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Selbst-Emancipation · 1885-03-02 · Heft 3 (2.3.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 3 (2.3.1885)
Date
1885-03-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3. S e l b st - E m a n c i p a t i o n! Seite 5 icoth zu bemalen, um damit anzuzeigen, daß sie zur rothen (liberalen) Partei gehören. Es gab aber nicht genug Maler und Farbe im Orte, welche es den Juden ermöglicht hätten, diesem Befehle nachzukommen. Diejenigen, welche aus diesem Grunds der Verordnung nicht entsprechen konnten, wurden zur Polizei vorgeladen und mit Knutenchieben arg zugerichtet. — Judenanstreibnngen kommen fast täglich in vielen Orten Rumäniens vor. — Und da entsetzt sich noch ein Correspondent eines jüdischen Wochenblattes darüber, daß die Schulzengnisie der jüdischen Schüler in Rumänien den ungeheuerlichen (!?) Absatz enthalten: mosaischer Religion, jüdischer Nationalität., So sehr geht es dem besagten Correspondenten zu Herzen, daß ahm die Ehre versagt ist, als Ncu-Nömer betrachtet zu averden? Es gibt doch gar komische Käuze! (Adoptivjuden) In S a n A n t o 11 i o inTexas chat sich eine Secte „Adoptivjuden" gebildet. Die Mitglieder, Christen von Abstammung, verwerfen die Dogmen der christlichen Religion. Sie halten den Sabbath, wissen sonst nichts von jüdischen Gebräuchen, sind jedoch über die jüdischen Zustände gut unterrichtet. (Brutalität.) Ans E i d l i tz bei Komotan in Böhmen kommt uns die Nachricht zu, daß daselbst am 20. v. M. -26 jüdüche Einwohner von excedirendem Pöbel thätlich bev-oht und sogar am Eigenthum geschädigt wurden. Die Anstiiicr dieser „Heldenthat" lvurden bereits verhaftet und dem strafenden Arme der Gerechtigkeit übergeben. Eidlitz zählt im Ganzen 1630 Einwohner, worunter 150 Juden. (Die Anglo-Jewish-Association) hat beschlossen, da die Nachrichten über die Lage der Inden in Marokko immer trauriger welden, ein Gesuch an die englische Regierung zu richten, sie solle durch ihren Gesandten in Marokko bei der dortigen Regierung zu Gunsten der unterdrückten Inden interveniren. Der Minister hat versprochen, daß, sobald sich die Klagen der marokkanischen Inden bestätigen, der Gesandte angewiesen werden würde, sich beim Sultan für die Inden zu verwenden. Hedächtnißfeier für Smolensky in Lemberg. (Original-Correspondeuz der „Selbst-Eiiiailcipation!") Lemberg, 22. Februar. Der Verein „Llilrra Kodesch“ veranstaltete am Vorabende des 7. Adar anläßlich des Ablebens unseres verdienstvollen Stammesgenossen und Hebraisten Perez S in o l e n s k y eine Gedächtnißfeier. Die hiezu verwendeten geräumigen Localitäten der Ersten israelitischen Hauptsch ule vermochten nicht die Zahl der Gäste zu fassen, so daß viele Personen sich im Vorhause postiren, andere dagegen den Heimweg antrcten mußten. Der Saal war angemessen und feierlich decorirt und insbesondere fiel den Eintretenden die Nednerkanzel in's Auge. Dieselbe war mit einem schwarzen Tuche bedeckt, auf welchem ein großer Partezettel in hebräischer und deutscher Sprache angebracht mar. Ebensolche Plakate waren auch an den Straßenecken der Stadt befestigt worden. Unter den Gästen wurden Programme mit Trauerrändern vertheilt. Gegen 7 Uhr betrat der Vereinspräses, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Kodak die Kanzel und hielt dem Dahingeschiedenen in einer längeren, gediegenen und streng wisienschaftlichen Rede einen würdigen Nachruf; er hob vorzüglich zwei nachahmnngswücdige Charakterzüge des Verblichenen hervor, d. i. seine Wahrhaftigkeit und seinen Kampf für das nationale Indent hum. Diesem letzten Punkte hauptsächlich widmete der Redner eine längere Auseinandersetzung und