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Selbst-Emancipation · 1885-02-16 · Heft 2 (16.2.1885) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 2 (16.2.1885)
Date
1885-02-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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S e lb st - E in a n c i p a tio n! gehalten hat. Er ist nur gegen Juden gerichtet, welche nicht-türkische Unterthanen sind, weswegen also nach wie vor die Ansiedlung Denjenigen gestattet ist. welche in den türkische» Unterthanen-Verband treten. Die in unserer heutigen Nummer gebrachte Nachricht von der neuen,Colonie Suwalker Juden bestätigt zur Genüge, daß es mit diesem Erlasie nicht so gefährlich sein kann. Uebrigens spricht die Note nur von Palästina, in welches der galilgjsche Kreis nicht inbegriffen ist, der ja aber auch zu „Erez Israel'‘ gehört. Jedenfalls weiden die Colonisationsvereiiie sich durch den Erlaß nicht einschüchtern lassen, sondern fortarbeiten. Schließlich läßt die bekannte Judenfreundlichkeit Sr. Maj. des Sultans hoffen, daß es gelingen werde, die Aufhebung des Erlaffes zu erwirken. (Zurückgekehrtc Auswanderer.) Wie uns aus Hamburg geschrieben wird, trafen daselbst am 3. d. M. circa 500 Personen ein, welche im letzten Frühjahre nach Amerika gereist waren und im Sommer in der Nähe von New-Uork als Taglöhner Beschäftigung gefunden hatten, jetzt aber des großen Arbeitsmangels wegen die Rückreise in ihre Heimat antreten müffen. Die überwiegende Zahl der Zurückgekehrten ist aus Polen und Ungarn und gehört der jüdischen Nationalität an. Das weibliche Geschlecht ist nur schwach vertreten. Die zurückgekehrten Auswanderer, welche am 4. d. M. über Berlin die Weiterreise in ihre Heimat angetreten haben, erklären, daß sie bitter enttäuscht seien über die Zustände in Nordamerika und können dieselben nicht genug über die geradezu unmenschliche Lebensweise erzählen, welche zu führen sie durch die dortige» Verhältnisse gezwungen waren. (Dcutsch-liberal-autlsemitische Partei iu Berlin.) Diese monströse Parteibildung wird von der antisemitischen „Kreuz-Zeitung" zwar mit Freuden begrüßt, doch kann diese die Vereinigung von liberal und antisemitisch nicht begreifen und nimmt den Antisemitismus nur für die Conservativen in Anspruch. (Palästina-Colonisations-Bereine in Rutzland.) Das Central-Comitä der „Zionsfreunde" in Warschau berichtet, daß die Bewegung für die Colonisation Palästinas in Rußland große Fortschritte mache. Nicht weniger als 85 Gesellschaften haben sich seit dem Kattowitzer Delegirtentage, also seit kaum drei Monaten, gebildet. Besonders haben die Vereine in Lodz, Lublin, Plok, Pinsk, Dünaburg, Wilna und anderen Städten eine große Anzahl von Mitgliedern aufzuweisen. Hingegen konnte der Colonisations-Verband in Berlin fast gar keine Anhänger finden, so daß er von der ursprünglichen Absicht, den Sitz des Central-Comites dorthin zu verlegen, abgehen und wahrscheinlich eine der großen russischen Städte dazu ausersehen wird. (Tie in Petersburg tagende Judeu-Commifsiou) nahm bereits die Beschlüffe der einzelnen Local-Commissionen des Landes entgegen. Diese sprechen sich meistcntheils für die Cassierung der jüdischen Separatschulen und die Aufhebung der Ausuahmsstcuern, doch gegen das Ansiedlungsrecht _ un Innern des Landes aus. Auch äußern sie den Wunsch nach Umänderung der jüdischen Matrikenführung und Reduzierung der Zahl der in die städtischen Communalvrrwaltungcn gewählten Juden. Die Haupt-Commisiion in Petersburg, unter Vorsitz des Grafen P a h l e n, macht ganz ähnliche Vorschläge, in denen jedoch über das Ansiedlungsrecht im Innern des Landes nichts vorkommt. (Neue Colonie iu Palästina.) Eine Delegation der Juden in Suwalk (Rußland) hat ein Dorf in Palästina angekauft; der Kauf erhielt bereits die Bestätigung der türkischen Regierung; die Colonisten sind in den türkischen Unterthancnverband getreten. („Ariel", Verein jüdischer junger Männer in Lottuschau.) Man schreibt aus B o t t»s ch a n: Vor Kurzem wurde hier ein Verein gegründet, der den Namen „Arielu.