Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 4 (16.3.1885)
- Date
- 1885-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Selbst EiilllimMilln! Zeitschrift imtinnnltn, fottalnn und politischen Interessen des jüdischen Stamnirs. Krscheint zu Anfang und Witte jedes Monats. wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? Nr. 4. Wien, 16. März. Jahrgang 1885. Aedllltilln nah Administration: Wien. II., ßajlellezgalfe 8. Sprechstunde: Täglich von 5 Uhr Nachmittags Unfrankirte Briese werde» nicht angenominen und Manuscripte nicht retournirt. i—... -.G Abonnements - Preise: (Postgusendunz inbegriffen.) Für Oeslerr.-Ungarn: Ganzjährig kl. 3.60 Halbjährig „ 1 80 «i-rieljähr. -.90 Deutschland: . . Ganzjährig Mk. 0.80 Halbjährig „ L.30 Li-rieljähr. .. 1.80 „ Rußland : ... Ganzjährig Rbl. Halb,ädrig 2.— „ die übr. Länder: Ganziähr. FrrS. 9.— Haldjähr. 4.00 Bierieljähr. „ 2 25 BV~ Inserate eilig». Inhalt: Gedächtnissen: des akademischen Vereines „Kadimah" sür Perez Smolensky. — An die Adresse der „Ojczyzna“. — Chronik. — Korrespondenzen. — Erez Israel. — Eingesendet. - Literarisches. — Coniniereielles. — Brieskasten der Redaction. — Korrespondenz der Administration. — Inserate. — „Die vier Becher". — „Simson Rasaelowiisch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai. - Miscellen. — Silbenräthsel. — Charade. — Räthsel. — Anslöinng des Arithmogriphs aus Nr.' 3. — AuflSsung des Räthsels aus Nr. 3. SMg" Da wir jetzt endgiltig die Auflage unseres Blattes^ststellen wollen, so sehen wir uns genöthigt" von der folgenden Nummer ab nur an jene P. T. Herren Abonneitten die Zeitschrift eiuzusenden, die "entroeder den Abonnementsbetrag erlegt, oder mindestens durch Correspondenzkarte das Abonnement angemeldet haben. Die Administration der Zeitschrift „S e l b st - E m a n c i p a t i o n." Wien, II., Castellezgasse Nr. 8. Gedächtniß-Feier des akademischen Vereines ^Kadimah" für Perez Smolensky. (Original-Bericht der „Selbst-Emancipation!") Der Wiener akademische Verein „Kadimah" veranstaltete Donnerstag den 12. d. M. um 8 Uhr Abends in Khuner's Saale eine Gedächtnißfeier für den jüngst verstorbenen hebräischen Nationaldichter Perez Smolensky. Große, schwarznniränderte Plakate hatten an den Hochschulen die Trauerfeierlichkeit angezeigt, so daß sich neben den cingeladenen Familien auch eine ansehnliche Anzahl Studenten eingefunden hatte. Der Vereinspräses. Herr stud. med. S. Burg eröffnete die Feier mit einer warmgefühlten Ansprache, in der er die Bedeutung des Dahingeschiedenen in kurzen Zügen hervorhob. Darauf hielt Herr stud. phil. I. Kopelowitz einen mit großem Fleiß und anerkcnncnswerther Ausführlichkeit ausgearbeiteten fast einstündigen Vortrag über den Lebensgang und das Wirken Perez Smolenski's, der sehr beifällig ausgenommen wurde. Das von Herrn stud. phil. M. Stengel verfaßte und vorgetragene hebräische Gedicht „An den Bächen Babels" fand den lebhaftesten Beifall und wurde der Verfasser und Deklamator vom Publicum aufgefordert. das Gedicht auch in deutscher Sprache vorzutragen. Die Uebersetzung steht dem Originale nicht nach. Der Tod Perez Smolensky's wird in dem Gedichte sehr schön mit dem Reißen einer Saite an der Harfe der jüdischen Poesie verglichen. Den Glanzpunkt des Abends aber bildete unstreitig die von Herrn stud. jur. S. H a l b e r st a m m gehaltene Rede, ein wahres oratorisches Meisterstück, gleich ausgezeichnet durch Inhalt, Form und Vortragsweise. Hier ihr Wortlaut: Hochverehrte Anwesende! Wir haben uns heute hier zusammengefuuden. um die Mauen eines Mannes zu ehren, der erst vor Kurzem ans den Reihen der Lebenden geschieden und dessen Name bis heute vielleicht nur den Wenigsten unter den hochverehrten Trauergästen bekannt gewesen ist. War es nun aber der hebräische Schrift st eller Peier Smolensky, dessen Andenken wir heute eoram pndlioo feiern wollte», war es der bedeutende jüdisch- Literat, dessen segensreiches und fruchtbringendes Wirken wir hier anerkennen und preisen wolllen? Die Verdienste des Dahingeschiedenen um die Ausbildung der hebräischen Sprache, die sich nnter seiner Feder neu zu verjüngen und ihre lebendige Urkraft wieder zu gewinnen schien, können allerdings nicht hoch genug angeschlagen werden und kein Neid darf es wagen, mäkelnd an dieselben beranzutreten; die lebhaft bewegten Schildernngen, die uns Peter Smolensky aus dem jüdischen Volksleben lieferte, dem jüdischen Volksleben, in das er — wie Keiner — so frisch hineinzugreifen und stets da zu packen verstand, wo es am interessantesten war, habe» ihm unzweifelhast einen Platz neben den geistreichste» und amüsanteste» Charakterzeichner» gesichert — und all' dies böte wohl Grn-iid und Anlaß genug, daß das Andenken Peter Smolensky's in einem jüdischen Literatnrvereine, der sich die Pflege der hebräischen Sprache zur Aufgabe gemacht, in gebührender Weise gefeiert werde! Was veranlaßte nun aber u n s, heute das Andenken des Verblichenen öffentlich zu ehren, was uns, jüdische Hochschüler, zu einer öffentlichen Kundgebung der Trauer über das Ableben Peter Smolensky's und, was machte denn gerade den Verein „Kadimah" heule mehr als je zum korum competena über das Leben und Wirken eines dahingcschiedenen hebräischen Schriftstellers? Doch nein! Gerade Niemand war mehr verpflichtet, dem Verblichene» eine Throne der Dankbarkeit zu weihen, als die Mitglieder dieses Vereines, die Mitglieder des Vereines „Kadimah". Denn wir beklagten heute nicht de» Verlust eines hebräischen Schrift st ellers; wir verloren in Smolensky, was wir nur in ihm besaßen, einen jüdischen Schriststeller, einen jüdischen Schriststeller trat' oxootiön, einen jüdisch-nationalen Schriftsteller. (Lebhafter Beifall.) Wir beklagten den Verlust eines Mannes, der mit jeder Faser seines Herzens am jüdischen Volksthume gehangen, eines Schriftstellers, dessen Schriften vom Hauche der reinsten und glühendsten Liebe zu seinen Srammesgenoffen durchweht sind, eines D i ch t e r s, der sür den Gedauken einer jüdischen Nationalitäl selbst auf's edelste begeistert Die nächste Nummer erscheint am 3. April.