Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 4 (16.3.1885)
- Date
- 1885-03-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4. Selbü-Emancipotion! äußerst zahlreich besucht und nahm einen glänzenden Verlauf. — Der israelitische Leseverei», welcher hier in allen Kreisen beliebt ist, verdient außerdem volle Beachtung, weil er sich hauptsächlich auch die Pflege der jüdischen Literatur als Ziel gesetzt hat. Grez Israel. (Zahlen sprechen.» — Die Vereine, welche ihren Anschluß an den „Montefiore-Verband" bis heute angemeldet haben, geben bereits eine stattliche Anzahl und legen Zeugmß dafür ab, welch' reger Begeisterung und ungeheurer Theilnahme sich diese herrliche Idee erfreut. So haben sich nicht weniger als e i n u n d f ü n f z i g Zweigvereine (18 größere und 33 kleinere) dem Verbände angeschlosse», und zwar die Vereine in Augustowo (100 Mitglieder mit 300 Rubel Jahresbeiträgen), Berdiansk (100 M., 500 R.), Berefin (140 M., 600 R.), Bialystock (300 M.. 2000 R.), Bielsk (100 M., 300 R.), Bodki (80 >1U., 200 R.), Borissow (150 M.. 400 R.), Braynsk (80 M., 220 R.), Brest-Litowsk (400 M.. 1200 N.), Charkow (150 M., 1200 R.), Disna (80 M., 300 R.). Dünaburg (160 M., 500 R.), Grodno (150 M., 600 R.), Heidelberg-Baden (Mitgliederzabl noch unbekannt), Jekaterinöslam (400 M., 1500 R.), K^ttowitz - Oberschlesien nebst 3 Ortsvereinen <250 M.. 700 R.), Kieff (300 M-. 1500 R.), Kletzk (100 M.. 250 R), Kobelick (120 M-, 500 R.). Kolo (100 M., 300 R.), Kowno (800 M., 1800 R.), K>enientschng <200 M., 800 R), Lodz (200 M., 900 R.). ^London (noch unbekannt), Meseritz-Polen (80 M., 300 R.), Minsk (300 M.. 1200 R.), Miro (80 M., 400 .R.), Mohilew-Podolks (150 M.. 400 R.), Moskau (300 M., 3-4000 R.), Nikolajew (300 M.. 900 R.). Odessa (300 M., 1800 R.). Orla (70 M., 180), OsÄmin-y (100 M., 250 R.), St. Petersburg (80 M.. 800 R.), Pinsk (150 M., 600 R.). Plock (100 M., 400 R.), Poltawa (200 M., 1200 R.). Prusani (80 M-, 300 R.), Riga (500 M-, 2500 R.), Rostow a. Don 100 M., 1000 R), Sabacs-Serbien (nnbek.), Saratow iilibek.), Sluck (100 M7, 400 R), Swienczani (nnbek.), Taganrok (100 Ri., 500 R.), Tarulin-Bessarabien (80 M., 300 R.), Ttieodosia-Krimm (100 M. 400 R.), Warschau (550 M., 2500 R.), Wilna (300 M.. 1500 R.), Wirballen (40 M.. 150 R.). Woronesch (75 M., 550 R.), Zagoren (200 M., 500 R.). — Diese Vereine repräsentiren demnach eine Mitglieoerzahl von nahezu 10 000 mit Jahresbeiträgen von ca. 40.000 Rubeln, eine Summe, welche dllich Specialsannnlungen rc. wesentlich erhöht wird. Außer diesen 51 Vereinen bestehe» in Rußland noch circa 40 auf dem gleichem Boden stehende, deren Anschluß an den Montefiore-Verband nur eine Frage der Zeit ist und sicherlich sehr bald Thatsache sein wird. Der geradezu großartige Erfolg, den die Agitation, trotz der Ungunst der Verhältniffe, bisher schon gehabt hat, gibt die sichere Gewähr, daß die Bestrebungen in immer weiteren Kreisen Boden fassen werden, und daß die Ziele und Aufgaben des Montefioreverbandes trotz aller Denunciationen und Verdächtigungen realisirt werden. (In Liverpool) dürfte sich, wie Herr B u r m a n n an die Londoner „Zionsfreunde" berichtet, in nächster Zeit ein „Palästina-Colonisations-Verein" bilden. (Die Fanatiker des Müßigganges) in Jerusalem haben sich zuiammengethan und einen offenen Brief verfaßt, der, in alle Weltrichtungen verschickt, Gift und Galle speit 'gegen die Colonisations-Jdee und ihre Anhänger. — Es wäre schon endlich Zeit, auf Mittel;u sinnen, wie man diesen elenden, erbärmlichen Wichten, die unter der Maske der Religion