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Selbst-Emancipation · 1885-04-17 · Heft 6 (17.4.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 6 (17.4.1885)
Date
1885-04-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Selbst - Emaneipalio n! Nr. 6. Todes auf dem Schlachtfelde, sondern eines unwürdigen, Verächtlichen sittlichen Todes, dem daun der physische Unter« gantz folgt. M. L. (Weitere Artikel folgen.) GhroniK. (LaS Tentral-Sheber in Lemberg) besitzt im Allgemeinen eine vorzügliche Einrichtung; es besteht aus IS Abtheilungen für IS Melamdim, die bereits ihren Beitritt erklärt haben. Jede Abtheilung besteht auS zwei Zimmern, das eine für den Melamed, das zweite, welches mit Kanzel und Schulbänken versehen ist, für den deutschen Unterricht. Die SV. Abtheilung bildet das Berathungszimmer. (Zur uugarischeu Oberhaus-Reform.) Die Szegediner israelitische Cultusgemeinde hat au das ungarische Abgeordnetenhaus eine Petition gerichtet, dahingehend, den von» Oberhause eliminirten Paragraph in der Gesetzesvorlage über die Oberhaus-Reform, welcher von der Vertretung des Judenthums handelt, in den Gesetzentwurf wieder aufzunehmen. — Ob die Petition ihren Zweck wohl erreichen wird? — (Der akademische verein „Kabtmah" iu Wien) ist von Seiten unseres großen und edlen StammrSgenossen S i r M» s e s M o n t e s l o r r mit einem Schreiben beehrt worden, in welchem derselbe dem Vereine für die ihm anläßlich der Vollendung seines hundertsten Lebensjahres dargebrachten Glückwünsche herzlichst dankt und zugleich den Wunsch ausspricht, der Verein möge bei der Verfolgung seiner erhabenen Ziele von dem Segen Gottes geleitet fein. In einem beiliegenden Schreiben entschuldigt der Secretär des hochverehrten Philantropen die lauge Verzögerung der Antwort mit besten Unwohlsein. *) — Seit 18. April d. I. befindet sich das Locale des Vereines „Kadimah": II., Herminengaffe Nr. 10, 1. Stock. Daselbst findet nun Samstag den 18. April um 6 Uhr Abends eine außerordentliche Plenarversammlung mit der Tagesordnung: „Fortsetzung der Statutenänderung, Eventualia", Dienstag •ben 21. und Donnerstag den 30. April um dieselbe Zeit Wahtbesprechungen und endlich Samstag den 2. Mai ebenfalls um 6 Uhr die 5. ordentliche Plenarversammlung mit der Tagesordnung: Rechenschaftsbericht, Neuwahlen, Ewntualia, statt. (Der Gesandte der „vereintsten Staaten" Nordamerikas tu Marokko), dem Lande der größten Judenverfolgungen. hätte abberufen und durch einen Gesandter«, welcher der jetzt an's Ruder gekommenenen demokratischen Partei genehmer wäre, ersetzt werden sollen. Auf Gesuch der marokkanischen Juden, für die der jetzige Gesandte sehr viel wirkt, hat Präsident Eleveland davon Umgang zu nehmen versprochen. (Herr Dr. Rabe« Vierer), bisher k. k. Gerichtsarzt in Lemberg, der bekannte Vorkämpfer der jüdisch-nationalen Sache in der Metropole Galiziens, hat ernen R«rf nach Serbien erhalten, dem er am Ende des vorigen Monates gefolgt ist. Herr Dr. Vierer wird als kgl. Bezirksarzt in Masotinee wirken. Hoffentlich wird er auch in Serbien Gelegenheit finden, seinem Volke zu nützen. (Die Affaire Stieglitz) hat ein Seite»,stück bekommen. Die Tochter des evangelischen Gärtners Morgenstern in Krakau ist von^hemselben Pater Eberhardt in jjDMjuf genommen töorVÄ», auS der er sie nicht enlaffen -will. Morgenstern hat sich ebenfalls an Dr. Bloch gewandt, -Vier die rrothwendigen Hchritte gemacht hat.. — DieauSwärtigen Journale, fpeciell aber die deutschen, besprechen J*) ErperdleM mvä-ntz« werden, daß iu de« Wappen . - .»»P » J «in 8?we und ela Hirsä littet«, ans der mir' h e b v ä'l s ' ' geschrieben steht. bestuven,' die h e n Schrtfi-Sgen in äußerst scharfen Worten die Affairen Rachel Stieglitz und Morgenstern. Wir müffcn