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Selbst-Emancipation · 1885-03-16 · Heft 4 (16.3.1885) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 4 (16.3.1885)
Date
1885-03-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 S e l b st - E m a n c i p a t i v u! N'. 4. auch begeisternd wirkte. Wir trauerten um de» Dahiugeschiedene», weil er, so lange er unter uns gewandelt, mit allen Waffen des Geistes und der Uederzenguilg und mit Hintansetzung aller persönllcheu Interessen für die Wiederbelebung des Selbstbewußtseins unter seinen Stammekgcioffen g>stritten, der einzig und allein darnach g e st r e b l dar, den Funken der Liebe zu ihrem V o l k s t h u m e und seiner Geschichte, der im jüdischen V o l k s h e r z e n nur nochschlu ni merre, inFolgederhie und wieder auftaucheiiden A s s i m i l a k i o n s-, b. h. Abtödtungsversuche des jüdischen Natioualgeistes (Siürmischer Applaus) nur noch verborge» darin glimmte, zu Hellen und l i ch t e r l o h e n Flammen a u zufach e u. auf daß aus dieiir »ur noch glimmenden Asche nationalen Sclbstbewnßtseiils, wie der Phönix verjüngt, ein Israel erstehe, gerragen von der Idee der nationalen Zujaininengevörigkeit, gestärkt durch das stolze Bewusjisein, eine g e in e i n s a m e, „ach Jahrlausendeu zählende glorreiche Geschichte zu haben und mit Hinblick auf diese seine R u h m e.s v e r g a n g e n v e i t, vollkommen berechtigt zur Hoffnung, auch in aller Zukunft nationale Lebenssähigkeit genug zu besitzen, um, ohne sich seiner Lolksindividualilät zu cntöußern, ohne in den anderen Völkern aufgchen zu müffen, mii diesen und neb,u diesen, ja Lebensfähigkeit genug, um — wie bis jetzt -• in den Vorderre Heu derselbe», am Kampfe für die höchsten und edelsten Güter der Menschheit, für Freiheit, Gleichheit und Aufklärung tveilnehinen zu könne». (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Over sollte denn der Stamm des jüdischen Volkes, dessen Wurzel wett im grauen Alterihum liegt und der auch in den Tagen mittelalterlicher Fiusterniß, trotz aller aus ihn einbrausender Stürme in feinem freien Wachsthume nicht aufgehalten werden koniile, gerade in uiijcrcn Tage», wo die Sonne der Freiheit ihm scheint, wo das Lickt der Anlklärung ihm leuchtet, verwelken, verdorren müffen? (B.geisterter Jubel.) Daran mochte, daran konnie Smolcnsky nicht glauben, und diese in seinem edlen Herzen lies wuizclnde Ucbcrzeuguiig von der Unvcrgäiiglichkeit des jüdischen Lollsihnmes, dicies endlose Verlrane», das Smolensky zum gesunden jüdischen Volkschaialler hegic, spricht sich auck in jeder Zeile seiner Schijsien diNtlich aus und j>ine giciizenlose Liebe zu seinem Volke war es. die ihm diese unwiderstehliche, echt Shakeipcare'iche Krajl der Darstellung verlieh, die ft ine Feder oft zum scharsschneidigen Schwene weide,, ließ, dessen Schälse er, ohne Ansehen der Person, — gegen Diejenigen kehrie, die dem jüdischen Volke den historischen Boden zu entziehen und es zum moralischen M a s s e n s e l b st m o r d e zu v e r l e i i e ii versuchen. (Stürmischer Beifall.) Das Sprachrohr aber, durch das Smolensky zu uns redeie, war dasselbe, durck das nutete Propheien zu uns gesprowen, als sie uns Heil uns Ruhm vei kündete» und der Ausdruck, dessen Smolensky sich bediente, so k>ästig und überzeugend als edel u»v erhaben der Gedanke, den er in densclbcn gefaßt. — Und darum lasset »n S trauern um ihn, den wir verloren und um die, die i h » n i ch r verloren. (Freneiischer, nicht endcnwollendcr Bciiall.) Tenn nur den Wenigslcii hat bis jetzt Smolensky gelebt, die Wenigst,» hatte» Vcrständniß für die Erhabenhiit fcimr Zte>, dieWenigsien Silin für die Schönheit seiner Sprache. Und doch hat ja Smolcisiy nur eine Idee zum Ausdruck gebracht, die auf alten vöil.rplychologijchen und hisiorijcheu Ersayrnngen beruht, die Idee von der Unvergänglichkeil des B^> l l s l h u m e S, die Idee von der Unausroltbart.it des SlatiouatgefüyleL ^Beifall), wen» selbst mit allen Miiteln der V>rhetzuug gegen daSsclbe gekämpjl wird und er hat diese Idee zum