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Selbst-Emancipation · 1885-05-01 · Heft 7 (1.5.1885) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 7 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7. Selbst-E mancipatio ii! Die Entjudungsbestrebungen der Juden sind eines der häßlichsten Capitel der Weltgeschichte. — Der Antisemitismus ist zwar durch die ihm beigcmischten Elemente des Eigennutzes, des Vorurtheils, des Neides, der Schadenfreude, der Unduldsamkeit, des Eigendünkels, ein nicht miiider garstiger Abschnitt der Universalhistorie geworden, aber — wir scheuen uns nicht, es auszusprechen — a ng esichts der Assimitationssucht ist er berechtigt; das jüdisch: Volk, wie es sich bis jetzt in seinen Führern repräsentirte, verdient den Antisemitismus. Zur Wahlbewegung Die Bevölkerung' Oesterreichs erwartet mit Spannung den Ausfall der Neuwahlen und so manch gedrückter Gewerbsmann hvffl dann vom neuen Reichsrathe die Verbesserung der socialen Verhältnisse, und so manch gedrückter Volksstamm wappnet sich, um neugestärkt den Muh lkampf für die Integrität seiner Nationalität auszufechten. Am heftigsten wogt der politische Kampf in den gemischtsprachigen Ländern, denn kein Volk will unterliegen und die Rolle des Ambosses übernehmen, um seinem Gegner die des Hammers freiwillig zu überlassen. Ein solcher Kampf entspinnt sich nun in Galizien, wo die Polen mit den Ruthenen um die Hegemonie streiten und beide Völkerschaften für sich die Hilfe der Inden vcanspruchen. Es ist keine angenehme Lage, in welcher sich die Juden befinden, denn erklären sie sich ffic die Candidaten des einen Volkes, so machen sie sich das andere zu Feinden. Diese unerquickliche Lage wird aber so lange währen, als die Juden sich nicht zur eigenen Nationalität bekennen werden; dann wird man, sie nicht zur Zeit der Noth einerieits als Polen andererseits als Ruthenen betrachten und sie nicht, um Miethlingsdieuste zu leiste», in die verschiedenen Lager ziehen. Sie. brauchen deshalb mit ihren Brüdern christlichen Glaubens nicht auf Kriegsfüße zu lebe», denn vom Wohl und Wehe des Landes hängt ja ihr eigenes ab. Die verschiedenen Völker würden sie dann nicht mehr Siclxezoci.. *) Seit Beginn der in den nordischen Ländern wüthenden Verfolgungen haben viele Stammesgenossen, ohne lange Ucberlegung, blindlings ihre Schritte nach dem heiligen Lande gelenkt. Hierdurch wurde das hier herrscheilde Elend nur vermehrt, und die Bewohner Jerusalenis fühlen auf diese Weise die Schattenseiten des Lebens in der Stadt. Die Häuservermiether schrauben die Miethspreise zu einer unerschwinglichen Höhe hinauf, die Miether wohnen in ihren dumpfen, kleinen Zimmern zusammengepfercht und die Arbeiter schreien nach Bcod. Denn es gibt mehr Arbeiter als Arbeit, so daß Erstere umsonst den ganzen Tag Arbeit suchen und am Abend hungrig in ihre Wohnung zurückkehre». Auch der Kleinhandel ist stark gesunken und der geringe Verdienst deckt lange nicht die nöthigen Ausgaben zum Lebensunterhalt. Zu diesein Mangel an Nahrung und Mangel an Arbeit kommt noch ein Drittes: der fast beständig herrschende Wassermangel. Da es nämlich kein Quellwasser gibt und nur durch Regenwasser der Bedarf gedeckt werden kann, so treten, wenn letzteres im Frühjahre noch so reichlich fließt, dennoch gegen Spätherbst Stockungen ein, da die Cisternen größtenthcils nicht zur Genüge Wasser liefern, und zu dem Wassermangel gesellen sich dann gewöhnlich jene verschiedenen Krankheiten, von denen leider die Bewohner Zions so oft heimgesucht werden. Die>e traurigen Zustände haben uns schon oft zum Nachdenken darüber veranlaßt, warum denn die Bewohner *) Aus der „llaba-alotk." als Handelsobjecte