Mannheim
Compact Memory

Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 29 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3089693-3089776--1438-3092361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 29 — Würzburg1), Eotenburg2) und andere — der Name Frankfurt vergebens gesucht wird? Wiederholt hat er dem Eat der Stadt zur Pflicht gemacht, die Juden zu schirmen. „Wir haben ihnen verheißen," schreibt er ihm von Nürnberg aus im Juli 1331, „daß... niemand sie dränge noch an sie eine Forderung stelle, wodurch sie beschwert würden und ihnen Schaden erwachse,... wir heißen auch, daß ihr sie tröstet." Ja der Kaiser gebot sogar dem Rat, wenn er sich selbst einen Übergriff gegen sie erlauben wollte, dann ebenso für sie gegen ihn einzutreten, als ob dem Rate selbst Gewalt geschehen sollte3). Am wirksamsten aber erwies sich sein Schutz in den Jahren 1336 und 1337. Damals traf die Juden im Elsaß, am Rhein und im südwestlichen Deutschland bis tief nach Schwaben hinein eine furchtbare Verfolgung. Mehr als fünftausend Bauern, mit Dreschflegeln, Heugabeln, Spießen und Äxten bewaffnet, scharten sich um zwei Edelleute, die sich König Armleder nannten, von dem Leder, das sie um den Arm gewunden hatten4). Raubend und mordend fielen sie über die Judengemeinden her, angeblich, um den Kreuzestod Christi im Blut der Juden zu rächen. Da machte der Kaiser der Verfolgung dadurch ein Ende, daß er den einen der beiden Armleder gefangennehmen und hinrichten Heß. In dieser Bedrängnis der Juden hat sich Ludwig keiner Gemeinde in dem Grade angenommen wie der Frankfurter. Auf Bitten des Rates schärfte er den mächtigsten Dynasten in ihrer Umgebung, dem Grafen Ulrich von Hanau und dem Herrn von Eppstein „vast und ernstlichen" ein5), die Juden zu schirmen, die Judenschläger — so nannte man die Scharen Armleders — nicht in das Gebiet der Stadt zu lassen, sondern bei einem derartigen Versuch über sie herzufallen. Ähnliche Weisungen erhielt der Erzbischof von Mainz. Gemeinsam mit dem Frankfurter Rat sollte er geeignete Veranstaltungen zur Verteidigung der Juden treffen6). Durch diese Maßregeln eingeschüchtert, hielten sich die Armlederschen Scharen von Frankfurt fern. Das Jahr darauf erschien Ludwig selbst in Frankfurt und hielt jenen folgenschweren Reichstag daselbst ab, der die Anmaßungen des Papstes, Richter des deutschen Königs zu sein und in seine S. 29 Nr. 28. 2) 1. c. Nr. 30. 3) Boehmer-Lau II, S. 310 Nr. 415. S. auch das kaiserliche Schreiben an den Bat, datiert München 1337 vom 15. April 1. c. S. 460 Nr. 610. Es schließt mit den Worten: and haltent si bi irer gewonheitten und rechten, als si herbracht habent, als lieb iuch unser furderunge si. *) Graetz Band VII S. 326. fi) Das Schreiben des Kaisers ist datiert: Schleusingen 1337, August 17 (Boehmer- Lau H, S. 471 Nr. 622). G) Boehmer-Lau LT, S. 472 Nr. 624, datiert Bamberg 1337, August 22.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.