Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 3 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3092672-3092673-3092676--0034-3092956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Selbst-Emancipation! zog er es vor, in einer todten Sprache die lebendigsten Ideen zu entfalten und ein Wegführer seines in alle Welt zerstreuten Volkes zu werden. Sein großer Geist Überfall die gemeine Wirklichkeit mit ihren unei bitterlichen Forderungen. Seine rastlose und verzehrende Arbeitslust zog ihm ein unheilbares Kehlkopf- und Lungenleiden zu; er starb im 44. Lebensjahre, und im bittersten Elend hinterließ er ein treffliches Weib und fünf kleine unversorgte Kinder. Ihr Blatt, Herr Redacteur, erfreut, sich einer weiten Verbreitung. Gute Menschen gibt es überall, bei allen Völkern, in allen Glaiibensbekeniitnisse»; uns Juden rühmt man als besonders wohlthätig. Vielleicht haben diese Zeilen die Kraft, lautere und wohlwollende Herzen zu bewege». Vielleicht entschließt sich Mancher zu einer Liebesgabe, auch die kleinste soll mit dein wärmsten Dank entgegeiigenomnien Werden. Vielleicht entschließen sich die Corporationen und einzelnen Menschenfreuiide, welche den lebenden Smolensky im letzten Jahre seines Lebens unterstützte», die gleiche Unterstützung jährlich seiner unglücklichen Witwe und seinen hilflosen Kindern angedeihen zu lassen. Vielleicht ließe sich rin „Smolensky-Fond" bilden, aus dessen Erträgniß die armen Waisen erzogen werden. Ein so ausgezeichneter, nur dem Höchsten zngewandter Schriftsteller, wie Smolensky es war, verdiente wahrlich, daß ihm wenigstens jenseits des Grabes Gerechtigkeit widerfahre." — Wir haben diesen Brief des Herrn Prof. S. Heller an den „Wiener Israelit" auch in unserem Blatte veröffentlicht, weil wir der Anregung des Schreibers vollkommen zustimmen und ebenfalls fühlen, daß etwas gethan werden müffe für die Hinterbliebenen des großen Todten Smolensky. Mögen die gefühlvollen Worte des Freundes des verewigten Schriftstellers von Wirkung sein. Die Redaction erklärt sich bereit, etwaige Spenden entgegenzunehmen und auszuweisen. Srez Israel. Wir haben auf Anregung einer größeren Anzahl von Abonnenten die Neuerung getroffen, daß von dieser Nummer ab der größeren Uebersichtlichkeit halber alle die Colonisation sowie die socialen und politischen Verhältnisse Palästinas berührenden Notizen, Correspondenzen u. dgl. unter eine eigene Rubrik: E?ez Israel vereinigt werden. Die R e d a c t i o n. (Der Moutefiore-Verband) der „Zionsfreunde" ist durch einen Ortsverein in London vergrößert worden. Präsident ist Herr E. Berg. Die Adresse des Vereins ist: I. Berg, Esq., 32. Jenny St. Aldgate, London. (Herr Eliah Scheid), erster Secretär der Alliance Israelite Nouvelle in Paris und Bevollmächtigter des bekannten Wohlthäters, der die Stütze der meisten jüdischen Colonien Palästinas ist, hat im Monate Jänner eine Reise durch Palästina gemacht. Von Constantinopel kommend, besuchte er zuerst die Colonien, dann Jerusalem, und zuletzt Jaffa, von wo er wieder die Heimreise nach Paris antrat. -In Jerusalem besichtigte er die Wohnhäuser, welche der rühmlichst bekannte Verein Lsratb Nidachim für die armen arabischen Juden erbaut hat und sprach, nachdem er noch eine größere Summe zum Ankauf von Holz und Kohlen, sowie von Betten zurückgelassen hatte, seine volle Befriedigung über dieses große Wohlthätigkeitswerk aus. Dann besuchte er das anter Aufsicht des Herrn Rabbiners Israel Hurwitz stehende Asyl für Greise und begab sich von dort in das Vereinshaus des Vereines Lsratlli NidacMin, wo er in das aufliegende Gastbuch Worte