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Selbst-Emancipation · 1885-03-02 · Heft 3 (2.3.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 3 (2.3.1885)
Date
1885-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Selbst- E m ancipatio >.! -Ä'. 3. Wir glauben, Vereine, die einen cultnrellen oder Politischen Zweck veifolgen, müssen im großen Maßstabe angelegte sein, sie müssen ferner föderativ aufgebaut sein, wenn sie etwas erreichen sollen. Wir sehen bei anderen Nationen solche Vereine in der höchst»« Blüche und vollkommen ihren sich auferlegten Pflichten Nachkommen. Wofür wir plaidiren, ist die Bildung eines großen jüdischen Schulvereines, der ein Verband sein soll, von vielen kleinen .Ortsvereinen. Jeder Ortsverein habe einen oder mehrere Vertreter in die Leitung des Gesammtvereinrs zu entsenden. Dieser zu gründende große j ü d i s ch e S ch u l v e r e i n soll die Aufgabe haben, a l l e n thalben hebräische Sprachschulen zu errichten, wo den Kindern nn e n t g e l t l i ch und auf eine anregende, die so leicht gewinnbaren Herzen der Kleinen gefangenuehui e n d e Weise, der Unterricht im H e b r Lisch e n u n d — was sich daraus von selbst ergibt — in der nationalen Geschichte geboten Was wir hier angeregt haben, es gehört nicht zu den unausführbaren Dingen. Einige tüchtige, opferwillige und opferfähige Männer müßten nur den Anfang machen, das Weitere ließe sich schon finden. Vor Allem aber bitten wir unsere Leser, ihre Ansichten über das hier klargelegte Project, sowie darüber, ,vie es zu realisiren sei, uns mitzutheilrn; wir werden jede Meinungsäußerung und jeoe» Rachfchlag berücksichtigen. Ghronik. (§ir Moses Montefiore's Befinden) ist, den aus Ramsgate einlaufenden Nachrichten zufolge, ein sehr ungünstiges und gibt zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß. (Antisemitisches aus Budapest.) Nach den vielen antisemilischcn, antlsemitisch-liberalen, antisemitisch -deutschfreisinnigen und weiß der Kukuk was noch für antisemitischen Vereinen, die in letzter Zeit — meist in Deutschland — gegründet wurden oder IN der Gründung begriffen sind, ist es diesmal wieder zur Abwechslung die Hauptstadt dasselbe gewesen, wenn die Ersteren Ackerbau trieben und die Anderen Handelsgeschäfte machten. Die alten Polen bestraften den Adlige», welcher Landban oder Handel trieb, und sie hatten recht. Wenn die Edelleute dieselbe Beschäftigung wie die Bauern und die Inden gehabt hätten, so hätte alsbald eine so starke Annäherung der verschiedenen Claffen untereinander stattgefnnde», daß der Adel alle seine Privilegien hätte verlieren müssen und die Bauern und Juden zu Bürgern geworden wären, die sich aller Rechte und aller Achtung der Edcllente erfreut hätten. o. Eine andere mächtige Ursache des Haffes und der Verachtung gegen die Juden der Jetztzeit ist die Erniedrigung derselben durch drückende und demüthigende Gesetze, welche fortwährend auf der jüdischen Nation gelastet haben rrnd von denen die anderen. Völker sreibliebcn; so daß allein die Emancipatiou der Juden das einzige Mittel ist, diesen Haß verschwinden zu lassen. Diese fortwährende systemari>che Unterdrückung war zur thalmudischen Zeit gänzlich unbekannt. Daher stammt auch der stehende Ausdruck der Gelehrten des Thalinnds: gserahäbida debatla (s. Tractat Khethuboth, fol. 3). DaS Verfolgungsdecret ist nur von kurzer Dauer; gewöhnlich wird es bald vergessen oder widirrufen. d. Schließlich wurden Juden und Heiden von allen Despoteir Roms und Asiens gleichmäßig unterdrückt und die Gemeinschafilichkeit ihrer Leiden brachte die verschiedenen Völker einander näher, welche nur gegen ihre gemeinschaftlichen Unterdrücker, nur gegen habgierige Beamte und ihre Häscher Haß eiirpfanden. Ungarns, in der die Antisemiten mit