Programm
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- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 29)
- Language
- German
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— 28 — bereichern mußten, war dem Kaiser nur erwünscht, er ließ sozusagen den Schwamm sich erst vollsaugen, um ihn dann nach Bedürfnis auszupressen. Dazu hielt er sich kraft seiner kaiserlichen Machtvollkommenheit (von unsern gewalt) für durchaus berechtigt: denn Leib und Gut der Juden gehöre ihm allein zu und er dürfe damit handeln und schaffen, wie ihm gutdünke1). Zu den Gepflogenheiten des Kaisers gehörte es, seine Anhänger und Günstlinge auf Kosten der Juden zu entschädigen oder zu belohnen. Die Dienste, die sie ihm durch Darlehen oder durch Waffenhilfe geleistet hatten, vergalt er damit, daß er sie öfters von der Zahlung ihrer Schulden entweder ganz oder teilweise entband. So erließ er der Stadt Heilbronn allen Geldvorschuß, den sie von den Juden bisher (bis zum 9. März 1316) empfangen hatte2), den Burggrafen Johann von Nürnberg entband er von allen seinen Schulden gegen seine achtzig Gläubiger, und auch die Frankfurter Juden verschonte er nicht3). Im Juli 1336 mußten sie dem Grafen Ulrich II. von Hanau, dem er sehr verpflichtet war, 1000 Pfund Heller von seiner Schuld erlassen4) und zwei Jahre später 14 Monate lang auf die Zinsen eines Darlehens verzichten6). Bei alledem muß man aber sagen, daß der Kaiser sein freundliches und wohlwollendes Verhältnis zur Stadt auch auf die Juden daselbst übertrug. Sie standen ihm wirklich näher als die anderen Juden des Reiches, sogar als die in seinen eigenen Landen, er nennt sie wiederholt seine lieben „Kammerknechte"6), und in seinem letzten Erlaß an sie7) spricht er von „der besonderen Gunst, die er zu ihnen habe". Und das war doch mehr als eine inhaltslose Redewendung. Ist es nicht auffallend, daß in der stattlichen Liste der Judengemeinden, die Ludwig im Verlauf seiner langen Regierungszeit versetzt oder verkauft hat — es finden sich darunter die Gemeinden von Regensburg8), Straßburg9), Speier und Worms10), x) So äußert er sich in einer Urkunde (Scherdingen 1343 vom 5. Februar 1343 bei Wiener, Reg. S. 45 Nr. 142). (S. Seite 18.) 2) Wiener, Reg. S. 28 Nr. 22. ») 1. c. S. 45 Nr. 142, andere Beispiele 1. c. S. 19 Nr. 18, 20, S. 92 Nr. 119, S. 99 Nr. 138 usw. 4) als lib in unser huld und gnad si, Boehmer-Lau II, S. 443 Nr. 578. 6) „Swer es daz über tet, der sol wizzen, daz er daran wider unser huld und genade tet." 1. c. S. 486 Nr. 645, datiert Frankfurt 1338, September 16. Darum ließen sich auch die Frankfurter Juden im August 1347 von ihm versprechen: und sullen vns auch irer schulde, der man in itzund schuldig ist oder noch schuldig wirt, nicht undirwinden noch annemen, daz ez in zu schaden komen mocht etc. 6) So in der Urkunde vom 21. Juli 1331 bei Boehmer-Lau II, S. 310 Nr. 415, vom 19. Juli 13361. c. S. 443 Nr. 578, vom 20. September 13381. c. S. 486 Nr. 646, und vom 12. August 1347 im Frankf. Stadt. Kopialbuch II, S. 41 f. (gedruckt bei Boehmer C. D. M. S. 609). ') Vom 12. August 1347 1. c. 8) Wiener S. 28 Nr. 27. ») I.e. S. 38 Nr. 96. i°) 1. o. S. 46 Nr. 151.