Programm
- Journal
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- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 46)
- Language
- German
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…/3089693-3089778--1543-3092467- Visual Library
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— 47 — Männern in engen Verkehr: Der Conrector gymnasii Mosche, der Magister Klitscher und dessen Nachfolger an der neubegründeten Musterschule Dr. Gruner, die wissenschaftlich bedeutenden Lehrer Friedrich Christoph Schlosser und Karl Ritter unterstützen und fördern alle Bestrebungen jener Männer, unter denen besonders der feurige Jacob Süsskind Stern zu erwähnen ist, ferner der Arzt Dr. .Goldschmidt, der zu den Füssen des grossen Kant gesessen, und sein Berufsgenosse Dr. Seligmann Joseph Oppenheim, der durch seine Tüchtigkeit sich einer grossen Beliebtheit auch in den vornehmen christlichen Kreisen erfreute und es in der primatischen Zeit sogar bis zur Würde eines Oberschul- und Studienrates bringt, und schliesslich der Mathematiker Abraham Crailsheim, bei dem sich u. a. Karl Ritter in der höheren Mathematik unterweisen Hess, und der auch die Offiziere der freien Reichsstadt in seine Wissenschaft einführte. Diese Männer veranlassen ihre Glaubensgenossen zur Bildung von Lesegesellschaften, in denen die deutschen Klassiker gelesen, Vorträge geschichtlichen oder literarhistorischen Inhalts gehalten und Fragen, die die geistige Welt bewegten, erörtert wurden, und T80T bestehen bereits drei derartige Vereine, unter denen das sog. Brunnenkollegium, das bald mehr als 100 Mitglieder zählte, eine besonders rege Wirksamkeit entfaltet;, sie wirken auch für die moderne Erziehung der jüdischen Jugend, und auf ihre Veranlassung wird eine so grosse Zahl jüdischer Knaben und Mädchen in die 1803 eröffnete Musterschule geschickt, dass der vierte Teil dieser Anstalt aus jüdischen Kindern besteht. Daneben besuchen die jüdischen Mädchen noch die hier bestehenden Institute Auberson und Bunsen. Für die unbemittelten Bewohner der Judengasse wird der jugendliche Kaufmann Siegmund Geisenheimer der Verkünder der neuen Zeit Er erteilt armen jüdischen Kindern Privatunterricht, namentlich im Rechnen, veranstaltet in den Lesegesellschaften Sammlungen zur Zahlung des Schulgeldes für begabte jüdische Kinder, die er der Musterschule oder den drei bereits bestehenden jüdischen Privatschulen der Lehrer Levy, Samuel Mayer Maas und Jakob Sachs überweist; er begründet schliesslich 1804 im Verein mit drei gleichaltrigen Berufsgenossen das „jüdische Philanthropin", das allen armen jüdischen Kindern die Wohltat einer geregelten Erziehung und bald auch eines modernen Schulunterichts gewähren solLj Welch' aufopfernde Hingebung die Männer zeigten, um diese inmitten des tosenden Kriegsgetümmels begründete Anstalt zu fester Gestaltung zu bringen, wie sie es verstanden, für ihre Schöpfung die Teilnahme der wohlhabenden Kreise dieser Stadt ohne Unterschied des Glaubens zu gewinnen, ist bei der Jubelfeier der Anstalt vor nun 7-Jahren gebührend geschildert worden: Die schnelle und kraftvolle Entwicklung des Philanthropins aus einer jüdischen Erziehungsanstalt zu einer Bürger- und Realschule und bald auch einer höheren Mädchenschule der israelitischen Gemeinde bleibt unauflöslich' mit dem Namen ihrer Begründer und den pflichttreuen, für ihren Beruf begeisterten Lehrern verbunden, die siefür ihre Anstalt gewonnen, und von denen besonders die beiden ersten Lehrer der Schule Erwähnung verdienen, der erste Oberlehrer Dr. Michael Hess, dem es vergönnt war, fast ein halbes Jahrhundert der Anstalt vorzustehen, und der katholische Philosoph Dr. Franz Joseph Molitor, den das Streben nach Beförderung der Glückseligkeit unter den Menschen dazu trieb, seine Kraft in uneigennützigster Weise dem jüdischen Philanthropin bis 1812 als Mitleiter, sodann weitere 16 Jahre als Lehrer zu widmen. Die lebhafteste Unterstützung wurde diesen Bestrebungen durch den edlen Mann zuteil, der seit dem 9. September 1806 zuerst als Fürst, später als Grossherzog über Frankfurt herrschte, den Reichserzkanzler und Fürstprimas Karl von Dalberg. Der in den Ideen der Aufklärungszeit lebende und wirkende Kirchenfürst würdigte den Nutzen und die Notwendigkeit wohlgeordneter Lehranstalten, er hielt sie nach seinen eigenen Worten für ein dringendes Bedürfnis „zumalen bei der hebräischen Nation, die darin sehr vernachlässigt ist". Sogleich nach seinem Regierungsantritt förderte er das Philanthropin durch eine grössere Gabe, die sich alljährlich wiederholte; fortdauernd Hess er sich durch seine Räte über die Entwicklung und die Leistungen der Anstalt Bericht erstatten Auch in dem von den gleichen Ideen beseelten Geheimen Staatsrat Karl Freiherr von Eberstein fand die Schule einen warmherzigen Freund, auf dessen Fürsprache u a. ihr später das dem Staate gehörige Komposteil überlassen wurde. So wuchs denn das neue Geschlecht heran, getränkt mit dem Geiste, der von Lessing, Goethe, Schiller und Wilhelm von Humboldt ausging, erfüllt mit dem Bewusstsein, dieses Land wieder wie die Ahnen als Vaterland betrachten zu dürfen. Bei dieser Gesinnung ist es begreif-