Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht · 1915-01-01 · 1914/15 (1915) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1914/15 (1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9942709-3089784--117-3092653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 16 - t> Monaten des Krieges über 650 Sendungen verschiedenen Inhalts,, darunter ungefähr 850 Wollsachen, die von den Schülerinnen selbst angefertigt worden waren, abgesandt werden. Diese Sendungen kamen zu-, nächst unseren im Felde stehenden ehemaligen Zöglingen zugute, doch wurden auch in reichem Masse Truppenteile bedacht, die bei der allgemeinen Liebestätigkeit geringere Beachtung fanden, ausserdem auch einzelne Bedürftige im Felde beschenkt, deren Anschriften die Kinder selbst sich verschafft hatten An die verschiedenen Lazarette in der Stadt wie auf den Schauplätzen des Krieges wurden weiterhin Ballen von Büchern und Zeitschriften, ungefähr 150 Kissen sowie die mannigfachsten Bedarfsartikel, wie Schützengrabendecken und Schlafschuhe, in beträchtlicher Zahl gesandt; grössere Geldspenden erhielten der Verein vom Roten Kreuz, die Kriegsfürsorge, Angehörige von im Felde stehenden Kriegern sowie der Ausschuss für Verpflegung durchreisender Truppen. Der schönste Lohn für alle Beteiligten waren die warmen, ja begeisterten Worte des Dankes und der Anhänglichkeit an ihre alte Schule, die sich in zahlreichen Briefen der ehemaligen Schüler kundgab, wie die oft geradezu rührenden Aeusserungen der Freude, die von gar vielen Empfängern der Graben an uns gelangt sind. Weiterhin ging das Bemühen des Lehrerkollegiums, unsere Zöglinge möglichst vor körperlichen und sittlichen Schädigungen zu bewahren, die die bewegte Zeit im Gefolge haben konnte. In nicht wenigen Familien hatte der Krieg die wirtschaftlichen Grundlagen des Elternhauses erschüttert; die veränderten Veihältnisse machten es nun oft den Eltern unmöglich, die häusliche Erziehung der Kinder in der bisherigen Weise zu leiten und diese vor den oft recht bedenklichen Einflüssen der Strasse zu schützen. Um jeglichen Gefahren von vornherein vorzubeugen und um den Eltern, die in schwierige Lage geraten waren, die Sorge um ihre Kleinen zu nehmen, beschloss das Lehrerkollegium in den Räumen der Schule einen-Hort zu eröffnen, in welchem diesen Kindern eine Stätte ruhiger gesammelter Tätigkeit geboten wurde. An 5 Tagen der Woche versammelten sich in zwei Gruppen 35 Kinder, um bei den Lehrern und Lehrerinnen, die sich in uneigennütziger Weise zur Beaufsichtigung des Hortes erboten hatten, die häuslichen Arbeiten zu erledigen, und schon nach kurzer Zeit Hess sich der grosse Segen dieser Einrichtung in der Steigerung der Leistungen dieser Kinder und in der Ausfüllung so mancher Lücken in ihrem Wissen feststellen. Aber auch den Lehrern und Lehrerinnen brachte die Errichtung des Hortes mannigfachen Gewinn — manche für den eigenen Unterricht fruchtbare Beobachtung fiel bei der Beaufsichtigung ab; es liess sich durch zahlreiche Beispiele in den verschiedensten Unterrichtsfächern und auf mehreren Stufen ein Einblick gewinnen, wie weit die Kinder durch den Klassenunterricht instand gesetzt waren, die gestellten Aufgaben selbständig zu erfüllen. Was aber den Verkehr zwischen Lehrern und Zöglingen im Hort von dem gewöhnlichen Verkehr in der Schule unterschied, das war die Freiwilligkeit auf beiden Seiten. Wohl bei allen war das Bemühen, das Beste zu leisten, unverkennbar: daher waren Disziplinarmittel überflüssig, der Hinweis auf jene Frei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.