sprach dabei so vom Herzen und zum Herzen, daß man sich unwillkürlich an llnsere großartig.' Vergangenheit erinnerte und unserer ZnkuuftshoffuulHe» gedachte. Der stürmische Beifall, der den Worten des Redners folgte, läßt sich durch tobte Buchstaben kaum ausdrücken. — Die hierauf vom Verfasser, Herrn Osias R o h a t i n e r in hebräischer und deutscher Sprache vorgetragene Elegie auf den Tod Smolensky's fand ungetheilte Anerkennung. — Es declamirten sodann die Herren Jsak Feld und Carl Stand eine Scene aus dem Halm'schen Drama „Camöens" mit solcher Verve und Begeisterung, daß die enthusiasmirten Zuhörer ihre Beifallsbczeugungen gar nicht beendigen zu wollen schienen. Zum Schlüsse sprach Herr Dr. B ie r er. Anknüpfend an die politische Lage der Fractionen im jüdischen Lager wies Redner nach, wie sehr der Verlust eines Smolensky zu beklagen sei, der den Muth und die Macht hatte, den assimilatorischen D e f o r m a t o r e n ein donnerndes Halt ziizurufeii. Den Angriff auf Mendelssohn, welchen man dem Dahingeschiedenen so übel genommen hatte, suchte Nedirer durch folgende herrliche Allegorie zu rechtfertigen: Ein Landedelmann vertrante sein Kind einem städtischen Erzieher. Letzterer bekümmerte sich jedoch um seinen Zögling blutwenig. Diese Gelegenheit benutzten einige boshafte Strolche und persönliche Feinde des Landedelmannes, ergriffen einst den schuldloseil Knaben uild mißhandelten ihn so grausam, daß derselbe von nun an kränkelte und augenscheinlich dahinsiechte. Der Erzieher merkte es, doch schwieg er still. Als aber die Uiiterrichtsfrist zu Ende war, kleidete er den junge« Mann in moderne Gewänder und schickte ihn zu seinem Vater zurück. Der Landeledelmaiin erkannte jedoch bald die Gefahr, in der sein Sohn schwebte und zog einen gewissenhaften Arzt zu Nathe. Dieser erschien, riß dem Jünglinge die modernen Lumpeuhülleu vom Leibe uub fand seine ganze Haut von Eiter unterlaufen, dessen Quellen bis in's iiinerste Mark der Knochen gedrungen waren. Solch' ein Arzt für den siechen Körper Israels sei auch Smolensky gewesen. Ec riß das moderne Gewand der Assimilation, mit der Mendelssohn den wnndenbedeckleu Leib unserer Nation bedecken wollte, herlliiter und entdeckte die Eiterbeulen, deren Heilung er sich zilr Lebensaufgabe machte. Es braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden, daß diese Worte mit jubelndem Applanse begrüßt worden. L.a. Für die Hinterbliebenen Sinolensky's. Herr Prof. S. Heller richtet an den „Wiener Israelit" folgendes Schreibe»: „Herr Redacteur! Am 4. l. M. begrub man auf dem kleinen Meraner Friedhöfe jüdischer Abtheilniig eigen der bedentendsten Männer unseres Jahrhunderts. Peter Smolensky war ein unerschrockener Apostel für Wahrheit und Freiheit seiner nach Millionen zählenden Glaubensgenossen in Rußland uild Galizien, ein Prophet, der ein Jahrzehnt vor Ausbruch der anti- >einiiischen Greuel dieselben mit vollster Bestimmtheit trotz des Culturdnnkels, in dem die Meisten sich wiegten, vorhersagte; ein R i e s e n g e i st, der aus eigener Kraft sich die Schätze der Weltliteratur erwarb, um seinen Schöpfungen jenen Stempel der Classicität anfzudrttcken, der sie selbst in die Weltliteratur einreiht. Wer weiß das? Denn wer liest die Sprache der Bibel in ihren herrlichen Qnadratlettern und in dem noch herrlicheren Tiefsinn, in der markigen Gedankenkraft, die sie kennzeichnet? Peter Smolensky war ein Märtyrer seiner Ueberzeugnug. Ein geborner Ruffe und schon mit 15 Jahren ivegen seines glänzenden Styles dazu berufe», unter den ersten Dichtern und Denkern Rußlands, dessen Sprache er vollkommeu beherrschte, zu leuchten.

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