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Selbst-Emancipation · 1885-04-03 · Heft 5 (3.4.1885) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 5 (3.4.1885)
Date
1885-04-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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N>. 5. Se (bst- Emanci Pa t i o n! Seite 3 an unsere großen M ä n n e r ist wahrlich noch k e i n e S e l b st v e r h i m m l n n g, wie die „Unv. D. W." schreibe». Wie seltsam nimuit sich's übrigens aus, wenn Leute von „Selbftverhimmlung" spreche», die diese selbst en gros betreiben, die gerade dadurch die Größe der deutschen Nation, welche allgemein anerkannt ist und anerkannt werden wird, so lange man Großthaten des Geistes und der Kraft bewundern wird, zu verkleinern bemüht sind Offener Brief von Abraham Konstantinowski in Odessa an Herrn Professor Franz Delitzsch in Leipzig. (Aus dem Hebräischen übersetzt.) Nicht einer der Glücklichen, die Euer Hochwürden bekannt sind, auch nicht eine in der literarischen Welt Namen habende Persönlichkeit, wage ich es dennoch, vor Euer Hochwürdeir mit viesein meinem Schreiben, einem uiigeladenen Gaste gleich, zu erscheinen, als ein einfacher Mensch, als Einer der Tausende im Volke Israel, die Sie verehren und von der Quelle Ihrer Weisheit mit großer Gier schöpfe», seit Sie den Kampf der Wahrheit gegen unsere gefährlichen Feinde und Verleumder ausgenommen baben. Ich hege die Hoffnung, daß Sie auch mich anhören und die Wahrheit von mir sowie von einem Jeden annvhmen werden. Es wiid Euer Hochwürden wohl nicht unbekannt sein, daß seit einer kurzen Frist, wo die Bosheit und die muthwillige Verleumdung in manchen Ländern die schönsten Blüthen treiben und höllische Ungeheuer aus ihren Verstecken hn vorkriechen, um Israel mit böswilligen Anwürfen zu überhäufen und es auf einmal zu verschlucken, — daß seit dieser Frist die Scribler in unserer Mitte zunahmeiu Fast ein Jeder versucht es, zu rathen, wie, womit und wodurch man zum Heile gelangen könnte. Je mehr die Antisemiten mit ihrer Tücke und Verblendung in allen Landen uns verfolgen und eines jeden Volkes Literatur mit der Blutfiage pro und contra überschwemmt wird — desto mehr wird die. jüdische Literatur mit Erzeugungen solcher Art überhäuft. Allein wie auf einem Blumenbeet nicht selten auch Unkraut wuchert, so fanden sich leider in der Mitte unserer Schriftsteller und Prediger auch kurpfnscherische Aerzte und falsche Propheten, von deren Existenz bis nun Niemand wlißte und die sich unter normalen Verhältnissen, auch wenn sie die Jahre Methusalems erreichen würde», nie zu einem Namen in der literarischen Welt, rveder im.günstigen noch im ungünstigen Siitne, aufgeschwnngen hätten. — Nur weil uns jetzt Gott unnatürliche Wunden geschlagen, kroch auch dieses Gewürm hervor, um da>an zu nagen; die falschen Propheten kommen geschäftig, dieser mit seinem Krug, jener mit seineni Eimer, um unser Blut zu schlürfen, das gleich einem Wasserfall unaushaltsam strömt. Hier fanden sie die passendste Zeit und die beste Gelegenheit, unter der Maske der Liebe zu ihrem Volke, zusammen mit den aufrichtigen und wahren Freunden desselben zu erscheinen, nur um ihre Taschen zu füllen. Diese Freunde zeigen sich unermüdlich in der Erfindung von Mittel», mit denen sie uns wiederherzustellen gedenken, uns dem gänzlichen Verderben zu entreißen suchen, dieser mit der Reformation unserer Religion, jener mit der Lehre der Assimilation und der gänzlichen Auflösung des jüdischen Stannncs. So kam dieses Ungeziefer auf das literarische Gebiet zu unserer ewigen Schmach., Wer könnte noch so einfältig sein, nicht zu sehen, daß diese neu entstaudeneu Scribler .nur 'Blendwerk t> eiben und ihre Religion nur als Axt benützen, mit der sie nach. Schätzen graben wollen?, - Aus der Menge dieser giftgeschwollenen Jnsecten will ich nur drei hervorheben, und zwar den Karaiten Äordin aus Elisabethgrad, den Lehrer Friluker, den Neu- Israeliten in Odessa, und den Advokaten Josef Rabinow icz, den Inden-Christen aus Kischenew. Diesem Triumvirate ist es bis nun nicht gelungen, sich die erwartete Würdigung zu verschaffen, höchstens daß sie ein mitleidiges Lächeln erregen. Nur Josef Rabinowicz, der durch sein letzterschienenes Werk: „Bikure Teenah.