der schmeichelhaft-sten Anerkennung einschrieb. Darüber befragt, wie ihm die Ackei bau-Colonien gefallen hätten, erzählte Herr Scheid dem Redacteur des „Habazeleth", Herrn Fiumkiii, daß sämmtliche jüdischen Bauern — mit Ausnahme-von fünf russischen Familien in der Colonie Rosch-Pinah —- einen äußerst günstigen Eindruck ans ihn gemacht hätten. Herr Scheid erzählte ferner über die Angelegenheit der Colonie Samarin: Bekanntlich habe die türkische Behörde nach dem Tode,des Herrn Löbl und seines Sohnes, auf deren Namen das Grundeigenthum der Colonie Samarin geschrieben war, dasselbe gemäß dem in der Türkei geltenden Eigenthums- und Besitzrechtes für den Fiscns eingezogen. Er sei nun nach Constantiiiop.'l geeilt, wo es seinen Bemühungen gelungen sei, daß der Oberste Gerichtshof das Grundeigenthnin von Samarin auf Herrn Erlanger den Vertreter des bekannten Palästinafrenndes, übertrug. Am Tage seiner Abreise von der türkischen Hauptstadt nach dem heil. Lande erfuhr er noch, daß die Regierung den Häuserbau in Samarin erlaubt habe. („Kescher Achawa".) Unter diesem Namen gründeten vor Kurzem russisch- und rumänisch-jüdische Emigranten in Paris eine Vereinigung mit dem Zwecke nach Palästina auszuwaiidern und sich dort dem Ackerbau zu widmen. Der Grand-Rabbin von Paris, Herr Zadok Cohen und Herr Scheid, welchen die Emigranten ihre Absicht vorlegten, haben der Sache ihre Mithilfe vei sprachen. (Jnnerasiatische Jude» für die Colonisation Palästinas.) Der „Hameliz", das bekannte, in St. Petersburg erscheinende große hebräische Blatt, das ausgesprochen nnd muthig für Die jüdisch-nationale Idee eintritt. hat, wie diesem Blatte von einem Juden Taschkents geschrieben wird, in dieser entlegenen Stadt Central-Asiens eine starke Bewegung für den Gedanken der Colonisation Palästinas hervorgerufen. Alles Geld, das in der Woche der rParasclia Noach.“ bei Gelegenheit des Aufrufens zur Thora gespendet wurde, wllrde für den Colonisationszweck bestimmt. Ebenso wurde bei der in der dortigen Synagoge veranstalteten Feier des hundertjährigen Geburtstages Sir Moses Montefiore's eine Saininlung zu demselben Zwecke eii'geleitet. Das Ergebniß dieser schönen Acte war ein ansehnliches: 170 Rubel wurden an die Redaction des „Ilameliz" mit der Bitte übersandt, dieselben ihrer Bestimmung zuzuführeil. (Bilu. *) Dieser bekannte, vor zwei Jahren von 300 jüdischen Studenten der Charkower Universität gegründete Colonisationsverein ist unermüdlich in der Verfolgung des sich gesteckten Zieles. Neun Mitglieder desselben habe» sich in G e d e r a h niedergelassen und beginnen daselbst den Weinbau. Sie ließen sich zu diesem Zwecke 4000 Wnnstöcke ans Hebron holen, für die sie 88 Francs bezahlten. (In Riga) hat der Sänger Herr E. Zunser auf Ersuchen der dortigen „Zionsfreunde" zwei Concerte, daseine im Locale des russischen Clubs in der Vorstadt Moskwa, das zweite im Locale des lettischen Vereines gegeben, deren Reincrträgnisse — bei 1400 Rubel — dem Zwecke ber Palästina-Colonisation zugefallen find. — Auf dieselbe Weise hat der Sänger Herr L. Schloßberg in Disna (Gouvern. Wilna) auf Ansuchen des dortigen Zweigvereines des- „Montefiore-Berbandes" die große Sache unterstützt. — Jüdische Kunstgenofleii West-Europas, wo bleibt Ihr?" (Commerziellcr Verein in Jerusalem.) Unter den jüdischen Capitalisten Jerusalems beginnt sich ein Interesse für die Handelsthätigkcit zu regen. Bisher hatten die: reichen Juden der heiligen Stadt ihre Tage im schönsten Nichtsthun verbracht. Daß in dieser Beziehung eine Beffe- * Bilu ist eine Abkürzung aus den hebräischen Worten „B»th Jakob lechuwenelchah!"