es aus preßgesetzlichen Gründen unterlassen, die Auseinandersetzungen der betreffenden Zeitungen zu citiren, corrstatiren jedoch, daß sich die Entrüstung iir erster Linie gegen Pater Eberhardt wendet. Diese Journale können ihre Verwundern»« darüber nicht unterdrücken, daß dieser — Herr noch nicht längst hinter Schloß und Riegel fitzt. (Unverzeihliche Nachlässigkeit.) In dem Kulparkower Krankenhause bei Lemberg starb jüngst eine mittellose, jüdische Frau. Da in dieser Ortschaft kein israelitischer Friedhof vorhanden ist, verständigte der Direetor der obgenannte,» Anstalt de» Cultus-Gemeinde-Vorstand. ferne, den Rabbiner und das Comitä des Vereines B’nei L’wajah. in Lemberg von diesem Vorfälle mit der Aufforderung, die Leiche demnächst abzuholen und nach jüdischem Ritus auf dem Lemberger Friedhofe beizusetzen. Der Verein B’nei L’wajah nahm sich dieser Sache an, verlangte jedoch vom Cultusgemeinde-Vorstande einen Beitrag zur Bestreitung der verhältnißrnäßig bedeutenden Uehertragungskosten. Die Vertreter des Cultusgemeirrde-Bnrstandes wollten aber keinen Beitrag bewilligen, versprachen jedoch, diese Angelegenheit selbst zu ordnen, da die Wahrung derartiger Rituale ihrer ausschließlichen Fürsorge obliege. War geschah nun? Da die Beisetzung einer jüdischen Leiche auf einem jüdischen Friedhof« weder mit der P o lo ni s iru n g noch mit der A ssi m i li ru n g, noch mit irgend welchen anderen, Irrungen, der Gemeinde im Zttsammenhange steht, so hielten die Lemberger CultuSvorstrher die fragliche Angelegenheit für unbedeutend und legten sie, wie vorauSzufrhen war, ad acta. Die jüdis ch e Frau wurde demnach auf dem christlichen Friedhose in Kulpurkow bestattet. (Josef Rabmowicz.) der Gründer der Sekte „Weit* Israel,, soll den russisch-orthodoxen Glauben angenommen und die Erlaubniß erhalten haben, in der Kirche im jüdisch-deutschen Jargon zu predigen, um die unteren Schichten der jüdische», Bevölkerung zu gewinnen. Die Nachricht ist mindestens mit großer Vorsicht auszunehmen. — Rabinowicz soll auch die Absicht haben, seinen Sitz von Kischenrw nach Warschau zu verlegen. (Sine Anzahl jüdischer Polen ftj) hat sich an die russische Regierung mit der Bitte gewandt, ihre Namen in polnische umändern zu dürfen. Sieht «an überhaupt von der Lächerlichkeit einer solche,t Namensänderung ab, so muß man doch ein solches Ansuchen bei der jetzigen Russificirungspolitik der russischen Regierung als höchst naiv betrachten. (Proeetz Ritter.) Am 14. April langte beim LaudeSgeeichte ein staatSanwaltfchaftlicher Antrag ein mit bqdeutenden Ergänzungen der Untersuchung gegen sämmtliche Beschuldigte im Proteste Ritter. Zum Untersuchungsrichter wurde ernannt der Vorsitzende der letzten Hauptverhandluyg, LaudeSgerichtSrath Lubaczek. (Blutbeschuldignngen.) Das diesjährige Peßachfest brachte eine ganze Reihe von Blutbeschuldigunge»», welche zeigen, wie der Geist früherer finsterer Jahrhunderte immer tiefer in die Volksschichten dringt. In Remet-Lipcze (Ungarn) sagte am 20. März ein Christenmädchen auch zwei Juden hätten sie in einen Keller, wohin man sie gelockt habe, mit Messern empfangen und sie wärenur durch schleunige Flucht dem Tode entgangen. In Folge Mer erlogenen. Aussage brachen Exc-ffe aus, die erst durch requirirteS Militär, und Gendarmen unterdrsiK Derben konnten. Nach den Schurken, die dem Mädchen. die^Agssage eingelernt, wird behördlicherseits gefah,idet. — Ln Krgfau bemerkte am 2«. .v. M. ein jüdischer Bäcker. der vo? fti,»em Geschäfte stand, wie ein Mann und sine Frau- Pie, .Kn -Kind an der Hund führend, -in . ein Nachbarhaus gingen, bald darauf ohne dasselbe wieder hrraOkaMn. DO fiel ihm auf. Sr hielt die Beiden an, es wurde Polizei Molt

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