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Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 67

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Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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— 19 — Wenn wir zusammenfassen, was unsere Quellen über die Lage und den Umfang des damaligen Judenquartiers aussagen — es ist erheblich mehr, als für den ersten3 Zeitabschnitt — so kommen wir zu folgendem Ergebnis: Wie früher, waren auch jetzt die Juden gesetzlich nicht auf einen bestimmten Teil der Stadt beschränkt; sie durften überall wohnen, wenn sie auch aus leicht begreiflichen Gründen gern nahe bei einander saßen und die Gegend am Main bevorzugten. Bis in die achtziger Jahre des XIV. Jahrhunderts saßen die Juden besonders in der östlichen Saalgasse, ferner um den Lower (Löher)hof, später in ihm selbst und unweit des Komp(Färber)hauses, sodann im südöstlichen Teil der Fahrgasse. So lag das Haus „gegenüber Neu-Falkenstein", das ebenfalls ausdrücklich als Judenhaus aufgezählt wird, Ecke Fahr- und Predigergasse; ferner wohnten Juden gegenüber dem Hause Stolzenberg1), dann im Roseneck und im Eosenbusch, also in Häusern, die ihre alten Namen bis heute bewahrt haben. Aber in den beiden letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts rücken sie immer weiter nach Osten; sie beziehen, wie ieh bereits früher erwähnte, den dem Domkapitel gehörenden Fronhof und den Arnsburger Hof. Beide Höfe waren wohl deshalb von den Juden gesucht, weil sie gewissermaßen kleine Festungen in der Stadt bildeten; durch Tore von ihr abgesperrt, boten sie in stürmischen Zeiten besseren Schutz. Auffallend viele Juden siedeln sich im Beginn der neunziger Jahre im Fischerfeld an, 1391 nicht weniger als sieben, von denen aber nur zwei den Hauszins entrichten1). Einige Juden wohnten aber ganz entlegen. So erfahren wir von einem Seligmann, der in der Neustadt2), und von einem Mose, der in der Niederstadt3) am Goldnen Turm saß. Etwas näher zu seinen übrigen Glaubensgenossen wohnte Simon von Seligenstadt. Das Insatzbuch des Jahres 13614) bemerkt von ihm, daß er zu SteinenWonnenberg gesessen sei, also in der Schnurgasse 43 (Ecke Kruggasse)5). Auch Lersner6) und Battonn geben einige Angaben über Judenhäuser, die ich der Vollständig- *) Bedebuch 1391, foL 65b bis 66a; Bedebuch 1392, foL 60b und 61a. Leider sind die Listen für 1396—1399 unvollständig geführt, die für die Oberstadt 1400 fehlt ganz (siehe Urkundenbuch S. 296ff.). .2) Die Altstadt (antiquum oppidum)— also die Stadt bis zur zweiten Stadterweiterung 1333 — zerfiel in den oberen und den unteren Teil. Der Straßenzug von der Liebfrauenkirche über dem Börner bis zum Fahrtor bildete die Scheidungslinie. Auch die Neustadt zerfiel in 2 Teile, die durch die Straßen von der Eschersheimer bis zur Kathrinenpforte von einander getrennt waren. Battonn I, S. 130. 3) Bedebuch Niederstadt 1392, foL 12 b (Urkundenbuch S. 297). Der genannte Turm findet sich auf dem Belagerungsplan von 1552 hinter der Weißadlergasse, zwischen dem großen und dem kleinen Hirschgraben (Battonn I, S. 86). 4) Urkundenbuch Nr. 183, S, 75. 5) Siehe Battonn EI, S. 40. 4) Chronik II, 3, 8, 28. 2*

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