Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 5 (3.4.1885)
- Date
- 1885-04-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 5. S el b st - E m a n c i p a ti o u! wir denn eine mehr ideal angelegte Natur als in dem grau bärtigen Kadimahner Dr. Vierer. Wir. Jugend, halten einen Namrn eines Dr. Vierer hoch in Ehren! Er lebe hoch!-Hoch! Hoch!" Herr Dr. Vierer sichtlich gerührt, dankte mit thränenerstickter Stimme, einem Jeden besonders für die ihm erwiesenen Sympathien. — Das Glockensignal ertönte . . . Noch eine Umarmung; noch ein Händedruck und . . . L'UIberg ward seines Verfechters der jüdisch-nationalen Sache beraubt. Srez Israel. Odessa, 25. März 1885. Der Sommer naht heran und mit ihm beginnt die Auswanderung nach Palästina auf's neue. Fast mit jedem Schiffe, das von Odessa »ach Jaffa abgeht, wandern einige jüdische Familien aus Rußland aus, ,nm sich im Lande ihrer Väter unter dem Schutze Seiner Majestät des Sultans ein ruhiges Heim zu gründen. Der Umstand, daß gänzlich mittellose Familien von der Auswanderung mit allem zu Gebote stehenden Mitteln zurückgehalten weiden, ist als befriedigend in jeder Hinsicht zu bezeichnen. Meiner aufrichtigen Ueberzeugm g nach dürste die türkische Regierung entgegen der hier und da auftauchenden Meinung niit allen Mitteln die jüdische Einwanderung in Palästina begünstigen. Die Judu machen sich keine Träume lvon einer politischen Selbstständigkeit des jüdischen Stammes auf dem Boden siner Urväter. Die Jude» suchen in Palästina nichts als unter dem Schutze eines gnädigen Monarchen, wie es Seine Majestätder Sultan ist, ein Heim zu finden, ein Heim, w o N i e m a n d w a g e n d ü r f t e, ihnen den drolligen Bor Wurf zu machen: „Hier seid Ihr Fremd l in ge!" Die türkische Regierung dürfte nur als conditio sine qua non von den Ansiedlern verlangen, türkische Staatsbürger zu werden und die Einwanderung der Judeir kann für das Wohl des türkischen Reiches im Allgemeinen und Palästina's insbesondere nur nutzbringend sein, nutzbringend in jeder Hinsicht, selbst in politischer. Europäer nehmen an Zahl von Jahr zu Jahr in Palästina zu und wie man weiß, sind Europä-r die ve>läßlichsten Stützen der osmanischen Herrschaft in Asien. Also, wo sind die Interessen, welche durch die Einwanderung der Juden in Palästina verletzt weiden sollten? Ich wiederhole: Alle zurechnungsfähigen Juden machen sich keine Träume, sie wollen in Palästina nichts weiteres als nur treue Unterthaiien Seiner Majestät ves Sultans auf dem Boden ihrer Ahnen s>in und sich unter feinem gnädigen Schutze rin ruhiges Heim gründen. Leon Schwarz. (Ter Standpunkt der „Zionsfreunde".) Der „Woschod" und der „Jzraelita", ersterer eine russisch-nationale, lctzterer eine polnisch-nationale jüdische Zeitschrift, die eine in St. Petersburg, die andere in Warschau, scheinen die traditionelle Abneigung ^der Russen gegen die Polen und umgekehrt vergeffen zu haben, wenigstens haben sie sich in der Bekämpfung des jüdisch-nationalen Gedankens und der Coloniiationsidee sreundschaftlichst zusammeiigefunden. Der „Hamelitz" weist nun die haßerfüllten Angriffe dieser Blätter zurück und wendet sich namentlich gegen deren Insinuation, als wollten die „Zionssreunde" ein neues jüdisches Reich schaffen. Er dcfinirt den Standpunkt der „Zionssreunde" ungefähr in folgender Weise: 1. Es ist eine Nothwenoigkeit, daß die Juden wieder wie die anderen Völker auf den Ackerbau ihre Existenz basiren. 2. So lange das in den Geburtsländern nicht möglich ist, ist es nothwendig, einen anderen Ort dafür zu suchen. 