einer „Gründung" debutiren. Aber nicht um einen Verein handelt es sich, sondern um ein täglich erscheinendes, politisches Journal, das mit antisemitischer Tendenz zu Anfang dieses Monats in Budapest .in's Leben treten soll. (Ter Herr Director.) Am schwarzen Brett des Czernowitzer Gymnasiums prangte kürzlich eine hochweise Proclamation des überaus, gelahrten Herrn Directors, in welcher u. A. auch die väterliche Mahnung an die Gymnasiasten jüdischen Glaubens vorkam, doch lieber das Studium aufzugeben, da sie vermöge ihrer Confeffion ja keine Aussicht hätten, die erworbenen Kenntnisse zu verwerthen. Die dem Herrn Director Vorgesetzte Schulbehörde erschrak darob gewaltig, weil sie mit Recht der Ansicht war, das viele Wissen habe den armen Mann verrückt gemacht, so zwar, daß er nicht mehr wisse, daß Czernowitz in Oesterreich liege und wir jetzt 1885 und nicht 1785 schreiben. Die Untersuchung darüber ist wohl noch nicht abgeschloffen, die interessante Bekanntmachung ist aber sofort auf .höhere Ordre entfernt worden. (R. A. Brodrs in Rnmänieu.) Man schreibt uns aus Bvttuschan: Der berühmte und bekannte hebräische Schriststellei N. A. Brodes, welcher mit seinem Werke „Hadath Webacbaim" im Kreise der hebräischen Literaten so großes Aufsehen erregt hat, befindet sich jetzt auf einer Reise durch Rumänien und bezweckt die Lage der Juden dieses Landes in Augenschein zu nehmen, um womöglich ihre geistigen Zustände zu heben. In allen größer» Städten unseres Landes hielt dieser gewandte N.dner öffentliche Vorträge gegen die Affimilationsbewegung, welche in unserem Lande leider ebenfalls um sich greift und hatte überall die größe Anerkennung geerntet. Nun weilt dieser gediegene Literat gegenwärtig in unserer Stadt und hielt am 14. d. im Loca'e des Vereines „Ariel" einen sehr interessanten Vortrag über: „Das Verhältniß der hebräischen Sprache zum Jndenthume i» unserer Zeit", wobei er mit literarischer Klarheit bewies, daß die hebräische Sprache ein festes Band der jüdischen Nationalität sei und führte zum Schlüße aus, daß während andere Völker ihre Nationalität durch Feuer und Schwert behaupten müße», wir blos einige Stunden dem Studium unserer Sprache, Geschichte und Literatur zu widmen brauchen, um unsere Nationalität am Leben zu erhalten. Am 21. d. hielt Herr Brodes im Locale des Vereines „0r cbadosch“ vor einem zahlreichen Publicum einen Vortrag über. „Alte Antworten auf moderne Fragen im Judentmime." Mit Geistesschärfe beantwortete der gewandte Redner die Assim.lationsfrage mit Citaten ans unserem alten Schriftthnme und bewies, daß die Assimilation nicht nur im Principe im Wiedersprnche mit unserem Berufe stehe, sondern daß sie ganz unmöglich sei, da unsere Geschichte viel älter sei, als die Völker, in denen wir uns an'zulösen vermeinen. Ein anhaltender Applaus war die Aenßernng des Einarnckes den diese Rede auf alle Zahörer gemacht ha'. Herr Brodes ist im Begriff nach der österreichischen Hauptstadt zu gehen, um dort seine literarische Laufbahn fortznsetz'n und es ist nicht zu bezweifeln, daß derselbe auch dort die Anerkennung für-sein Wirken finden wird. (Rnttl'änisch.) Die Ramänen fangen an, d.e Inden bei den Affentirnngen als „Fremde" znrückzustellen. Ist diese Art von Militärbefreinng auch keine sehr schmeichelhafte, so ist sie wenigstens eine Constquenz des anderweitigen Betragens der rumänischen Nation und zeigt noch von einem Fünkchen Billigkeitsgefühl. Warum sollten denn die in allen anderen Beziehungeil des politischen Lebens „fremden^ Juden gecadeMa^ einheimisch sein, wo es gilt, die Haut zu Markte zu tragen. — Ais der Minister-Präsident B r a t i a n u neulich Dorohoi besuchte, erhielten die Juden den Befehl, die Thüren ihrer Läden

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