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Selbst-Emancipation · 1885-05-01 · Heft 7 (1.5.1885) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 7 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements - Preise: (Poflzujendunz inbegriffen.) Fu: Leslerr.-Ungarn: Ganzjährig ff. Halbjährig , Dentschland: . Äi-rleljähr. - . Ganzjährig Mk. S Halbjährig „ S , Rußland: ... Ganzjährig Rbl. 4.— Halbjährig L.— Vi-rleljähr. „ l— , die übr. Länder: Ganzjähr. Frcs. 9.— H-lbjäbr. „ 4.50 Bierieljähr. „ 2 25 Br Inseraie billigst. d>6 Zeitschrift uatioiiale», förifllen und politischen Intereffen des jüdischen Stammes. erscheint zu Anfang und Witte jedes Monats / X /ich felbj^mir nicht helfe, wer denn? f \ / Und wenn nicht heute, wann denn? \^Z \ / kfillel. Zrililtmst lind Aiimillistritilin: Wien, II., ßasteüezgaffe 8. Sprechstunde: Täglich von -h—s Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht retournirt. Nr. 7. Weil, 1. Mai. Jahrgang 1885. Inhalt: Präiiiimcralivns.Einladung. — Verjudnng— Eliljudung. — Zur Wahlbewegung. — Race und Religion. — Chronik. — Cor respondenzen. — Erez Israel. — Literarisches. — Eingesend>l. — Sichem. — Briefkasten der Redaction. — Correspondenz der Admittistration. — Inserate. — „Sirnio» Nasaelowitsch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai. — Miscellen. — Diainanl-Räthsel. — Aritomogriph (Hebr.) — Räthsel-Auflösungen. Mit der heutigen Nummer beginnt ein neues Quartal. Wir waren während des abgelaufenen Vierteljahres redlich bemüht, die jüdisch-nationale Sache zu fördern und können demnach hoffen, daß die P. T. Abonnenten Ihre gesch. Sympathieen auch fernerhin . uns .erhalten werden. Zugleich bitten-wir jeden Gefinnuygsgenossen, alles Mögliche aufzubieten, um.unsere Zeitschrift zu verbreiten, denn in ihrer Verbreitung liegt auch ein stärkeres Durchgreifen des erhabenen Gedankens, für den wir kämpfen. DieNedaction der Zeitschrift „S e t b st - E m a n c i p a t i o n!“ verjudung—Lnljudung. Nehmen wir ein antisemitisches Blatt, eine antisemitische Brochüre zur? Hand, hö.en wir die Ncde eines autisemitijchen Parlameiitsredners, io wirb uns immer und immer wieder das Wort „Ve.judung" entgegenblicken, cntgegeuschall-n. In den seltsamstnr Bildern und in geradzu orientalisch übertreibenden Phantasien gefällt sich da Literatur und Rhetorik der Jünger Hamans. Deutschland und Ungarn sind zu Neu-Judäas geworden, die größten Kirchen der Christenheit sind bereits aus dem. Punkte, in Synagogen umgewalidelt zu werden, und III stets greller werdenden Farben malt die antisemitische Poesie. Uns will es scheinen, als ob die Antisemiten in der Thal das Nichtige ahnen würden, als ob sie eine dunkle Empfindung dorthin drängte, wo der Urgrund des unbequemen Verhältnisses zwischen Juden und Nichtjuden zu suchen ist. Aber ihre vmurtheilsvolle 'Blindheit läßt sie nicht zur Wahrheit gelangen. Statt von „Verjudnng der Nicht-Juden" sollten sie von „Entjudung der Juden selbst" sprechen, sie würden damit den Nagel auf den Kopf treffen.; Der Jude, der sich zu assimiliren sucht, legt zuerst — dafür spricht eine tausendenfältige Erfahrung — die herrlichen, erhabenen Eigenschaften seines Stammes ab; so bleibt ihm vom Judeuthnme nichts, als dessen unleugbaren, nationalen Schattenseiten. Mit diesen, die jetzt um so stärker in ihm walten, weil ihnen das Gegengewicht der Tugenden fehlt, ausgerüstet, tritt er au das fremde Volksthum heran. Wie ist es nun anders möglich, als daß die schon vorhandenen jüdischen Mängel kräftig. die nichtjüdischen anziehcn.'bis endlich eine „harmonische" Verschmelzung, eine „Assimilirung" beider Gattungen erfolgt? Diese miteinander vennählieu Fehler lassen nun durch, ihre Verbindung wirklliigsvoller, nichtjüdische Tugenden schon gar nicht aufkommen. Das Resultat ist: Eine Fülle von Mängeln und ein gänzlicher Mangel an Vorzügen. So werde» dann die sogenannten Assimilirten, die doch vermöge ihrer dem jüdischen Stamme eigenen Intelligenz einen bedeutenden Einfluß auf ihre christliche Umgebung auszuüven befähigt sind, und diesen nicht in heilsamster Weise ausüben, zu wahren Trägern des antisemitischen Anstecknngsstosfes. Die „V e r j n d u n g" ist etwas Secundäres; das Primäre, die Ursache des ganzen antisemitischen Krankheitsprocesses ist die „Entjudung". Während die Berjildung etwas ist, woran die Juden im Grunde nicht schuld sind, weil es unbewußt geschieht, ist die Entjudung ein Ueb.l, dessen Verantwortung sie zu tragen haben, da sie bewußt dasselbe fördern. Die „Entjudung" ist eine eminente Gefahr für Staat und Gesellschaft, weil sie eine Zwitter-Race ausbildet, * eine Gruppe von Staatsbürgern schafft, die weder Juden »och Deutsche oder Slaven zu sein verstehen, von beiden Theilen aber die Fehler in sich aufnehmeu. Wir rufe» also de» Ajsimilanten zu: „Haltet ein mit Euren traurigen Bemühungen! Sie sind nicht blos entehrend für unfern Stamm, sie werden nicht blos, wen» es wirklich dem jüdischen Volke bestimmt sein sollte, unterzugehen, in den Augen der Nachwelt unsere letzten Tage mit dem Brand- und Schandmale der Gesinnungsniedrigkeit, der Feigheit, der elenden Schwäche stempeln — sic sind auch gegen das gerichtet, was Ihr über Alles zn stellen vorgebet, gegen die friedliche, gedeihliche Fortentwicklung der Staaten, in denen wir wohnen, gegen das Wohl unserer Mitbürger, denen Ihr ja Brüder sein wollet. WF* Die nächste Nummer erscheint am-18. Mai. "WS

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