“ die Aufmerksamkeit eines der berühmtesten Gelehrten unserer Zeit, auf dessen Freundschaft wir nicht wenig stolz sind, auf sich lenkte, die Euer Hochwürden nämlich, und der sich auch einbildet, wegen der Uebersetzung seines Werkes auch die Misfionsgesellschast in London für sich zu gewinnen — hat es dadurch unstreitig verdient, daß sein Vorhaben einer Kritik unterzogen werde. Nun will ich ihn vor Allem fragen: Hat er wirklich so aufrichtig gestrebt und geforscht, daß sich der Himmel vor ihm anfgelhan und er mit offenen Augen die Gottheit geklärt und räthsellos sah, war es der Geist der Liebe zu seinem Volke, der sich seiner bemächtigte und ihn, einem der heiligen Propheten gleich, dazu drängte, ohne Rückhalt Jacob ob seines Vergehens, Israel ob seiner Sünden zu tadeln? Stammt nun sein Bestreben, uns zum Protestantismus zu bekehren, aus reiner, heiliger Uebezeugung her, warum ließ er sich dann nicht früher geheim taufen, wie es sonst die Missionäre thun, die aus Ueberzeugnng z» einem anderen Glauben übertreten, um dann erst, den Namen Gottes verkündend. Andere zu beglücken, getreu dem Spruche: „Uebezeuge Dich zuerst, bevor Du Anderen lehrst." — Warum hüllt er sich in den Mantel der unauslöschlichen Liebe zu seinem Volke, gibt er vor, dem Elende seines Volkes ein Ende bereiten zu wollen? Damit sich der Grimm der christlichen Nationen gegen uns lege, sei die erste Bedingung, daß w>r nicht mehr mit solcher Hartnäckigkeit uns der christlichen Religion entgegenstemmen. Hier legt er also ein indirectes Geständniß ab, daß es sein Ziel sei, die blinde Wuth zu hemmen und Israel vor de» blinden Ueherfällen des Pöbels gesichert zu wissen. Wer kann noch hier blind sein und nicht bemerken, wie er einerseits die christliche, andererseits aber die jüdische Bevölkerung bestechen will, um zwischen den beiden sich entgegenstehenden Religionen — Christenthum und Judenthum — einem Mäkler gleich nur des Lohnes halber ein Mittelding ausfindig zu machen? Warum zog er den Protestantismus der in unserem Lande herrschenden russischen Kirche vor? Sind wir doch ans russischem Boden und unsere Feinde hier auch nur Russen! Der antisemitische Pöbel hier besteht weder aus Britten noch aus Deutschen; wie will er uns also Ruhe und Frieden verschaffen unter den schützen Flügeln eines Bekenntnisses, das weder unseres noch das unserer Feinde ist? Sollen wir dadurch sie versöhnen? Werden wi/dadurch zu einem Volke uns verschmelzen, so daß Subarin, Pichna, Ljutostansky und Asmidoff ihre Schwerter zu Pflugeisen und ihre Wurfspieße zu Sensen umwandeln und ihr verderbliches Handwerk nicht fortsetzen werden? Wer wird Thor genug sein, um jetzt nicht einzusehen, daß dieser unser Freund der englischen Mission sich zugesellte, weil ihr ungeheuere Schätze zur Versügung stehen und er einen seines Betruges würdigen Lohn erwarten konnte. Die griechisch-orientalische Kirche aber, was könnte sie ihm bieten? Leer würde er kommen und leer davon gehen; da würde er auch das goldene Kalb, vor dem er sich beugt, unmöglich finden. So ist nun seine Sympathie für die evangelische Kirche und sei» Liebäugeln mit dem Protestantismus, dem er vor allen anderen älteren christlichen Consessionen den Vorzug gibt, zu erklären. (Fortsetzung folgt.)

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