Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 3 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Selbn-Em ancipo tion! Seite 3 Nr. 3. dann müssen Vereinigungen und Corporationen entstehen, welche sich zum Zwecke machen, diese Wünsche in Thal umzusetzen. Mit wenigen Woiten: Ein System von Vereinen soll die ganze vorhandene Schaffenskraft der Jüdisch- Nationalen repräsentiren. Auf dem Gebiete der Bewegung für die Colonisation Palästinas rst dieses Princip bereits anerkannt; doch wäre noch so manches hier zu thun, was bis jetzt vernachlässigt wurde und worauf wir in einer der nächsten Nummern zurückkommen werden. Für heute aber wollen wir uns auf die Betrachtung der ersten zwei nationalen Programmpunkte beschränken. Was die Pflege der nationalen Literatur und Geschichte, sowie die Verbreitung der nationalen Sprache betrifft, so sehen wir diesbezüglich einen fast gänzlichen Mangel an Vereinigungen, wenigstens an solchen, die extensiv wirken. Vereine für jüdische Berufsliteraten können der Idee insoferne nützen, als sie die Schriftsteller selbst animiren und in dieser Beziehung ist auch das Project eines jüdischen Literatencongresses gar wohl in Erwägung zu ziehen, aber sie sind doch nicht das, was wir brauchen, um dem Ersterben de-; jüdischen Wissens und der wachsenden Unkruntniß der hebräischen Sprache in West-Europa ein donnerndes Halt zu gebieten. Was wir nöthig haben, sind Vereine, die das Gefallen an jüducher Literatur und Geschichte, die Freude an den herrlichen Lauten des Hebräischen in die weitesten Kreise tragen. Es müssen Vereine entstehen, die sich zur Aufgabe machen, jüdisches Wissen und hebräische Sprache dort zu verbreiten, wo jetzt soviel als nichts davon vorhanden ist. Es müflen solche Vereine, sollen ihre Erfolge nicht mit der jetzt lebende» Generation vom Erdboden verschwinden, dort zu wirken suchen, wo die Zukunft eines jeden Volkes liegt, in dem Heranwachsenden Geschlechte nämlich. Man wecke in dem Gemüthe des Kindes Jntcreffe an der Schilderung der Thaten seiner Ahnen, man gewöhne ihm Zunge und Ohr an die heirlichc Sprache des Jesaias, dann wird dieser in die Jugend gepflanzte Samen des stolzen Selbst- und der Höflichkeit, welche sie während ihres Mahles zu beobachten pflegten." Eine andere Bereitha sagt: „Wenn man einen heidnischen Weisen steht, so soll man sagen: Gesegnet sei der Name Gottes, welcher denjenigen Weisheit gegeben hat, welche er erschuf. Wenn man einen heidnischen Fürsten sicht, so soll man sagen: Gesegnet sei der Name Gottes, der denjenigen Macht gegeben hat, die er schuf." Rabbi Judah lobte die Römer. Rabbi Nathan sagte, es sei verboten, einen Heiden unwiffentlich eine Sünde begehen zu lassen. Man srug den Rabbi Elieser, Sohn des Zadok: Warum sind die Frauen, welche zum Judenthume übergetreten sind, so gesucht, während die freigelasseneu Sklavinnen sich nicht so leicht verheiraten? Er erwiderte, daß man die ersteren gerne heirate, weil sie vor ihrer Bekehrung keusch gelebt hätten (s. Tractar Horjoth, fol. 13 a). Rab Joseph sagt: „Wenn ein Jude das Feld eines Heiden kauft, das vorher einem anderen Juden gehört hat, so kann dieser nicht behaupten, der Heide habe ihn zum Verkauf des Feldes durch Gewalt gezwungen, denn die Heiden von Babylon haben Gerichte und der Jude hätte vor diesen Gerichten gegen den Heiden, der ihm Unrecht thun wollte, klagen können." Die frommen Thalmudisten lobten gern die großen Tugenden, welche sie bei gewisseil Heiden beobachtet hatten, um sie de» Juden als zu befolgende Vorbilder vorzuführen, obgleich sie bei ihren Glaubensgenoffen ebenfalls berühmte Beispiele hätten finden können. So berichtet