Jahresbericht
- Journal
- Jahresbericht
- Volume
- 1914/15 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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— 17 — "Willigkeit, allenfalls die Androhung des Ausschlusses vom Hort genügten zur Atifrechterhaltung der Ordnung. — Der leiblichen Kräftigung dieser Kinder kam die an unserer Schule bestehende Einrichtung zu statten, in den Frühstückspausen warme Milch verabfolgen zu lassen; aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln konnte an jedem Schultage 16 Kindern diese Wohltat zuteil werden. Mit allem Eifer war das Lehrerkollegium bestrebt, die gewaltige und erhebende Zeit, die wir durchleben, den Kindern zum Bewusstsein und richtigen Verständnis zu bringen. Zunächst bot der Unterricht selbst hierzu reichliche Gelegenheit; dann waren es hervorragende Waffentaten unserer Krieger, die der geeigneten Beeinflussung dienten. An solchen Tagen wurde im Festsaal den Zöglingen von dem Geschieh tslehrer der Anstalt, Herrn Prof. Dr. Kracauer, die Entwicklung des jedesmaligen Kampfes vor Augen geführt und die Bedeutung des gemeldeten Erfolges nahegebracht. Besonders stimmungsvoll gestaltete sich in diesem Jahre die Feier des Geburtstages Seiher Majestät des Kaisers^ und Königs, in deren Mittelpunkt die Festrede des Herrn Prof. Dr. Kracauer über das Volksleben und die Verwaltung des Deutschen Reiches in der Kriegszeit stand: Darbietungen von Schülern und Schülerinnen und vaterländische Chorgesänge umrahmten die Feier. Die kaiserliche Gabe, Graf zu Reventlows „Deutschland zur See", wurde dem Schüler der Klasse V Otto Mainzer, die Bildnisse Seiner Majestät des Kaisers und Königs dem Schüler der Klasse II Oscar Grünsfelder und der Schülerin der Klasse III Bettina Marx zuteil; ausserdem erhielten noch mehrere andere würdige Schüler und Schülerinnen der verschiedenen Klassen Bildnisse des Kaisers oder der Heerführer zur Erinnerung an diesen Festtag. Für die Vorschulklassen der Realschule und des Lyzeums wurde in diesem Jahre zum ersten Mal eiue besondere Kaisers-Geburtstagsfeier veranstaltet, in der Herr Kollege Seelig den Kleinen das Wirken unseres erhabenen Herrschers vor Augen führte; Vorträge mehrerer Kriegsgedichte wechselten mit Vaterlandsgesängen der kleinen Schar. Am Schluss der Feier händigte der Direktor gleichfalls mehrere Bildergaben einigen braven Schülern und Schülerinnen aus. Selbst die Kleinsten unseres Kreises, die Kinder unserer Einführungsklasse, wollten ihr vaterländisches Empfinden bekunden und luden verwundete Vaterlandsverteidiger, zumeist aus dem Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde, zu einer sehr gelungenen Chanucka-Feier ein, bei der sie ihre Gäste durch allerlei kleine Vorführungen und sinnige Gaben erfreuten. In diesem Zusammenhang sei auch des vaterländischen Elternabends gedacht, den die Schule am 17. Januar in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Festsaal veranstaltete. Um die Rede des Direktors, die „Krieg, Elternhaus und Schule" zum Gegenstand hatte*), reihten sich Darbietungen auf der Orgel und dem Klavier, vorgetragen von dem ehemaligen Schüler der Anstalt Max Jaffe, eine *) Die Rede ist in der-vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgegebenen Zeitschrift „Im deutschen Reich" Heft 3, 1915, veröffentlicht.