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Selbst-Emancipation · 1885-04-03 · Heft 5 (3.4.1885) · p. Seite 11

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 5 (3.4.1885)
Date
1885-04-03
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Selbst-Em an cipation! Seite 11 Stickerinnen ihres Städtchens nnd sie war in der Lage, bei TageSmühe und Nachtwachen vier Gulden wöchentlich zu verdienen. Sie hatte einen großen Triumph errungen. . . . Ihre Schwester konnte durch ihre Anstrengung aller Arbeit enthoben werden und . . . die Träume Mirjam's gingen in Erfüllung: ihre Schwester besuchte die Schule und studirte. Zwei Jahre verflossen ohne irgend welchen Vorfall von Bedeutung. Mirjam's Schwester hatte große Fortschritte gemacht und unterwies in freien Stunden, deren es selbstredend nur wenig gab, Mirjam in alle Geheimnisse, in welche sie in der Schule eingeweiht wurde. . . . Und da Mirjam älter war und bereits Manches vom Hörensagen gesprächsweise gelernt hatte, so kam es ihr leicht. Vieles aufzufassen, was ihrer kleinen Schwester unsägliche Mühe .gekostet hatte. Eines. Tages ereignete sich etwas, was auf das SchicksalMirjam's den größten Einfluß ausübte. Ein Handlungsreisendcr einer größeren Wiener Firma fand an den Stickereien Mirjam's Gefallen, entdeckte in ihr ein großes Talent für Zeichnen und Handarbeiten . . . und da das Haus, das er vertrat, just in Weißwaaren arbeitete, so schlug er der armen Witwe vor. sie möge ihre Tochter nach Wien schicken, er werde für ihre Fachbildung und ihr Unterkommen sorgen. Aber Mirjam's Mutter konnte ihre Tochter nicht von sich geben, da ihr Verdienst einen Haupttheil der Einkünfte der Familie bildete. Und so entschloß sich der Handlungsreisende, die ganze Familie nach Wien übersiedeln zu lassen, insbesondere, da er auch für Mirjam's Mutter passende Arbeit hatte. Wie uun die Familie ausgebeutet wurde, welch' bittere Kämpfe sie zu bestehen hatte — das zu schildern, würde zu weit führen. Genug, Mirjam war in Wien und blühte zu einem reizenden Geschöpf heran. . . . Natürlich setzte ihre Schwester die Studien fort und alles ging vor sich in ebenem Geleise. Jahre gingen hin. Mirjam's Schwester war bereits in einer Fachbildungsschule für Buchhaltung. ... Da erkrankte die Mutter und nahm für sich alle Zeit und Arbeitskraft beider Kinder derart in Anspruch, daß an ein Iortsetzen des Unterrichtes nicht zu denken war. Die kleinen Ersparnisse der Familie.gingen auf — Alles, was irgend welchen Werth rcpräseutirte, wanderte in's Leihhaus. . . . Die Schwestern nahmen Vorschuß bei ähren Arbeitgebern. Endlich, nach monatelanger Pein und banger Erwartung jedes neuen kommenden Tages, trat eine Besserung im Befinden der Mutter ein — aber es dauerte noch lange — lange, ehe sie thätig mithelfen konnte im Erwerbe für den Haushalt und so war es für Jahre unmögtich, daß Mirjam's Schwester ihre Ausbildung vollende. Auch hatte man viel Schulden zu tilgen und viel Pfänder auszulöse» und man konnte sich nicht Ausgaben gönnen, deren Einträglichkeit, erst nach einem, zwei und vielleicht nach, mehr Jahren zu Tage käme. Und eine solche Ausgabe war ja auch der Schulbesuch von Mirjam's Schwester: entgehende Arbeitskraft und die bestimmten mit dem Schulbesuch verbundenen Auslagen. Mirjam litt darunter am.meisten. Sie sah den ganzen Traum ihres Lebens in nichts zerfließen. Jndeß verzweifelte sie nicht. Es war in ihr ein gut Stück StoiciSmuS; -sie faßte^sich und suchte nach Auskunftsmitteln. Um bekannt zu werden und Kundenfür ihre 'Arbeit zu' bekammen. besuchte sie hie und da iw Gesellschaft der Mutt r Concert- und Tanz-Abende — insofern« natürlich?ihre bescheidene- Verhältnisse-dies