Ansvruckc gebracht in der Sprache seines Volkes, u n j e i e S Volles, der Sprache, die — Smolensky Hai es auf das' Glänzendste den iescn — ebensowenig todt ist, o l s d i e j n d , s ch e A a r i o n. (Siüriiijschcr Applaus.) — Aber! Wenn d>e Idee des nationalen Jndcntliumcs unangelochiene und siegreiche Einlehr in alle jüdischen Herzen gehalten haben wird, nun» das dwch die Bande des Blutes und CharalierS zu,animeiigchalrciie jüdische Volk ai.dj anfailgen wird, sich als solches zu sühien und zu eiitiaitcu, und wenn mii der erwachenden Liebe min jüdischen Vollethunie auch die Liebe zur zündenden Sprache des Jesajas wieder erwacht, dann wird in selbe» Maße d,r Name eines oer eijrigsten und cbelsicn Voekämpser der jüdische» Nationalvewegniig dem jüdischen Belle gelänfig, dann wird Peter Smolensky dein ganzen jüdischen Voile belannr iverdeii, das seinen Ideen z » j u d e l n und an seiner prophetischen Sprache sich begeistern wirb! (Siürmiichr. langanyal- „ndcr Beifall und Händcllalsckcn. Redner wird von allen Seilen beglückwünscht.) Nach dieser zündendcn N«de, weiche dieWr-rsammelteii in eine bkgeisrerte Slimmung vrisetzte, wurde das Chorlied „Wvht war einst unserZivnrc." g>snngm. DieGrdächtnißfeier lchioß mit rinim von Hern, B. Ncubauer vorgelragenen Gedichte, für das desien Veisasscr, Heir N.Birnbaum, mit Beifall belohnt winde. Das Groichl lautet:. Zcm Tlndenlren Verez Smolensliy's. Zion fiel — uud seine graingebeugten Söhne zogen Aus dem Vaterlande, über Berge, über Meereswogen, Auseinander, weit, nach Ost und West, nach Nord und Süd Uud ach, üb'rall zog stets ihres Stammes Unglück mit. Jäh zerrisien und in alle Zonen hin versprenget, In dem Lauf der harten, rauhen Zeiten hin- und hergedränget, Schien aus diesem Volk gewichen jede Lebenslust, Jede Hoffnung schien erstorben ganz in seiner Brust. — Doch nur schien es, denn der Drang nach Einheit, Freiheit lebte Immer fort, und still, geräuschlos wirkend er nach außen strebte; Dieser Drang war's, welcher jenes Mannes Größe schuf, Den wir heut' beklagen — ach, nicht weckt ihn unser Ruf. Ja, Smolensky war es, der mit seinem Adlerblicke Hat zuerst den Grund erfaßt von seines Volkes Mißgeschicke, War's, der seinem Volke die Heilesbotschaft hat gebracht: „Auf vom Schlcne, Brüder, schon ist's Zeit, daß Ihr erwacht!" Ja, Smolensky war's, der gottbegnadet, neues Leben In die starr geword'ne Sprache unserer Ahnen hat ge- Der der Neuzeit regen Geist belebend hat gehaucht In die herrl'chen Laute, die Jesaias Mund gebraucht. Ach, nun ist Smolensky, der Hebräer, hingeschieden, Er, der nimmermüde Freiheitskämpfer, fand den ew'gen Frieden. — Juda, fühlst Du, ahnst Du ganz, wie schmerzlich der Verlust. . Daß so frühe dieser Mann zu seinen Vätern mußt'? Ja, Smolensky, der Hebräer, weilt nicht mehr hienieden, Doch der Geist, der ihn beseelte, der ist nicht dahingeschieden, Und die Flamme der Begeist'rung, die er angefacht, Diese heil'ge Flamme lodert fort und fort mit Macht! Diese Flamme tief im Herzen lodernd zu erhalten, Was Smolensky hat gefühlt, gehofft, zur Wahrheit zu gestalten, Das sei unser mühsalüberwindend Streben jetzt, Sei das Denkmal, das ihm der Hebräer Jugend * sktzt. Vom jüdischen Studeiiteuvereine „Huinanitas" in Graz langte eine Depesche ein. worin dieser Verein seine lebhafte Theitnahme ausvrttckte. Dieselbe wurde mit lebhaften Pcositrufen ausgenommen. An die Adresse der „Ojczyzaa.“ Eine irrt!) ü m H cf) r, wenn nicht sogar böswillige Entstelliiiig der Tbatsachen ist es, unsere Zeitschrift von Herrn Dr. Bloch inspirirt zu erklären, stehen wir ja nicht einmal auf demselben politischen Standpunkte wie der Abgeordnete von Kolonie«; aber dies scheint die Herren von der „Ojczyzna“, welche nicht sehr wählerisch in ihren Mitteln sind, wenig anzufechten. Wohl geben wir zu, daß wir trotz dem Organe der „Agudas Achim“, welches diesem Volksvertreter, weil er kein „Nur — Assimilant" sein will, nicht besonders hold ist und das Mandat lieber in den Händen eines Anhängers

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