die Gemära von zahlreichen Beispielen kindlicher Liebe bei Rabbi Triphon, Abime u. A. Rab Ula citirte bewußtseins zu einer üppigen Saat begeisterter nationaler Hingebung werden. Es ist anerkennenswerth und gewiß auch von den nützlichsten Wirkungen begleitet, wenn bereits herangereifte Jünglinge sich zusammenlhun, wie es an mehreren Punkten der Erde geschehen ist, um jüdischer Geschichte und hebräischer Sprache ihre freie Zeit zu widmen. Man sieht darin das principielle Durchdrungensein von der Nothwendigkeit dieser Kenntnisse für die jüdische Ratioualidee, aber man kann sich doch auch andererseits nicht der Ueberzeugung verschließen. daß es für die meisten dieser edlen jungen Männer bezüglich der Erweiterung ihrer jüdischen Kenntnisse bereits zu spät geworden sei. Existenzsorgen, Bernfsarbeiten, der Widerwille so vieler Erwachsener gegen ein elementares Studium, alles das verbindet sich, um den so sehr herbeigesehnten Erfolg zu vereiteln. Nur ganz starken Naturen, die überdies in einer günstigen materiellen Lage sich befinden, wird ein solches Streben vielleicht einigen Erfolg bringen und da zumeist auch nur auf dem Gebiete des Geschichtsstudiums. Diejenigen jungen Männern, die mit der Milch der Assimilations-Theorie gesäugt, also dem jüdischen Geistesleben entfremdet wurden, dann aber die ganze Wässerigkeit derselben erkennend, ihre Lücken im jüdischen Wissen auszufüllen bestrebt sind, wir wollen sie etwa nicht in ihrem Streben irre machen, mögen sie eben alle starke Naturen sein, um die ihnen sich entgegenstellenden Hindernisse glücklich zu überwinden. — Wir wollen nur darauf aufmerksam geinacht haben, daß es noth thut, dort anzuklopfen, wo es sicher ist, dcn'Wirth zu Hause zu treffen, d. h. dort zu lehren, wo eben noch schnelles Fassungsvermögen, größere Gedächtnißstärke, geringere Beeinflußung durch äußere Verhältnisse günstige Resultate mit Bestimmtheit voraussehen lassen. Unabweisbares, dringendes Bedürfniß ist es, den Kindern jüdisch-geschichtliches und hebräisches Wissen beizubriugen. Vereine mit s o l ch e m Zwecke müssen gegründet werden. Wie sollen aber diese Vereine eingerichtet sein, wie sollen sie Vorgehen? dennoch mit Vorliebe die Sohnesliebe des Heiden Dama den Nethinah. Rabbi Johanan stand vor greisen Heiden auf, denn, sagte er, man habe ihnen Achtung zu bezeugen, weil sie in ihrem Leben viel erlitten. Rab Hisda grüßte die vorübergehenden Heiden mit der Anrede mar, einem Titel, mit welchem die berühmtesten Weisen in Israel angeredet wurden. Die Mischnah sagt: Warum hat Gott nur einen einzigen Menschen zur Bevölkerung der Erde geschaffen? Damit Niemand zum Andern sagen kann: Ich bin von edlem Blute und du nicht (Tractat Sauhedrin, fol. 37 a). Das Buch der Weisheit sagt, daß Gott die Heiden aus zwei Gründen liebes erstens weil sie seine Geschöpfe seien, und dann, »veil sie schwache Wesen seien, er aber allmächtig (Weisheit XI. 24-27). So waren also die Beziehungen der Juden zu den heidnischen Völkern die allerfremidschaftlichsten (mit Ausnahme der vereinzelten Fälle, die im Midrasch Eikhah und sonst erwähnt werden). Es konnte auch nicht anders sein, und man hätte es a priori feststellen können ohne andere historische Beweise: denn a. Erstlich fanden die heidnischen Völker und deren Priester keinen Geschmack an Bekehrungen. d. Ferner betrieben die Juden Ackerbau und andere Handwerke, welche die Heiden ebenfalls ausübten. Es ist bekannt, daß der Judenhaß der Neuzeit besonders stark in den Ländern herrscht, wo ihre Art zu leben von der ihrer Mitbürger verschieden ist und Elftere hauptsächlich oom Handel, Letztere besonders vom Ackerbau leben. Es wäre