3. Es gibt keinen geeigneteren Boden hiefttr, als das heilige Land — aus den mannigfaltigsten materiellen und ideellen Gründen. 4. Das Gelingen der Agiicultur-Colouisation in Palästina wird bewirken, daß auch unter den Juden anderer Länder der Ackerbau Platz greifen wird und wo dies nicht gestattet ist, die betreffende» Regierungen sich veranlaßt sehen werden, es zu erlauben. — Das ist der Standpunkt der „Zionsfreundc"; müdem, was eine ferne Zukunft bringen kann, beschäftigen sich praktische Männer nicht. (Der Verein „Esrath Nidachim") in Jerusalem feierte am 23. Adar die Einweihung zweier neuer für die arabischen Juden am Oelberge erbauter Häuser, sowie die Grundsteinlegung zum Baue von sieben weiteren Hänsrrn. (Der Palästina-Colonisationsgedanke in Sibirien.) In Omsk (Sibirien) hat die Colvnisasions-Jdee unter den Juden Wurzel gefaßt. Es wurde dort dem Rathc des „Hamelitz" gemäß die Spenden gelegentlich des Aufrufens zur Thora am Simch as-Thora-Tage dem Zwecke der Colonisation gewidmet. Von einem gleichen Vorgang in Taschkent (Centralafien) haben wir bereits in einer früheren Nummer erzählt.- Literarisches. (^itcraturbrief an eine Dame.) „Sie haben mich, geehrte Frau, aufgefordert, Sie auf gute Erzählungen aus dem jüdischen Leben aufmerksam zu machen. Ich komme hiemit Ihrem Wunsche nach, indem ich Sie auf den Roman „Thamar" von A. Mapu (aus dem Hebräischen von Dr. .Mandelkern) Hinreise. Sie, die Sie mit der uational-jüdischen Bewegung sympathisireii, werden mit um jo größerem Vergnüge» dieses Werk lesen, als cs uns in unsere einstige herrliche Heimat versetzt, uns unsere älteste Vergangenheit mit berückenden Farben malt. Lebendig wird dann alles Schöne und Herrliche, das wir einst besaßen, vor Ihrem geistigen Auge vorüberziehen, denn der Verfasser verstand es, dies mit plastischer Meisterhaftigkeit zu malen. Aber wer ist der Verfasser? werden Sie fragen.? Wer ist dieser A. Mapu? Fürwahr, nicht auf den Leselischen eleganter Salons liegen seine Werke auf. nicht aus den Schaufenstern der Buchhandlungen gucken sie hervor. Map« ist ein hebräischer Schriftsteller, ein armer Jude, der in Wilna gelebt, der das unglückliche Los aller hebräischen Schriftsteller getheilt. Wollte ich Ihnen von dem Schicksale eines hebräischen Schriftstellers erzählen, ich müßte ein 'gar trauriges Lied anstimmen. Genug, Mapu gehört zu den Ersten unter den Erzählern und sein Roman „Thamar" ist eine währe Perle der Erzähluiigskuiist. Und wenn Sie erst unsere herrliche hebräische Sprache verstünden und sehen könnten, welche herrliche Diction Mapu einen war! Wie er die Sprache neu belebte und rührende Accente anschlug! Lesen Sie dieses, von Dr. Mandelkern gut übersetzte Werk mit Aufmerksam, ftit und Sie werden gewiß viel mehr zufrieden sein als bei der Lectüre von Zola und. Conso rien. B r o d y. Herin. Menkes. (Ein Mahnruf an das arbeitende Volk.) (Die Arbeiter und der Antisemitismus. Von Dr. Fried. Elbogeu.j Preis 5 kr. Durch alle Wiener Buchhandlungen zu beziehen. Der'Verfasser dieser kleinen Brochnre, die sich zumeist durch kraftvolle Diction auszeichnrt, geißelt, indem er freilich vom streng socialistischen Standpunkte ausgeht, den Antisemitismus in scharfer Weise. — Das Weikchen hat einen so reißenden Absatz gefunden, daß soeben eine zweite Auflage erschienen ist. tzingesendet. Smolensky ist nicht mehr! - Peter Smolensky, der Vorkämpfer fürseine Glaubensgenossen und für die heilige Sprache, . ruht.seit