erlaubten. Und'so faNd'isie im Bällsaitl'-wohl-nicht''Bestellungen für^Ärbeit, aber Anselm-Maier. (Fortsetzung folgt.) . Miscei'L'en. (Archäologische Forschungen.) Eine englische Gesellschaft, die sich die Ausgrabung der Ruinenhügel nn Delta des Nil zur Aufgabe gemacht, hat diese ihre Arbeit vor Kurzem in Angriff genommen, und zwar zunächst am Tel-el-Maschuta im Wadi-Tumilat (Egypten). Mitglieder der erwähnten Gesellschaft, die sich eines hervorragende» wissenschaftlichen Rufes erfreuen, hoffe» au jener Stelle Reste von Raamses. einer der beiden Städte, welche die Juden während ihrer Knechtschaft in Egypten erbauen mußten, zu entdecken, und durch eventuelle inschriftliche Funde auch die Zeit festzustellen, um welche' diese Städte erbaut wurden, resp. die Juden sich in egyptischer Knechtschaft befanden. (Die Juden in Mesopotamien) bilden, nach den Mittheilunge» eines Reisenden, ein wichtiges und nützliches Element der dortigen Bevölkerung. Sie leben in vollkommenem Frieden mit den Mohammedanern, sind wohlhabend und glücklich und genießen dieselben Rechte und Privilegien. Sie sind mcistentheils Kallfleute, Geldhändler, Goldschmiede, Weber, Schuhmacher rc. Es gibt sehr wenig Arme unter ihnen und sie erfreuen sich seitens der Mohammedaner der achtbarsten Behandlung. Doch müssen die Jüdinnen, falls sie sich öffentlich zeigen, ebenso verschleiert sein wie die Araberinnen, um nicht insultirt zu werden. Darauf sehen die Mohammedaner sehr streng. (Die Juden in Amerika.) Es ist nicht uninteressant, die bisher bekannten Daten über die Verbreitung der Juden in den Vereinigten Staaten zur weiteren Kenntniß zu brilrgen. Es existirten nach übereillstimmeuden „Zählungen" in Amerika im Jahre 1832 12.000 Juden, 1850 18.000, 1870 78.000 und 1877 „schätzte" man bereits 300.000 Juden, von denen 60.000 in Rew.Iork ansässig sein sollten. Der Schriftsteller I. A l e x a n d e r in London gibt aber bereits im Jahre 1870 die Zahl der amerikanischen Juden mit 310.000 an. Die erste Niederlassung von Juden in New-Aork fand im Jahre 1650 (5410 der jüdischen Zeitrechnung) statt. New-Dork hatte un Jahre 1844 vier, 1854 zwanzig und 1873 schon vierzig Synagogen. Kurze Zeit nach der Ansiedlung unserer Stammesgenossen in Rew-Iork constituirte sich eine jüdische Gemeinde zu Rew-Po>l in Rhode-Jsland, deren alter Friedhof mit den verschiedenartigsten Inschriften auf spanischen und dentschpolnischen Ursprung der dort Begrabenen deutet. Alfred Tr u m e b l e stellt folgende Daten über die Zeit der Gründung der hauptsächlichsten jüdischen Gemeinden in den Vereinlgteu Staaten aus: Savannah 1732, Philadelphia 1782 die portugiesische, 1802 die dänische, 1847 die niederländische, 1849 die polnische; Charleston 1791; Richmond Va 1791; Cincinatti, 1819; Baltimore 1823; New-Orleans 1829; Boston 1842; Cleveland, Ohio 1841; Louisville, Kg. 1836; St. Louis 1842; Mobile 1844; August« Gea Columbia S. C. Rorfälk, Ba- und Syracuse R. A, 1866; Buffalo, Chicago, Hartford, Mvntgomery Ala 1847; Pittsburg und S. Francisco 1849, — Der Beschäftigung nach recrutiren sich die amerikanischen Juden hauptsächlich aus folgenden Branche»: Journalisten, Kaufleute, Juweliere, Spengler, .Tischler,.Schneider,.Schuster, Buchdrucker, Goldschmiede. Haustrer, Taglöhner, Lastträger rc. rc. Aber auch unter den Soldaten findet man einen größeren Pereentsatz jüdischer: Nationalität. — Im Großen und Ganzen gehl es den Juden nichtsweniger als gut. .Me.haben, mit.großen. Entbehrungen: zw.kämpsen. (Das „Betfr häkbaroth“ iuderPrager Josefstadt.) wird von vielen Weiten als der älteste jüdische Friedhof in

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