anfaffen. Ihre Allsichteil bezüglich der Assimilation erscheinen unS als i r r l g; was Sie von der ZionSidee sagen, ist richtiger, doch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.