betrachten, sondern dem geeinten Stamme ihre Achtung entgegenbringen. Leider ist die Erreichung des vou uns erstrebten Zieles noch allzufern und wir müssen den gegenwärtigen, traurigen Verhältnissen Nechnnng tragen. Obwohl die Inden Galiziens, ihrer Zahl und Steuerleistuilg gemäß eine größere Anzahl Deputirtcr ln den Reichsrath zu entsenden vermöchten, können sie sich, was politische Kraft und Bedeutung betrifft, nicht einmal mit dem winzigsten Volke Cisleittianirns, den Slovenen messen. Das Geheimniß beruht darin, daß die Slovenen nicht so glücklich sind, Assi« milatoren zu besitzen, die ihr eigenes Volk verkaufen und zur Ruine machen wollen, und nicht über solche Leute verfügen, welche Alles und nur keine Slovenen zu sein sich bemühen. Zur Zeit aber, wo es gilt, auf den Schultern der Stamm sgenossen zu glänzenden Ehrenstellen emporzusteige», um bei erreichtem Ziele ihre Stützen wieder zu verleugnen, verschmähen es die Assimilatiousherrlein, mögen sie Dr. Byk. Baron Waldberg oder Dr. Warschauer heißen, welche stets nur für das Absterbcn des eigenen Volkes wirken, nicht, an den Thoren des jüdischen Wahlbezirkes Kolomea anzupochen, um ihre Wahl ungestüm zu verlangen. Warum wollt Ihr jüdische. Polen gerade von uns gewählt werden, seid ihr ja keine Inden, sondern Polen und dürfle es euch doch ein Leichtes sein, in rein polnischen Bezirken durchzudringen, oder seid Ihr gar dessen nicht sicher? Da wäret Ihr gär arme Schelme, welche den Glauben an ihre eigene, jahrelang gepredigte Lehre verloren haben und wirklich recht bedauernswürdig.' Euch ist wohl die Caudidatur des jüdischen Abgeordneten Dr. Bloch ein Gräuel, weil er überall und zu jeder Zeit für das Judenlhum eintrat, und sich in Schriften gegen Dr. Rohling, in der Affaire Stieglitz und in vielen anderen Dingen um seine Wähler verdient gemacht hat; besonders aber scheint es Euer Mißfallen erregt zu haben, daß er sich der jüdisch-nationaler Bewegung immer mehr nähert. Noch sind die Wähler des Bezirkes Kolomea nicht Jerusalems und' der übrigen Städte des heiligen L.indes so fest an die Scholle sich gebunden fühleil und nicht lieber andere Orte aufsuchen, wo bei geringerer Einwohnerzahl auch die Mittel zum Lebensunterhalt und die Miethpreisc billiger sind. Besonders wniidern wir uns über die Handwerker, die sich hier so kümmerlich durchbringen und zuweilen dem Hunger preisgegcben sind, während sie dort, wo Mangel an Arbeiter» ist, sich anständig und reichlich ernähren und auch, bei der Billigkeit der Lebensmittel, für ihre Familie hinreichend sorgen könnten. Ja sogar ihren darbenden Brüdern, die aus irgend welchem Grunde ihren jetzigen Wohnort nicht verlassen können, könnten Jene die helfende Bruderhand reichen. Welcher Stammesgenosse sollte nicht in froher Begeisterung die Gelegenheit hierzu ergreifen! Wenn wir aber auch davon absehen, neue jüdische Gemeinden an Orten zu gründe», wo bisher keine Juden gewohnt haben, so bleibt uirs immer noch das Eine auffallend, warum die in den Städten wohnenden und in Elend verkommenden Glaubensbrüder nicht solche Plätze aufsuchen, wo bereits Juden sich angesiedelt und zu einer Gemeinde sich zusammengethan haben? — Eine dieser Städte ist Sichern im Gebirge Esraim. Dort wurde unserem Stammväter Abraham die göttliche Verheißung, daß. seine Nachkommen dieses Land erhalten werden; dort baute er einen Altar zum Zeichen des Dankes für diese Verheißung; dorthin kamen unsere Ahnen zuerst nach ihrem Uebergang über den Jordan, um den Segen oder den Fluch für Befolgung oder Uebertretung des Gesetzes entgegenzunehmen; soll nnn dieser Zufluchtsort bis heutzutage nur

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