Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 5 (3.4.1885)
- Date
- 1885-04-03
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Selbst -Emancipation! Nr. 5. hier in Palästina,, wo Mix, wie Duja weißt, geboren und erzogen .wurden, verleidete und nach.Europa zog. Dort hat.ihnndie Liebe. zum Mammon erfaßt und das.aus Ihm gemacht, was er jetzt ist." „Würdest .Du mir nicht, einmal seine.Geschichte genau erzählen wollen, Vater? Du hast-, das..noch nie gethan und mich würde sie sehr interessiren." . «Mit^Vergnügen! Unsere..Eltern zogen .ein Jahr, vor meiner Geburt aus . Charkow nach Jerusalem; es. hatte sie ein frommer Drang hiehergetrieben. Da wurden wir, Jacques oder Jacob, .wie er damals hieß, und ich, geboren. Wir wuchsen in der physisch und psychisch dumpfen Athmosphäre unserer Umgegend auf und doch bemächtigte sich unserer ein Gefühl der Unlust an dem in ganz einseitiger Weise nur der Religion gewidmeten Leben, ein Gefühl der Scham über, das Bettelbrod. das wir aßen. Mich trieb dieses Mißbehagen nach dem Heimatlaude unserer Eltern, nach Rußland, wo es mir gelang, mir ein bescheidenes Auskommen zu verschaffen, .während mein Bruder den Westen Europa's. aufsuchte. War ich jedoch ledig in die Fremde gezogen, so hatte Jacques bereits Weib und Kinder, als er einige Jahre nach mir, zunächst Jerusalem und bald darauf Palästina, verließ. Er hatte ein wunderschönes Mädchen geheiraiet, dessen.Eltern erst vor Kurzem in's heilige Land gekommen waren. Man nannte dieses Mädchen nur „Schön' Sorele". Sorele war auch klug, sehr klug, so daß man in Jerusalem damals, wie mir mein Bruder nach seiner Verheiratung schrieb, sagte:'So schön und klug wie.Sorele Ra—" der alte Mann begann plötzlich, mitten im.Erzählen zu husten — „So schön und klug wie Sorele Rafaelowitsch!" wiederholte.er, nachdem sich der Hustenanfall gelegt hatte. - Simjon's Augen funkelten, sein .Gesicht röthete sich vor innerer Erregung. Narrte..ihn dieser Merkwürdige Zufall oder führte er ihn auf.die richtigeSpur? Es durchzuckte ihn blitzartig der Gedanke, daß er unmitlelbar vor der Lösung des Räthsels stehen durste, welches ihn in den letzten Tagen, verhältnißmäßig stark, beschäftigt hatte. .Inzwischen.war.der alte Rafaelowitsch in seiner Erzählung. fortgefahren. „Sorele gebar meinem Bruder zwei Kinder, mnen Knaben, Benjamin, nnd eine Tochter, Mahel. Unmittelbar nach, der, Geburt der letzteren übersiedelten die Eheleute nach Jaffa, da . Jacques erklärte, es keinesfalls weiter -in Jerusalem unter den Frömmlern und Nichtsthuern aushalten zu können. Er hatte.sich schon in Jerusalem durch Selbststudium einige.-Bildung angeeignet und diese verhalf ihm in Jaffa zu einem Posten als Geschäftsleiter in einemLandlungehause. So lebte er. einige Zeit glücklich mnd zufrieden mit seinem Berufe. Doch es sollte nicht lange dauern: Das/Handlungshaus, in dem-er beschäftigt war, fallirte, mein Bruder verlor seinen Posten. Alle Anstrengungen, einen neuen zu erhalten, blieben erfolglos. Im Hause meines Bruders begann der . Hunger das Regiment zu führen. Was. thun? Zurück .nach. Jerusalem konnte er nicht, .denn mau. hätte ihm, ..dem Abtrünnige», dort nicht .mehr das Chaluka-Geld zukommen, lassen — auch hätte er es.nicht wehr über, sich, gebracht, in das. Bettelleben , zurückzükehren. Da entschloß. er .sich,..nach Europa zu. gehen.und dort, sein Glück,zu. versuchen. Für. Frau-.und Kinder ver- .sprächen mehrere .mildherzige Nachbarn, einige Zeit., zu sorgen; man verschaffte meinem Bruder das Reisegeld, und. so nahm er Abschied von Frau und,Kindern. ..indem ■. er die Hoffnung aussprach, daß es ihm bald gelingen werde, sie Nachkommen zu lassen. Es vgrgiggemWochen,-rMonate," keine Lstuhrichtkam von,dem..in .die weiteMelt-.G.ewandLkten. Die .geüftgstjgte'Irau.kies..täglich .mit./ihrem; .jüngeren' Kinde . am Arme zur"Pöst, um hier nochzujrggen. '/So-.war^sie einmal Lrüh.Morgens weggegaiigey, .ohne..wieder nach Lause-.zu' kommen.. Sie! halte.den kleiuen,Begjamin^daheim gelassen und die kleine Rahel mitgenommen. Das, eifrigste Suchen nützte: nichts, - es gelang nicht,. die Frau : und das kleine:. Mädchen zu finden. Erst - nach einer Woche fand man Sorele's Leichnam,, den,das?Meer während der Ebbezeit an einem entlegenen 'Orte des Strandes ansgespült hatte. Den Leichnam des Kindes fand man zwar nicht, doch muß eS ja ebenfalls im Meere, umgrkommen sein, da es noch nicht selbst gehen konnte, sondern von der Mutter getragen werden mußte." Der alte Rafaelowitsch unterbrach sich ein wenig in seiner Erzählung; Simjon's Gesichtsmuskeln hatten ihre eiserne/Ruhe verloren, sie waren in lebhafter Bewegung. Sollte er errathen haben, was ein unlösbares Räthsel geschienen? „Ja so muß es sein, aber es gilt den Beweis zu erbringen und das ist schwer," murmelte er. „Erzähle weiter, Vater!" fügte er hinzu. „Ich habe nicht viel mehr zu erzählen. Einige Tage, nachdem Sorele's und ihres Töchterchens trauriges Ende bekannt geworden war, kam ein Brief mit dem Wiener Poststempel. Er war von meinem Bruder : Jacques hatte Glück gehabt in Europa,, denn er schickte Geld ein, welches seine Frau, dazu verwenden sollte, die "Kosten, welche sie ihren guten'Freunden verursacht hatte, zu ersetzen und für sich Und die Kinder den Ueberfahrtspreis nach Europa zu bezahlen. — Es blieb nun nichts Anderes übrig, als meinem Bruder die traurige Kunde mitzutheileu. Daraufhin kam er selbst nach Jaffa, besuchte das Grab seiner Gattin, nahm dann seinen kleinen Benjamin mit sich und fuhr nach Wien zurück. Wie er dort zu seinen Reichthümern gelangt und ein so hartherziger Egoist geworden ist, das kann ich nicht sagen. 'Wie Du wohl wissen wirst, hat er dort noch einmal geheiratet, seine zweite Frau, die ihm eine Tochter schenkte, starb aber ebenfalls bald." Rüben Rafaelowitsch hatte seine Erzählung beendet. Simson saß einige Zeit schweigend da, endlich frug er:' „Und weißt Du nicht, wie Sorele, die erste Frau des Onkel Jacques ausgesehen hat?" . „Nein, ich kann Dir nur soviel sagen, als ich Dir schon gesagt habe: Sie war wunderbar schön — ja eine Brünette, soviel weiß ich — das mit ihr verunglückte Töchterchen soll ihr sehr ähnlich gesehen haben. Doch was kann Dich dasAlles interessiren?" (Fortsetzung folgt.) (Sin ©man cipnier* / Skizze von' Mardochai. (Fortsetzung.) „Ich.war durch acht. Tage ohne Dein. Wissen, jeden Tag Vormittags-eineStundc und Nachmittags zwei Stundeu. beim Lerrn Lammer und erleruteHülsen machen. Jetzt will mir /Herr Lämmer. Arbeit, nach Hause geben?' .Und diese..Arbeit begann. Zehn, zwölf Stunden und mehr saß das elfjährige Mädchen und. arbeitete. So. verdiente .sie zwei Gulden wöchentlich! Und diese zwei Gulden bezahlte sie Mit?einer freudlos verlebten Kindheit, Mit endloser Mühe und endloser Entbehrung./Dazu kam die Sorge um' ihre , jüngere Schwester. ... Der Gedanke . ' ihre Schwester werde auch so - arbeiten, müssen, kirß /sie nicht ruhen. . ... ..Mi.rjam war dreizehn. Jahre .alt geworden, ihreSchwester zählte.acht. . . ./.Da--faßte? sie den. Entschluß, sich..uach. lohnenderer?Arbeit, ümzuschauen. . . ..'/Eine'Nachbarin .arbeitete' in Stickereien. Zu - dieser .nun ging'Mrjam, um. von/ihrrzu.' kernen. .'Ab/r? die , ^Hlflsenarheit" "durfte darunter/nicht? leiden. .Etwas/,früher stusstehen, etwas'.länger in die'Nacht'hineinarbeiten uyd die.' Zeit flwd/sich. . . . Menn.man juyg .ist, ..trägt .sich dar Ms. leicht! "Nach Mehreren Monaten Mar Mi.rjam eine » der ^gewandtesten