alle Judengemeinden der Welt besteuern und brandschatzen, um ihre eigenen Taschen zu füllen, das Handwerk legen könnte; es wäre aber überhaupt schon Zeit, die Atmosphäre der heiligen Stadt und des heiligen Landes non den Miasmen einer frommen Nichtsthuerei zu befreien. „Bete und arbeite!" aber nicht „Bete und faullenze!" lautet das bekannte Sittengebot. (Colonie Rifchon Lezion.) Wie der „Hazewi“ in seiner Nummer vom 5. Avar 1816*) berichtet, berechtigt diese Colonie, deren Zukunft bis vor Kurzem eine ungewisse war, jetzt zu den schönsten Hoffnungen. Die Colonisten haben eingesehen, daß der Anbau von Getreide auf diesem Boden nicht genügende Resultate werde liefern könn-n und sie wandten, ohne den Feldbau zu vernachlässige», eine größere Aufmerksamkeit dem Weinbaue und der Viehzucht zu. Die Aussichten sind die besten. In vier Jahren dürfte schon der Ertrag des Weinbaues die Bedürfnisie der Colonisten decken; bis dahin sorgt der bekannte Wohlthäter für sie. Auch Olivenbäume. Ethrogbäume und Mandelbäuine werden gepflanzt. In Kurzem wird die frühere Wüstenei in ein kleines Paradies umgewandelt sein. (Colonie Samarin.) Wie wir in der vorigen Nummer berichtet haben, ist bereits die Erlaubniß zum Häuserbau in dieser Colonie ertheilt worden. M-in begann nun sofort mit dem Balle von zehn Privathäusern, ferner einer Synagoge, einer Schule, einer Apotheke, eines Hauses für den Arzt und eines für die Cultusbeamten der Colonie. — Der bekannte Förderer der Colonisation Palästiua's hat, da sich der Boden von Samarin nicht als hinreichend für alle Colonisten erwies, den Auftrag zum Ankauf eines angrenzenden Stück Feldes gegeben. (Verbot der jüdischen Einwanderung in Palästina.) Der Redacteur des „Hamagid“ hat sich an den türkischen Generalkonsul mit der Anfrage gewendet, ob sich der neueste Erlaß der Pforte bezüglich der jüdischen Einwanderung in Palästina auf alle Inden beziehe oder blos auf gänzlich mittellose Einwanderer. Die Antwort des Generalconsuls erfolgte im zweiten Sinne. Es steht also der Immigration kapitalskcäftiger Leute nichts im Wege und es ist auch für die Zukunft des Cölonisationsgedankens heilsamer, wenn vermögende Leute nach Palästina kommen. In Rußland sieht man dies auch ein und ziemlich oft gehen Züge von wohlhabenderen Auswanderern von dort ab. Gingesendet. Ans S t a n i s l a u kommt uns folgende Zuschrift zu, die ihr Schreiber „Worte des Herzens" nennt und die wir ihres bezeichnenden Inhaltes wegen gerne veröffent- Wie ein milder, erfrischender Luftzug durchwehte es mein Gemüth, als ich die Lectüre des Berichtes über die in so solenner und würdiger Weise vom ehrenwerthen Vereine „Kadimah" begangene Makkabäer-Feier begonnen hatte. Mit wahrer Begeisterung und immer gesteigerter Spannung habe ich die zünvenden Reden gelesen und gerührt, erquickt und gestärkt habe ich die schätzbare Broschüre aus der Hand gelegt. — Es ist nicht nur die herrliche fast- und kraftvolle, stylistisch vollendete Sprache, die mich so sehr entzückte und hinriß, sondern vielmehr und zumeist die innere ungeschminkte und unverleugbare Wahrheit, die in diesen Worten wohnt; die tiefgefühlten und wohlbegründeten Ueberzeugungen, die so muthig und offen zum Ausdruck kommen, die packende Energie und der rege Eifer, der aus dem rastlosen idealen Streben des ehrenwerthen Vereines, seiner schwierigen und großen Aufgabe gerecht zu werden, hervorleuchtet — dies ist es, was mich so wohlthuend berührte und begeisterte. *) Der in Jerusalem erscheinende „Hazewi» zählt die Jahr« seit dem Untergange des jüdischen Reiches.