“, Soeietatea Junimei Israelite“ führt und sich das Ziel gesteckt hat, durch Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte das Volksbewußtjrin der Juden zu kräftigen und den Assimilationsbestrebungen entgegenzutreten. Vorträge und Vorlesungen, die einige Male in der Woche gehalten werden, sowie die Anlage einer einschlägigen Bibliothek Fnd die Mittel zur Erreichung des hohen Zweckes, den sich der neue Verein gesetzt hat. Jeder Gegner der Assimilation wird das Entstehen dieses Vereines sympathisch begrüßen; jeder Nationaljude wird mit Freude sehen, daß die Flamme der Liebe zum jüdischen Volksthume an den verschiedensten Stellen des Erdkreises zum Ausbruche kommt. (Rumänisch.) Eine Illustration der unleidlichen Lage der Juden in Rumänien, namentlich aus dem Lande, bietet der nachfolgend erzählte Fall: Vor Kurzem kam an einem Freitag in D o r o h o i ein Linienregiment an. Der Comniandant forderte, weil keine Landstraße bis nach dem nächsten Ziele der Truppe, dem Orte Siweni führt, Gespanne bis dorthin für die Bagage. Der Präfect und Commissär iu Dorohoi, Herr Filipescu, halte nun nichts Eiligeres zu thun, als den jüdischen Fuhrwerksbesitzern den stricteu Auftrag zu geben, Pferde und Wagen und sich selbst zur Disposition zu stellen, widrigenfalls sie durchgeprügelt würden. Die Juden versuchten zu protestiren; sie machten sich erbölig, den Fuhrlohn zu bezahlen, um nicht den bald eintretenden Sabbath zu entweihen. Nichts half! Sie mußten sich dem Befehle des gestrengen Herrn Commissärs fügen. — Und Angesichts solcher himmelschreiender Vorgänge gibt es noch — e s sind freilich sehr wenige — Juden, die , von einer Numänisirung der Juden in Rumänien zu sprechen sich nicht entblöden. (Todesfall.) Aus Arad (Ungarn) wird gemeldet: Heute — Montag, den 2. Februar — ist Sc. Ehrwürden Herr Ober-Rabbiner Jacob S t e i n h a r d. nach längerem Leiden im Alter von 68 Jahren gestorben. Der Verblichene hat hier seit vierzig Jahren das Amt eines Ober-Rabbiners bekleidet. (Bltttbeschuldignng.) Die „Neuzeit" berichtet: Der Antiseniitismus, dieser Krebsschaden unserer Zeit, kommt nicht nur in Ungarn und ungarischen Dörfern zum Ausbruch, sondern auch in Oesterreich, und zwar in einer Gegend, wo er am Allerwenigsten für möglich gehalten worden wäre. Und doch ist's traurige Wahrheit, daß ein Tisza- Eßiar in zweiter Auflage beinahe angezettelt worden wäre. In Pola (zur Statthalterei Triest gehörend) wohnt seit Kurzem ein deutscher Jude, der für einen Theil der Matrosen Fleisch und Victualien liefert. Vor einigen Tagen kamen um 11 Uhr Nachts Polizisten und Gendarmen, hoben ihn aus dem Bette, und führten ihn mit gezogener Waffe in Arrest. — Warum? — Zwei bis drei Weiber sagten aus, sie hätten gesehen und gehört, wie dieser Jude ein vierjähriges Kind schlachtete. Sie hörten das Kind rufen: Papa, Mama mi mazza — (ammazza, er tobtet mich) und sahen durch's Fenster, wie das Kind mit den Füßen zappelte. Diese Weiber betheuerten und beschworen ihre Aussage. Natürlich wurde das ganze Haus, Magazin und die Fleischbank durchgesucht, alle Burschen (lauter Christen) verhört. Und was war das Ganze? Die Frau hatte einen kranken Hund, welchen die Burschen in's Bett legten; dieser hat wahrscheinlich geschrieen und gleich waren Weiber da, welche ein Kind „in Todesangst nach Vater und Mutter schreien hörten". Man fand das Thier und die Geschichte ist aus. So geschehen in der zweiten Hälfte des Jänner 1885. (Sir Moses Montefiore) hat an die „Zionsfreunde" und speciell an den Vorsitzenden der Kattowitzer Delegirtenversammlung derselben, Herrn Dr. L. P i n s k e r in

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